80 Wild-, Küchenkräuter und andere Pflanzen, die vormachen, wie man das Leben robust und freudig meistert

Mich findest du in jeder freien Minute im Garten. Ich liebe es, anzubauen, zu hegen, zu pflegen und das Wachstum von wild aufgegangenen Pflanzen zu beobachten. Besonders schön finde ich, was uns die Natur lehrt.

Bei vielen Pflanzen staune ich, wie robust und freudig sie sind. Kräuter beispielsweise sind nicht nur eine wunderbare Ergänzung für den Naturgarten und viele (nicht alle!) für den Esstisch. Abgesehen von ihren wertvollen Inhaltsstoffen weisen sie wie andere Pflanzen auch durch ihren Wuchs auf Eigenschaften hin. Eigenschaften, die wir Menschen für ein stabiles und unbeschwertes Leben gut brauchen können.

Sich die erforderliche Zeit gewähren und Kräfte bündeln

  • Bärlauch gönnt sich eine lange Ruhephase nach der Blüte und zieht die Blätter in den Boden ein.
  • Dillsamen brauchen lange zum Keimen und nehmen sich die Zeit.
  • Die großblütige Königskerze treibt wie viele andere 2-jährige Pflanzen im ersten Jahr nur eine Blattrosette aus und sammelt Kraft für die Blüte im zweiten Jahre
  • Über die (Blatt-)Petersilie sagt man, sie müsse erst in Rom beim heiligen Petrus die Genehmigung zum Aufgehen einholen. Die lange Reise dahin und zurück zeigt sich in der langen Keimdauer.
  • Scharbockskraut zieht sich nach der Blüte in seine Wurzelknollen zurück. Im Stärkespeicher sammelt es Kraft um im nächsten Frühjahr zeitig wieder los zu starten.
  • Waldreben benutzen zum Klettern ihre sich windenden Blattstiele. Ursprünglich zart, verholzt der Stiel mit der Zeit und wird dicker und dicker. Die Versorgung einer immer größer werdenden Pflanze ist gewährleistet und dann kann sie ausufernd wachsen.
  • Der im Garten so beliebte Bambus braucht bis zur Blüte meist mehr Jahre als ein Menschenleben hat.

 

Gute Gelegenheiten erkennen und nutzen

  • Ackerschachtelhalm findet die kleinste Ritze zum Durchbrechen
  • Der Same ist auf einem Bahndamm gelandet? Kein Problem für den Beifuss.
  • Klatschmohn freut sich über offenen Boden und Brachland.
  • Die Früchte der Klette waren die Inspiration für den Klettverschluss. Sie haften sich erbarmungslos an jeden, der an ihr anstreift.
  • Das Lungenkraut zeigt Bestäubern durch ihre Blütenfarbe an, ob es sich lohnt, hier zu landen.
  • Odermennig hat kleine borstige Früchte, die sich ungeniert bei Tier und Mensch anheften um verbreitet zu werden.
  • Der Quendel als der wilde Thymian kommt auch in Mauerspalten gut zurecht.
  • Der stachelartige, „igelähnliche“ Blütenstand vom Sonnenhut bleibt den ganzen Winter über fest, nährt Vögel im Winter und wird so auch verbreitet
  • Wegwarte wächst auch aus kleinen Fugen.
  • Die Blüten vom Wiesensalbei haben den für Salbei typischen Hebelmechanismus eingebaut. Er sorgt dafür, dass die Bestäubung funktioniert.
  • Ein ganz besonderes Lock- und ein ausgeklügeltes Festhaltesystem für Bestäuberinsekten hat der für Menschen in allen Teilen giftige Aronstab zu bieten.
  • Die Witwenblume überlässt die Arbeit der Verbreitung der nussartigen Früchte den Ameisen.

Sich auf verschiedene Situationen einstellen können und Stehaufmännchen-Qualitäten haben

