Das ABC für einen guten Naturgarten

Als vor Jahren die Gartenplanung am Programm stand, war ich sofort Feuer und Flamme für das Konzept eines Naturgartens. So viel habe ich darüber gelesen, hübsche und inspirierende Bilder in Gartenmagazinen bestaunt. Ich wollte selber so ein Wunderwerk der Natur als Garten haben.

Stehst du gerade am Anfang und hast ähnliche Überlegungen vor dir, hab ich genau das Richtige für dich – meine gesammelten Erfahrungen.

 

A          „Abfall“ verwenden

Was so manche als Abfall werten, ist für den Naturgarten wertvolles Material. Durch Wieder- oder Weiterverwendung sparst du dir sogar Abfallgebühren.  Pflanzenreste können auf den Kompost, Grasschnitt als Mulchmaterial (Mulchen = Boden bedecken und ihn schützen) verwendet werden, Steine speichern Wärme und passen gut zu wärmeliebenden Pflanzen. Die Möglichkeiten sind vielseitig. Frage dich: Ist das wirklich Abfall, den ich entsorgen muss, oder kann ich das irgendwie recyceln?

B          Biodiversität erhöhen

Sinngemäß geht es um „Vielfalt des Lebens“. Biodiversität findet im kleinsten Rahmen seinen Anfang! Wir dürfen nie vergessen, dass wir in einer Gemeinschaft leben: Tier- und Pflanzenreich sind mit uns verbunden. Je mehr wir den Artenreichtum fördern, desto besser für den Menschen. Artenreich und strukturreich soll ein Naturgarten gestaltet sein, damit möglichst viele Pflanzen und Tiere sich willkommen fühlen. Je nach Gartengröße hast du mehr oder weniger Möglichkeiten. Für einen Quadratmeter Wildblumenwiese oder eine Wildblumenmischung im Topf ist sicher Platz.

C          „Chaos“ zulassen

Ein wildes Eck im Naturgarten hat viele Vorteile: Du hast damit fast das ganze Jahr über nur wenig Arbeit und es dient vielen Tieren als Rückzugsort und Lebensraum. Das wilde Eck muss ja nicht gerade an der Straßenseite liegen. Vielleicht im hinteren, uneinsichtigen Teil des Gartens, im Schatten neben dem Kompost.

D          Dünger selber machen

Schreck dich nicht! Du brauchst als Naturgartenanfänger nicht sofort den Dünger selber machen. Achte nur bitte beim Kauf darauf, dass er biologisch ist. Mit der Zeit bekommst du vielleicht Lust zum Experimentieren mit deinem eigenen Dünger. In deinem Naturgarten wächst vieles, was als Ausgangsbasis für Pflanzenjauche oder Pflanzentee geeignet ist. Im Buchhandel und im Internet findest du alles Wissenswerte darüber, auf Youtube Anleitungsvideos.

E          Energie sparen

Jetzt wird es „handgreiflich“. Lass motorgetriebene Geräte möglichst stehen und greife zur händischen Alternative. Wer braucht schon Laubbläser, wenn es einen Rechen gibt. Als Naturgärtner outest du dich nicht als Elektro- und Benzinmuffel, sondern als gestandener Mensch, der Sachen auch per Hand erledigen kann. Die Umwelt dankt es dir und dein Körper auch.

F          Fünfe grade sein lassen

Es ist dein Garten: Mach dir deine Naturgartenwelt, wie es dir gefällt! Wunderhübsche Bilder in Hochglanzmagazinen oder in Büchern sind toll, aber es ist nicht dein Garten. Und ehrlich gesagt, du weißt auch nicht, wie es genau einen Meter daneben ausschaut. Strebe nicht nach Perfektion, sondern mach das, was dir gefällt und wo du mit deinem Herzen zustimmen kannst – unperfekt perfekt.

G         gestalterische Elemente einbauen

Egal wie groß deine Gartenfläche ist, Platz für gestalterische Elemente ist in jedem Garten. Verzichtest du auf Mörtel, können Blumen und Wildkräuter in der kleinsten Pflasterfuge wachsen. Nutze die Höhen und begrüne deinen Zaun oder die Wände. Wenn es die Bauordnung und die Statik erlauben, kann jedes Dach zur Grün-Oase werden. Ein Haufen Steine aufgeschlichtet und viele Pflanzen finden hier den idealen Lebensraum. Denke bitte nicht nur in ebenen Flächen, sondern achte auf vertikale Möglichkeiten … oder schaffe sie!

