Buntes Schauspiel Kapuzinerkresse oder Trauerspiel Kapuzinerkresse

Anfang Oktober hatte ich in der Bezirkshauptstadt zu tun und bin durch die malerischen Gassen der Altstadt flaniert. Plötzlich stand ich vor einem wahren Blüten- und Blättermeer an Kapuzinerkresse. Überdimensional große Blumenkübel umrandeten den Gassensitzplatz eines Restaurants. In ihnen drinnen wucherte Kapuzinerkresse. Was für ein atemberaubender Anblick das war! Offensichtlich wird sie dort gekonnt als Kübelpflanze zur Orstbildverschönerung und Abgrenzung vom öffentlichen Raum eingesetzt. Doch auch im Garten oder am Balkon macht die Kapuzinerkresse etwas her.

Kurz und knapp über die Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse gehört botanisch zu den Kapuzinerkressengewächsen mit dem Zungenbrechernamen „Tropaeolaceae“. Ursprünglich in Süd- und Mittelamerika beheimatet, findet man sie oft in Gärten und Parks in Europa. Hierzulande wächst sie nur einjährig, das kalte Klima im Winter behagt ihr nicht. Sie kommt auch kaum verwildert vor.

Wer ihre beachtlichen Inhaltsstoffe in der Küche verwerten will, kultiviert sie am besten selbst im Garten oder am Balkon.

Der Anbau von Kapuzinerkresse im Garten

Kein Problem, dachte ich vor Jahren in den Anfängen meines Gärtnerdaseins. Schließlich stand überall, Kapuzinerkresse sei völlig unkompliziert. Egal ob Sonne oder Halbschatten, sie macht vielerorts gute Figur und bereitet dem Gärtner weder Sorge noch Arbeit. Der Boden soll nicht mit frischem Kompost versorgt sein, sonst treibt sie vermehrt Blätter und wird blühfaul. Je nach Sorte beschattet sie Baumscheiben, gibt hängend einen tollen Blickfang an den Ecken und Kanten der Hochbeete, rankend erreicht sie ungeahnte Höhen und in Buschform passt sie in Töpfe Balkon oder Terrasse.

Abgesehen von einer Vorzucht auf der Fensterbank können die großen Samenkörner nach den Eisheiligen Mitte Mai direkt an Ort und Stelle in den Boden gelegt werden, die Keimung erfolgt recht rasch.

Ein buntes Schauspiel Kapuzinerkresse

Das erste Jahr meiner Kapuzinerkresseleidenschaft gestaltete sich wie aus dem Lehrbuch. Die Beete waren überwuchert mit den wunderschönen Blättern der Kapuzinerkresse, die Blüten in verschiedenen leuchtenden Farbe ein Blickfang. Bald konnte meine Ernte beginnen. Junge Blätter, unzählige essbare Blüten und Knospen wanderten in Salate und behübschten als Highlight fertige Mahlzeiten. Sogar ein Pesto konnte ich daraus machen, so wuchs- und blühfreudig war sie den ganzen Sommer hindurch bis spät in den Herbst. Ich war im Kapuzinerkressehimmel.

Das nächste Jahr begann vielversprechend. Im Vorjahr haben viele Blüten Samen ausgebildet, die im Boden – geschützt durch Winterabdeckung – überlebt und im Frühjahr für ihren eigenen Fortbestand gesorgt haben. Herz, was willst du mehr! Meine Freude war nicht zu bremsen. Im Geiste sah ich mich schon meine Familie und Freunde mit unzähligen Gläsern Kapuzinerkressepesto versorgen.

Bodenbedeckung durch Kapuzinerkresse

wuchernde Kapuzinerkresse

Die Wende zum Trauerspiel kommt unvorhergesehen

Es war ein Sommer mit lange dauernder Hitzeperiode. Kaum waren die ersten heißen Tage da, fand ich schwarz schillernde Punkte auf meinen Pflänzchen und die Blätter waren übersät mit kreisrunden Löchern. Die Punkte sprangen auch noch hoch und weit! Was ist das bloß? Im Internet fand ich die Lösung.

Erdflöhe!

Erdflöhe – stand da – lieben Trockenheit und haben Kapuzinerkresse zum Fressen gerne. Nicht nur sie, aber es war anscheinend nichts anderes Leckeres in meinem Garten zu dieser Zeit. All meinen Gegenmaßnahmen zum Trotz war sie durch den Fraß der Erdflöhe bald so geschädigt, dass die ganze Pflanze eingegangen ist.