  • Rotklee ist durch seine enorme Wurzellänge sehr anpassungsfreudig.
  • Spitzwegerich hat ein doppeltes Bestäubungssystem. Sowohl Wind als auch Insekten sorgen für seine Nachkommen.
  • Durch seine Haftwurzeln können Jugendtriebe vom Efeu sowohl Bäume als auch Mauern hochklettern.
  • Kletterrosen und Wildrosen benutzen ihre Stacheln um Halt zu finden.
  • Abgemähte Gänseblümchen in der Wiese treiben rasch die nächsten (kürzeren) Blüten. Nicht nur das, das Gänseblümchen erfreut uns auch fast das ganze Jahr über mit seinen Blüten.
  • Dem Habichtskraut schadet ein Mähvorgang nicht. Die Blätter liegen flach am Boden, neue Blüten erscheinen bald nach der Mahd.
  • Bis zum Boden zurück geschnitten zu werden ist für die Zitronenmelisse kein Grund aufzugeben.
  • Die Blüten der Speisechrysanthemen kann man ruhig pflücken. Neue folgen bald.
  • Selbst bei verblühtem Aussehen treibt der Wiesenbocksbart aus scheinbar trockenen Stängeln neue Blüten.
  • Nach groben Erdarbeiten und Verwüstungen ist Wundklee die ideale Pflanze. Er wächst schnell und bald schaut es schön aus. Als Klee-Art hat er nach Verwüstungen noch viel mehr zu bieten als hübsches Aussehen.
  • Mit gleich 2 Blütentypen sorgt das Veilchen für Nachkommenschaft. Es setzt nicht nur auf Fremdbestäubung sondern hat auch selbstfruchtende, unscheinbare, geschlossenen Blüten.

Ihren Platz beanspruchen

  • Comfrey, der kanadische Beinwell, ist ein Wucherer sondergleichen. Er setzt sich durch verdrängt gerne mal den einheimischen Beinwell.
  • Giersch ist durch seine Wurzelausläufer kaum zu bändigen
  • Wenn das Klima passt, breitet sich Heiligenkraut gnadenlos aus
  • Minzen können viel Raum beanspruchen, wenn man sie nicht in eingegrabene Topfschranken verweist.
  • Damit es selbst gut gedeihen kann, hemmt Liebtöckl das Wachstum der Pflanzen rundherum
  • Misteln wachsen auf Nadel- oder Laubbäumen, die ihre Wirtspflanzen sind. Als Halbschmarotzer zapfen sie zwar den Wirt an, kümmern sich aber noch selber um die Energiegewinnung.
  • Fenchel beansprucht den Platz um sich herum
  • Wermut duldet mit Ausnahme der schwarzen Johannisbeeren keine andere Pflanze in seinem Umfeld.
  • Hopfen windet sich hoch an Bäumen, Sträuchern, Pfählen, Laternenmasten … und rutscht nicht ab
  • Oregano oder die wilde Art Dost wandern muntern von alleine m Garten durch Ausläufer und Samen umher.
  • Die Indianernessel mag von anderen Pflanzen nicht bedrängt werden.

Sie stecken durch Ausdauer, Verwurzlung oder Unempfindlichkeit ganz schön viel weg

  • Bleibt nach der Wurzelernte von Alant ein kleines Stück im Boden, treibt er wieder aus.
  • Dem Baldrian macht es nicht aus, wenn er geteilt oder versetzt wird.
  • Mehrjähriges Bohnenkraut verträgt auch starken Rückschnitt
  • Die Eselsdistel hält trotz Größe dem Wind stand.
  • Gundelrebe bildet oberirdische Wurzelausläufer, die sich alle paar Zentimeter wieder in den Boden schlagen
  • Die Löwenzahnwurzel regeneriert sich vom kleinsten Stück, das im Boden bleibt.
  • Durch die tiefe Pfahlwurzel ist die Nachtkerze gut im Boden verankert.
  • Der Natternkopf kommt mit Ödland gut zurecht.
  • Tief und fest verwurzelt bringt den Sauerampfer so schnell kein Spaten um. Kleine Wurzelreste im Boden treiben wieder aus.
  • Ein langes Leben kann der einen oder anderen Thymiansorte auf kargen Standorten gegeben sein. Bis zu 100 Jahre alt liest man da.
  • Durch eine lange Pfahlwurzel ist der große Wiesenknopf fest im Boden verankert.
  • Die römische Kamille ist trittfest. Mit ihr kann man Duftwege anlegen.

Sich um sich kümmern, sich schützen

  • Borretsch sät sich im Garten selbst wieder aus.
  • Die Knoblauchrauke gehört ebenso zu den Pflanzen, die sich selbst aussäen. Sie ist höflich zu ihren Nachbarn und verdrängt sie nicht.
  • Der wie Tau aussehende Gutationstropfen auf Frauenmantelblättern wird von ihm selbst produziert.
  • Hirtentäschel kümmert sich um seine Nachkommen durch tausende Samen pro Pflanze und mehrere Generationen im Jahr.
  • Kapuzinerkresse hat ein eingebautes natürliches Antibiotikum
  • Die wilde Karde schützt sich durch Dornen am Stängel
  • Tagetes vertreiben über Wurzelausscheidungen Nematoden (Fadenwürmer) im Boden.
  • In den Blättern und Samenkörnern vom Koriander findet sich eine keimtötende Substanz.
  • Der Überlieferung nach sucht sich das echte Labkraut einen energiereichen Glücksplatz zum Wachsen aus.
  • Die Mariendistel hat stachelige Abschnitten an den Blattenden zur Abwehr
  • Eine stattliche Größe mit vielen Blüten erreicht der Muskatellersalbei und lockt viele Insekten zum Bestäuben an
  • Die Kugeldistel öffnet ihre Blüten nach und nach und bietet so einen reich gedeckten Tisch für Bestäuber über einen längeren Zeitraum hinweg – nicht ganz uneigennützig.
  • Die Brennnessel schützt sich vor Feinden durch ihre Brennhaare.