Steinmauer als Pflanzplatz

H         heimische Arten statt Exoten verwenden

Im Naturgarten spielt Regionalität eine große Rolle. Regionale, heimische Sorten sind dem Standort angepasst, haben bessere Chancen zum längerem Überleben und bieten der heimischen Tierwelt mehr als Exoten. Gib darum traditionellen Sorten deiner Region eine Chance! Sie sind mindestens genauso hübsch wie Exoten.  Das gilt für Gemüse, für Obst, Kräuter, Gräser, Sträucher und Blumen.

I           Improvisationsgeschick beweisen

Dein Naturgarten wird dich immer wieder überraschen. Da tauchen auf einmal Blumen und Kräuter des Vorjahres an ganz anderer Stelle wieder auf. Der Grund ist simpel: ihre Samen wurden vom Wind verweht oder von Tieren an eine andere Stelle getragen. Was tun, wenn beispielsweise eine Königskerze just im neu angelegten Gemüsebeet aufgeht? Ausreißen und auf den Kompost ist ein Möglichkeit, aber nicht die einzige. Intergriere die Pflanze in deinen Gemüsebeetplan und lass sie stehen, sie macht dein Gemüsebeet noch bunter und vielseitiger.

J           Jahre Zeit nehmen

Kein Garten entsteht von heute auf morgen. Klar, wenn du einen Gärtner beauftragst, der aus dem Stück Land in konzentrierter tagelanger Arbeit mit Rollrasen und schon größeren Stauden eine Blumenoase macht, dann kann das schon funktionieren. Im Naturgarten wächst und entwickelt sich alles nach und nach. Du brauchst Zeit, um dich an ihn zu gewöhnen und den Garten häppchenweise an deine Bedürfnisse anzupassen. Gib dem Garten die Zeit!

K          Kompost anlegen und verwenden

Kompost ist wertvolles Material. Durch Kompost verbesserst du das Bodenleben und führst dem Boden Nährstoffe zu. Für einen Kompost braucht es nicht einmal viel Platz, wenn du einen Wurmkomposter verwendest. Du solltest allerdings bedenken, dass beim „Hauskompost“ nicht die gleichen Temperaturen erreicht werden, wie in professionellen Kompostanlagen. Es werden immer wieder Samen den Rotteprozess überleben und nach dem Aufbringen auf dem Beet zu keimen beginnen. Überraschungen sind vorprogrammiert.

L          Leben und Leben lassen

Toleranz und Respekt ist im Naturgarten notwendig und angebracht. Der Verzicht auf chemische Keulen bringt es mit sich, dass sich in deinem Garten alle möglichen Tiere einfinden und mitfressen. Seien es die (verhassten) Nacktschnecken, Läuse oder anderes Getier. Rechne mit Verlusten, arrangiere dich mit den Gegebenheiten und notfalls den Fressfeinden deiner Mitesser: Marienkäfer oder Florfliegenlarven, die Läuse mögen, Laufenten, die auch Nacktschnecken am Speiseplan haben. Und freue dich darüber, dass dein Garten so attraktiv ist, dass er auch anderen Erdenbewohnern schmeckt.

M         Mischkultur im Gemüsegarten anwenden

Bei Mischkultur im Gemüsegarten hast du immer eine gute Mischung an Pflanzen nebeneinander, die sich mögen und unterstützen (es gibt Pflanzen, die sich nicht ganz „grün“ sind). So eine Mischkultur zwischen verschiedenen Gemüsearten, Blumen und Kräutern ist hübsch anzuschauen. Sie hält Gutes für den Boden bereit und du kannst den Platz optimal nutzen. Beim Gemüseanbau zahlt es sich aus, sich mit Mischkultur zu beschäftigen und bei einschlägigen Gartenratgeberbüchern einzulesen. Ich nenne absichtlich keine, weil ich keine Werbung für ein bestimmtes Buch machen will und das Angebot wirklich vielfältig ist. Stöbere in der Bücherei deines Vertrauens!

