Für Neulinge: In 9 Schritten zur perfekten Balkontomatenernte

Die paar Einheitstomatensorten aus dem Supermarkt öden dich geschmacklich an? Da geht es dir wie mir. Was liegt näher als sie selber anzubauen? Wenn da nicht die Pessimisten rundherum wären, die die Tomatenaufzucht als Wissenschaft hinstellen und jammern, das funktioniert ja sowieso nicht.

Lass die anderen jammern und wehklagen und starte frohen Mutes dein  Projekt „leckere Balkontomate“!

Trotz Garten, baue ich seit Jahren Tomaten bevorzugt in Kübeln auf der Terrasse an. Ich verrate dir meine persönliche Hitliste, wie dir das gelingt.

Schritt 1: Ausreichend großer Topf und Untersetzer:

Pro Tomatenpflanze ist ein Topf mit mindestens 10 Litern Fassungsvermögen günstig. 15 Liter sind noch besser. Vom Material her hast du die Auswahl zwischen Keramiktopf und Plastiktopf.

  • Ein Keramiktopf speichert besser das Wasser und er ist hitzeabweisender, was den Wurzeln der Tomate zu Gute kommt. Im Topf gelangen die Wurzeln bis an die Begrenzung. Große Hitze schädigt sie, ohne dass du es bemerkst. Nachteile eines Keramiktopfes sind der Preis und für mich vor allem das Gewicht.
  • Ein Plastiktopf oder „stinknormaler“ Kübel mit Wasserabzugsloch ist billiger und leichter. Die Hitze gibt das Plastik innerlich schneller weiter, was den Wurzeln schadet. Mein Tipp ist einen größeren Topf aus Plastik wählen, farblich hell gehalten, nicht schwarz.

Ein Wasserabzugsloch ist bei allen Materialien notwendig. Da kann man beim Kauf in eine Falle tappen! Dazu brauchst du einen vom Durchmesser größeren Untersetzer, um den Nachbarn unter dir nicht zu bewässern.

Schritt 2: Gute Erde und Sonne:

Spezielle Erde für Tomaten- oder Gemüseanbau gibt es in 10 bis 40 Liter Säcken in Gartencentern und Heimwerkermärkten. Bitte achte auf Bioqualität, sie ist preislich minimal teurer, aber es geht ja um dein Gemüse. Eine Frage der Einstellung ist torffrei ja oder nein. Ich sage eindeutig „JA“, denn ich möchte mein Gemüse nicht zulasten der Moore der Erde anbauen. 

Licht brauchen die Pflanzen, das haben sie auf dem Balkon. Außer es ist ganztägiger Schatten. Da wird es nichts.

Schritt 3: Stab und Schnüre für die wachsenden Balkontomaten

Diese Hilfsmittel brauchst du je nach Sorte der Tomaten. Es gibt Stab- und Buschtomaten.

  • Stabtomaten wachsen in die Höhe und brauchen einen Halt. Tomaten haben kein selbst eingebautes System des Anhaltens oder Schlingens wie beispielsweise Efeu oder Schlingpflanzen. Du musst sie unterstützen. Dazu Stab und Schnur. Wenn die Triebe in die Höhe wachsen bindest du sie locker am Stab an. Spezielle Stäbe für Tomaten, die wellenförmig nach oben gewunden sind, gibt es auch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Stäbe, die aus Metall sind, in einem Topf nicht dauerhaft gut stehen. Sie sind zu schwer und bekommen durch die Länge bald das Übergewicht. Darum wähle ich für meine Töpfe normale leichte Stäbe aus Plastik mit Noppen aus dem Heimwerkermarkt.
  • Buschtomaten wachsen in die Breite und brauchen keine Unterstützung nach oben. Dafür aber Platz rundherum.

Ob Stab oder Buschtomate, da geht es nur um die Wuchsform, noch nicht um die Sorte.

Schritt 4: Jungpflanzenwahl der Sorte:

Wenn du noch keine Erfahrung mit Balkontomaten hast, empfehle ich dir, Cocktail- und Salattomaten als Einstieg. Von klein bis mittelgroß, oval oder rund. Mit Sorten der Farbe hellrot und gelb habe ich im Topf bessere Erfahrung gesammelt als mit tief dunkelroten bis schwarz gehenden Sorten. Fleisch- und Saucentomaten entwickeln meist größere Früchte, die dann schwerer am Stängel hängen und etwas mehr Erfahrung mit dem Anbinden verlangen.