 

Der „Früchte“ der Arbeit freudig oder duftend präsentieren

  • Die leuchtenden Blüten der Ringelblume erfreuen bis spät in den Herbst.
  • Hunderte zierliche Blüten auf sparrig wirkenden Stängeln sind typisch für den Steinklee.
  • Die Drachenkopfmelisse wächst immer weiter und öffnet neue Blüten
  • Die Blätter von Duftgeraniensorten enthalten ätherische Öle. Durch Berührung und Sonneneinstrahlung verströmt der Duft.
  • Die Färberkamillenblüten überzeugen durch ein leuchtendes, intensives Gelb.
  • Die Katzenminze betört durch einen pfefferminzartigen Geruch.
  • Die Kornblume macht durch eine intensive Blaufärbung auf sich aufmerksam
  • Der Lavendel vertreibt durch seinen Duft die Motten.
  • Bei manchen Monarden wachsen die Blüten sogar manchmal in Etagen
  • Beim Rosmarin sind’s die Blätter, die duften
  • Die unscheinbaren und winzigen Blüten von der Vogelmiere sind Wetterpropheten
  • Die Blüten der Ackerwinde sind zwar extrem kurzlebig, dafür gibt es aber täglich neue.
  • Beim Seifenkraut duften die Blüten am Abend besonders intensiv.
  • Agastachen wie die koreanische Minze verbreiten Duft beim Trocknen

Bei der Vorbereitung zu diesem Artikel ist mir aufgefallen, wie viele Kräuter es doch wirklich im nahen Umfeld gibt. All die obigen sind in meinem Garten oder der näheren Umgebung zu finden. Dazu noch eine ganze Liste weiterer, die sich durch andere Eigenschaft im Wuchs oder Aussehen hervorheben.

Erstaunlich war für mich auch, wie oft ich den Artikel umgeschrieben habe. Alle Pflanzen haben mehr als eine gute Eigenschaft. Ich habe mich mit der Zuordnung schwer getan. Das spricht für die Vielfalt der Pflanzen.

Es lohnt sich, mal darüber nachzudenken. Von welchen dieser Eigenschaften profitierst du schon, wovon wünschst du dir ein wenig mehr, spricht dich eine andere Eigenschaft bei einzelnen Pflanzen mehr an?

Anpflanzen, säen, in der näheren Umgebung erkunden

Jetzt hast du einen ersten Überblick, welche Kräuter vom Wuchs oder Aussehen her auf Robustheit, Widerstandskraft, Selbstaussaat, Langlebigkeit und noch ein paar andere Dinge hinweisen. Welche durch ihre Blüten oder ihren Duft lieblich sind und ein freudiges Gefühl auslösen können.

Vielleicht magst du die eine oder andere in deiner Nähe haben um sie genauer zu beobachten. Auf zum Raritätenpflanzenmarkt, in die nächste Wildpflanzengärtnerei oder besorg dir Samen per Onlinebestellung. Es gibt bereits viele Anbieter. Alternativ kannst du viele davon in der freien Natur finden. Ich kann dir sehr empfehlen, öfters im Jahresverlauf an geführten Kräuterwanderungen teilzunehmen.

Zu den einzelnen Kräutern werde Ich immer wieder mal einen separaten Artikel veröffentlichen und hier verlinken. Du kannst dich gerne für den unverbindlichen Newsletter anmelden, damit du auf dem Laufenden bleibst. Die Anmeldemöglichkeit findest du zum Beispiel hier.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

Ein Kommentar Schreib einen Kommentar

  1. von Esther

    Nach einem intensieven Tag im Garten bin ich rundum glücklick. Einfach jede Minute draussen sein. Geniessen staunen setzen helfen.
    Es ist einfach zauberhaft. Und Abend noch etwas im Internet stöbern. Tolle Sachen die du da hast!
    Ich kann vieles mit dir teilen.
    Naturgrüsse. Esther

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