N         Nützlingshotels bereitstellen

Was wären wir ohne die Bestäuberinsekten? In einem Film aus China konnte man vor einigen Jahren sehen, wie auf Leitern stehende Menschen mit Pinseln bewaffnet bei Apfelbäumen Blüte für Blüte bestäubt haben. Was für eine Horrorvision! Mit einem Naturgarten tust du schon sehr viel, um die Insekten wieder in den Garten zu locken. Biete ihnen noch Unterschlupf und Nistmöglichkeiten an und sie werden es dir danken. Und: Du brauchst keinen Pinsel, um deine Apfelblüten zu bestäuben. ;-)

O         Objekte platzieren

In einem Naturgarten brauchst du nicht auf Kunst oder „kitschige“ Objekte zu verzichten. Er ist nicht nur dazu da, ein Nutzgarten für Mensch und Tier zu sein, du darfst ihn selbstverständlich ansprechend gestalten. Egal ob für andere kitschig oder schön, wenn dir etwas gefällt, dann hat es auch Platz im Garten. Du kannst selber mit Naturmaterialien dazu beitragen, dass dein Garten ein Kunstwerk wird.

Gartendeko

P          Planung für den Naturgarten

Naturgarten heißt nicht, dass man alles geschehen lässt, was die Natur will und auf Planung verzichtet. Im Gegenteil. Ein Naturgarten will geplant sein, sonst wird er zu einem einzigen großen „wilden Eck“. Beobachte den Sonnenstand zu den Tageszeiten, die Windrichtungen und andere Wettereinflüsse. Plane grob die Bereiche, die du unbedingt haben willst (Gemüsebeet, Beerensträucher, Hecke, …). Und dann geh Schritt für Schritt vor und setze einen Bereich nach dem anderen um. So kannst du mit dem Garten gemeinsam lernen, was für euch beide passt und was nicht.

Q         Qualifikation erlangen

Lernen von und mit Fachleuten hilft dir dabei, mehr über das Naturgärtnern in Theorie und Praxis zu erfahren. Besuche Schaugärten und rede mit den Eigentümern, lies dich in Bücher ein, tritt einem virtuellen Netzwerk bei oder regionalen Gartengruppen. Besuche und beobachte Gärten, die dir gefallen, im Wandel der Jahreszeiten. Selbstverständlich kannst du einen Naturgärtner zu dir ins Haus holen. In Österreich gibt es in manchen Regionen kostengünstige Beratung vom Land (z. B. die Naturgartenplakette in Niederösterreich).

R          Regenerations- und Ruhezeit gewähren

Wenn die Herbsttürme loslegen und der Winter vor der Tür steht, zeigen sich deutlich die Unterschiede zwischen Natur- und „normalem“ Gärtner. Letzterer schneidet vor dem Winter ab, was nur geht, räumt seine Beete auf und sorgt für Ordnung. Ein Naturgärtner lässt alles über den Winter stehen. Der Boden erhält dadurch Schutz und so mancher Vogel ein Samenkorn für den hungrigen Magen. Die Arbeit bleibt dieselbe, sie verlagert sich nur in das zeitige Frühjahr, wenn keine Bodenfröste mehr zu erwarten sind.

S          standortgerecht gestalten

Kennst du die Bodenverhältnisse und die Beschaffenheit des Untergrunds, kannst du deine Pflanzen dem Standort und den Bodenverhältnissen anpassen. Du sparst damit Zeit, Dünger und wertvolle Energie wie Wasser. Was nutzt es, wenn du einen sumpfigen Boden hast und eine trockenheitsliebende Pflanze dort ansiedeln möchtest oder andersherum. „Standortgerecht“ ist die Devise im Naturgarten.

T          Totholzhaufen liegenlassen

Der Strauch- und Baumschnitt darf ruhig in einer Ecke liegenbleiben und zu einem Totholzhaufen aufgestapelt werden. Totholz verrottet langsam und bietet während dieser Zeit Unterschlupf für viele Tiere, die dir im Garten ungefragt zur Hand gehen werden. Eine besondere Form der Nutzung von Strauchschnitt ist die Benjeshecke. Zwischen zwei Pfosten können die Äste deponiert werden und sie bilden so eine Hecke.

U         Unkraut redefinieren

Was für die einen Unkraut ist, ist für die anderen Wildkraut mit besonderen Eigenschaften. Die jungen Triebe der Brennnessel können beispielsweise geerntet und wie Spinat zubereitet werden oder mit Butter vermischt einen Brotaufstrich ergeben. Für viele Schmetterlingsarten sind Brennnesseln die einzige Futterquelle für die Nachkommenschaft. Frag dich, was für dich Unkraut ist und wie du es mit anderen Augen sehen kannst. Pflanzenführer und Wildkräuterwanderungen helfen dir dabei, zu erkennen, welche Schätze in deinem Garten wachsen.