Vom selber Säen rate ich anfangs ab. Mit Jungpflanzen – am besten in Bioqualität – bist du gut bedient und siehst die Pflanze schon beim Kauf: Ist sie mickrig, wähle lieber eine andere. Mit dem Säen kannst du in späteren Jahren experimentieren, wenn dir das Spaß macht.

Schritt 5: Ins Freie nach den Nachtfrösten.

Tomaten gehören erst nach den drohenden Nachtfrösten ins Freie. Das ist Mitte Mai. Am besten du wartest mit dem Kauf zu, damit sie nicht lange im Zimmer herumstehen müssen. Ein nicht zu verachtender Vorteil, wenn du mit dem Kauf wartest, ist, dass du die Vitalität der Pflanze besser siehst.

Schritt 6: Regelmäßige Bewässerung – und wie schafft man das?

Kalkhaltiges Wasser aus der Leitung ist besser geeignet für Tomate als Regenwasser. Regelmäßigkeit beim Gießen, am besten morgens und direkt zu den Wurzeln, nicht im Gießkannensystem über die Pflanze. Nur wie?

Im Heimwerkermarkt findet man eine Auswahl an automatischen Minibewässerungssystem für den Balkon. Getestet und als gut befunden habe ich ein simples Tropfsystem, das man in eine leere Plastikflasche steckt, bei der der Boden abgeschnitten wurde. Das Wasser kommt da hinein. Bei mir reicht eine 1,5 Liter mit Wasser gefüllte Flasche für ca. zwei Tage pro Topf.

Um die Urlaubszeit gut zu überstehen und die daheimgebliebenen Helfer nicht zu sehr zu belasten, kann man auf System mit großem Wasserbehälter und Tropfsystem zugreifen.

Schritt 7: Düngen während der Wachstumsphase

Je kleiner der Topf und je größer die Frucht erwartet wird, desto mehr geht es in Richtung „Ja“ zum Düngen. Aber: Es ist ein Kann und kein Muss. Bei Fleischtomaten dünge ich schon, bei Cocktailtomaten und Salattomaten nicht. Wer einen Wettbewerb des Ernteergebnisses gewinnen will, der sollte düngen. Flüssigdünger ist am praktischsten in der Handhabe. Bioqualität, weil es wiederum um dein Gemüse geht. Bitte beachte die Hinweise auf der Verpackung, wie lange nach der letzten Düngung man nicht ernten soll.

Schritt 8: Worauf du achten solltest 

Tomaten mögen Wasser von oben gar nicht. In den letzten Jahren hat sich eine Erkrankung genannt Krautfäule verbreitet. Sie kann die Pflanze schlagartig unbrauchbar machen. Das Risiko steigt, wenn die Blätter ständig nass sind und nicht schnell genug abtrocknen. Auf einem überdachten Balkon bist du davor gut gefeit, sofern du dich an Schritt 6 hältst und nur im Wurzelbereich gießt. Was aber, wenn dein Balkon nicht überdacht ist? Dann wähle Sorten, die in der Beschreibung als „krautfäuleresistent“ angepriesen werden. Solche Sorten halten der Krankheit länger stand und du kannst ernten.

Schritt 9: Ernten wenn sie reif sind.

Tomaten, die nicht speziell für die Industrie gezüchtet wurden, reifen unterschiedlich im Gegensatz zum gewerblichen Anbau. Du kannst ruhig einzelne Tomaten einer Rispe ernten, wenn sie reif ist. Warte nicht darauf, dass alle Früchte derselben Rispe reif sind, denn dann sind die ersten schon geplatzt.

Jetzt kennst du meine Geheimnisse und die Gegenstrategien, gelernt aus meinen Anfängerfehlern. Tomatenanbau am Balkon kann gelingen und zu einem neuen Geschmackserlebnis bei Tomaten führen. Beim Gedanken einer leckeren reifen bunten Tomate aus eigenem Anbau auf einem Butterbrot mit etwas Salz läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Eine Supermarkttomate schafft das nicht, die ist bloß Fülle. 

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

 

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Nadine

    Hallo, soll ich bei meinen Tomaten die gelben Blätter eher abmachen oder dran lassen?

    • von Sylvia Wonisch

      Hallo Nadine! Ich entferne verfärbte Blätter immer. Am besten das Schneidwerkzeug vorher mit Alkohol reinigen und nachher auch.Gutes Gelingen und gute Ernte!
      Sylvia

  2. von Sylvia Wonisch

    Danke für den Link zu den Anzuchttöpfen!

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