Schädlinge an der Kapuzinerkresse

Lochfraß an Kapuzinerkresse durch Erdflöhe

Den Feinden an den Kragen gehen

Ich habe geharkt, gemulcht, wollte die Flöhe mit dem Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch in die Flucht schlagen, ihnen den Appetit durch Geruch verderben und noch vieles mehr. All die Tricks, die ich im Internet und in den Gartenbüchern gefunden habe, habe ich getestet. Nichts half dauerhaft, die Armada an Erdflöhen war hartnäckig und anscheinend sehr hungrig.

Aus und vorbei! Kein Pesto, keine Blätter und Blüten im eigenen Essen. Wer will schon eklig aussehende Blattreste auf dem Salat. Zum Blühen hat den Pflanzen mangels unzureichender Photosynthese der Blätter die Kraft gefehlt.

Ist das das Ende der Leidenschaft?

Im darauffolgenden Jahr wiederholte sich das Trauerspiel mit den Erdflöhen. Einmal da, wird man sie nicht so leicht wieder los. Sie können mehrere Generationen im Jahr hervorbringen. Die Eier der letzten Generation überwintern im Boden als Larven um dann ab April wieder ihr Unwesen zu treiben.

Ich konnte ja schlecht die Erde im ganzen Garten und im Umland austauschen. Selbst wenn, so ein leckeres Mahl lockt die sprungkräftigen Erdflöhe von weiter her an.

Da kam mir ein Tipp gerade recht:

 „Hilft keine der Abwehrmaßnahmen, dann lassen sie den Anbau im Sommer bleiben.“

Taktikänderung

Auf den Leckerbissen und Augenschmaus Kapuzinerkresse ganz verzichten wollte ich auch nicht.

Taktik 1: Sortenwahl

Beim Samenkauf wähle ich Sorten und Anbieter, bei denen als letzter Aussaatzeitpunkt der Juli angegeben ist. Meist steht bei Direktsaat „Mai – Juni“, vereinzelt findet man auch welche, die Mai- Juli angeben.  Bei Aussaat Ende Juli sind die Voraussetzungen deutlich besser, der Erdflohgefahr aus dem Weg zu gehen.

Man kann auch ausprobieren, statt sich blindlings auf die Angaben zu verlassen. Selbst wenn Ende Juni als letztmöglicher Aussaatzeitpunkt angegeben ist, warum nicht auch im Juli probieren. Im schlechtesten Fall keimt der Same nicht.

Taktik 2: Aussaattopf statt Direktsaat im Beet

Um das Risiko noch weiter zu minimieren, bin ich dazu übergegangen, die Kapuzinerkresse in größeren Aussaattöpfen zu säen. Dazu verwende ich frische Erde aus dem Baumarkt oder Gartencenter und vermeide Erde aus dem Garten. Da Kapuzinerkresse es gar nicht mag pikiert zu werden, nehme ich pro Topf auch nur 1 Samenkorn. Gemeinsam mit Taktik 3 habe ich immer einen vorgezogenen Vorrat zum Auspflanzen.

Taktik 3: Zeitversetzt auf viele setzen

Bei der Kapuzinerkresse säe ich mehr Samenkörner als ich Platz für Pflanzen habe und dazu noch in mehreren Sätzen von Mai bis Ende Juli. Ins Beet kommen immer nur einige davon. Die anderen halte ich an einem schattigen Ort absichtlich klein im Topf. So weit wie möglich entfernt von der ausgepflanzten Kapuzinerkresse, von Radieschen, Gartenkresse, Kohlrabi und besonders von Rucola. Sie allesamt stehen auf dem Speiseplan der Erdflöhe. Ist eine Lücke im Beet vorhanden, die Hitzeperiode zu Ende oder eine Kapuzinerkresse Opfer der hungrigen Flöhe geworden, kommt der großer Moment der Minis. Raus aus dem Schatten, rein ins Beet.

 

Je älter der Sommer ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Kapuzinerkresse überlebt und nicht ganz den Erdflöhen zum Fraß fällt. Hält man die Erde schön feucht, gedeiht sie noch lange in den Herbst hinein und bietet genug an Erntemöglichkeit.

Kapuzinerkresse im Herbst

Septemberbild einer Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse im November bei milden Temperaturen

So wandelt sich durch Erfahrung über die Jahre ein vorerst buntes Schauspiel, das zum Trauerspiel mutiert, wieder in ein buntes Schauspiel um. Wenn’s nicht so ganz üppig wird wie in dem Blumenkübel von dem Restaurant, pflanze ich eben mehrere nebeneinander. Sagt ja niemand, dass das Blätter- und Blütenmeer von einer einzigen Pflanze stammen muss. Dabei kann man auch noch die Farben variieren und ein noch farbenfroheres Bild schaffen. Kulinarisch verwenden kann man sie im Herbst genauso wie im Sommer.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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