V          verzichten auf ….

Als Naturgärtner weißt du, dass dein Garten keine Chemie benötigt, um im Gleichgewicht zu sein. Du verzichtest auf torfhaltige Erde und auf alle Pestizide und findest pflanzliche Alternativen oder kennst dich mit Fressfeinden aus, die dir helfen, deinen Garten natürlich zu gestalten. Auf einen ständig lichtdurchfluteten Garten in der Nacht verzichtest du, weil du die Natur mit Licht am Tag und Dunkelheit in der Nacht respektierst.

W         Wildstrauchhecke pflanzen

Die Hecke in einem Naturgarten besteht aus möglichst vielen, unterschiedlichen, regionalen Gehölzen. Beerensträucher, die Vögeln im Winter als Nahrungsquelle dienen, werden kombiniert mit laubabwerfenden Sträuchern, deren Laub dem Boden im Winter Schutz gibt. Regionale Gehölzbetriebe oder Baumschulen mit regionalem Angebot helfen dir dabei, die passenden (und standortgerechten) Heckensträucher zu finden.

X          x-fach genießen

Nun, wenn dir das alles bisher nach viel Arbeit geklungen hat, jetzt kommt der Zeitpunkt zum Genießen. Ein Naturgarten bietet dir viele Möglichkeiten dafür. Du kannst Tiere beobachten, hast unendliche Fotomotive, erlebst hautnah das Wachsen der Pflanzen, kannst riechen, staunen, ausruhen. Du hast Sonnenplätze im Garten und Schattenplätze, die dir Entspannung und Ruhe bieten.

Y          Yin und Yang

Das östliche Prinzip von Yin und Yang kannst du auch in deinem Naturgarten anwenden. Yin steht für die Nacht, das Dunkle, die Ruhe, das Feuchte, den Mond. Yang steht für den Tag, das Helle, die Aktivität, die Trockenheit, die Sonne. Jeweils der Kern von einem ist im anderen. Lasse in deinem Naturgarten Yin und Yang einkehren durch verschieden gestaltete Bereiche, die eher das eine Prinzip oder das andere Prinzip repräsentieren. „Ruhige“ Bereiche mit gedämpften Farben, Bereiche mit einem Feuerwerk von Farbe als Beispiel. Es müssen keine großartigen Dinge sein. Den Kern von Yang (Aktivität) kannst du in die Nacht (Yin) bringen, wenn du eine Nachtkerze anbaust. Nachtkerzen sind wunderhübsche, imposante Pflanzen, sie öffnen ihre duftenden, gelben Blüten am späten Abend und schließen sie am Morgen wieder und sie sind wichtige Nektarquellen für Nachtfalter.

Z          Zefix!

Ich gestehe, ich habe es mir bis zum Schluss aufgehoben – das „Z“. Jetzt kommt die Bombe! Halte dich gut fest oder setze dich hin: Es wird was schiefgehen!

  • Du wirst Rückschläge erleiden
  • Du wirst Enttäuschungen erleben.
  • Wirst dich fragen, warum in aller Welt du dir das angetan hast, was du wohl falsch machst oder warum bei anderen scheinbar ein Naturgarten keine Arbeit macht.
  • Vielleicht wirst du von Freunden und Bekannten komisch angeschaut oder belächelt, als Weltverbesserer abgestempelt, als Schneckenzuchtbetrieb eingestuft, als armes Würstchen, das sich nicht mal einen Laubbläser oder das neue Modell Automower (selbstfahrender Rasenmäher) leisten kann, und und und.

Es gibt sie, diese Tage. Sie kommen völlig unverhofft und unvorbereitet. Wer was anderes behauptet, ist entweder ein unglaublicher Optimist, der in allem nur das Positive sieht oder er hat die eierlegende Wollmilchsau gefunden. Dann gib mir bitte die Adresse. Denn ich gehöre zu denen, bei denen jedes Jahr etwas schiefgeht und die sich fragen, warum sie dennoch weitermachen wollen.

Die Antwort gebe ich mir nach einigen Stunden Bedenkzeit immer gleich: Weil es sich lohnt, für die Natur und ihre Erhaltung zu stehen. Weil es an all den anderen Tagen unglaublich viel Spaß macht, die Natur zu beobachten. Weil es Herzklopfen verursacht, wenn eine neue Vogelart zu Besuch kommt, bunte Schmetterlinge um die Blüten tanzen oder ein Igel am Abend seine Runden im Garten dreht.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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