Ein Solo im Garten – der Wermut

Der wahrscheinlich beste und meistgecoverte Popsong aller Zeiten „Yesterday“ von den Beatles hat eine interessante und teilweise widersprüchliche Entstehungsgeschichte. Obwohl als Beatles-Song veröffentlicht, ist „Yesterday“ ein Solowerk, geschrieben und gesungen von Paul McCartney alleine.

Weil die Beatles in Großbritannien um ihren Ruf besorgt waren, kam die Single „Yesterday“ zuerst in Amerika heraus. „Yesterday“ stürmte die die Charts und bereits 3 Wochen nach Veröffentlichung wurde eine Goldene Schallplatte in den USA verliehen.

Manchmal muss man Dingen ihren Einzelplatz zugestehen.

So wie Paul McCartney diesen Song alleine auf der Bühne performt und die Veröffentlichung der Single einen weltweiten Megaerfolg bescherte.

Das gibt’s auch im Garten. Kräuter, die alleine stehen wollen und keine anderen rund um sich herum dulden. Der Wermut gehört dazu.

Ein paar Fakten zum Wermut.

Er gehört der botanischen Familie der Korbblütler an. Wenn ihm sein Platz behagt,  wächst er mehrjährig. Er kann eine imposante Größe von bis zu 1 Meter erreichen. Seine Blätter sind grau-silbrig und wirken seidig filzig. Die hellgelben, halbkugeligen Blüten sind unscheinbar und klein. Er blüht zwischen Juli und September.

Markant ist sein würziger Geruch. Sein extrem bitterer Geschmack kommt vom enthaltenen Bitterstoff Absinthin. Andere wesentliche Inhaltsstoffe sind die ätherischen Öle Thujon, Thujol und Phellandren sowie Gerbstoffe.

Sein botanischer Name lautet Artemisia absinthium.

Warum der Wermut im Kräutergarten Platz finden sollte.

Als Kräuterstaude ist der Wermut alt, bekannt und berühmt.

Im 8. Jahrhundert nach Christus wurde er von den Mönchen in den Klostern angebaut und als Allheilmittel für alles Mögliche gesehen. Heutzutage geht man vorsichtiger mit dem bitteren Wermut um.

Im 19. Jahrhundert hat er in Frankreich durch Vincent Van Gogh Berühmtheit erlangt. Dem Künstler wird nachgesagt, er sei dem aus Wermut gebrauten Modegetränk „Grüne Fee“ äußerst zugetan gewesen.

Praktische Gründe liegen in seiner Verwendungsmöglichkeit.

In der Volksheilkunde wird der Wermut angeführt bei allen möglichen Problemen im Magen-Darm-Bereich und bei Beschwerden verursacht durch Leber und Galle. Generell wird er als Stärkungsmittel gesehen. Durch seine Bitterstoffe in Kombination mit den ätherischen Ölen regt er die Lebensgeister an.

Wermuttee, Wermutwein und Tinktur mit Wermut zählen zu einigen inneren Anwendungsmöglichkeiten. Äußerlich hilft angesetztes Wermutöl bei Insektenstichen. Es lindert den Juckreiz.

Räucherfans können mit Wermut bestimmte Schutzräuchermischungen herstellen und ihre Wohnräume ausräuchern.

Kulinarisch haben Wermutblätter beim Gänsebraten ihren großen Auftritt.

 

Darf ihn jeder uneingeschränkt verwenden?

Nein! Das ist nicht außergewöhnlich nur für den Wermut. Das ist bei allen Kräutern so, selbst bei gängigen Küchenkräutern.

Jeder der sich Kräuter zunutze machen will, ist gut beraten sich vor der ersten Anwendung über die Gegenanzeigen zu informieren.

 

Zurück zur hübschen Kräuterstaude, der Wermut macht schon was her im Garten.

Worauf der Wermut uns hinweist.

Schauen wir ihn uns genauer an. Dazu müssen wir nahe ran, denn von weitem gesehen wirkt er unscheinbar. Bei näherer Betrachtung sieht man seine filigrane Schönheit. Die grau-silbrig schimmernden Blätter, die zarten Blüten, sein herber Duft faszinieren. Man fragt sich, ob er wohl traurig ist, weil seine Blüten die Köpfe nicht der Sonne entgegenstrecken, sondern die kleinen Halbkugeln ihren Kopf verschämt gesenkt halten. Er wirkt wie eine introvertierte Pflanze, ganz auf sich selbst konzentriert. Fast magisch.

Er gibt uns einen Hinweis, dass wir die Selbstbewusstheit in uns entdecken, konzentriert bleiben und uns zentrieren sollen. Betrachtet man ihn länger, wird die Fantasie angeregt. Man könnte sagen „Wermut beflügelt“.

Der Anbau von Wermut im Garten ist einfach.

Wermut kann auf zwei Arten vermehrt werden: durch Samen im Frühling oder durch Wurzelteilung. Vielleicht kennst du einen Standort, wo du mit Erlaubnis des Besitzers einen Teil der Wurzel ernten kannst. Wurzelteilung ist von Oktober bis März möglich. Es sollte grad nicht frieren, wenn du ein Stück einer Wurzel an seinem neuen Standort eingräbst.

Suche einen Einzelstandort. Als Single fühlt er sich richtig wohl und kann sich dort verbreitern.

Er bevorzugt felsigen Untergrund, kommt aber auch mit anderen Bodenbedingungen gut zurecht. Nicht zu nass sollte es sein. Bei der Bewässerung kannst du sparsam umgehen oder überhaupt nur auf Regen vertrauen.

Getrockneten Wermutkräutervorrat anlegen.

Zur Blütezeit werden die oberen Teile samt Blüten abgeschnitten und am besten gebündelt aufgehängt an einem luftigen Ort getrocknet. Sammle nur bei trockenem Wetter. Sind die Blätter und Blüten noch vom vorigen Regen leicht feucht, besteht Schimmelgefahr.

Um generell einer möglichen Schimmelgefahr entgegenzuwirken, hänge ich auch nur winzig kleine Bündel auf, dafür aber lieber mehr.

Ist das Bündel getrocknet, kann es in einem Stoff- oder Papiersäckchen hängend staubfrei aufbewahrt werden.

Einen Platzfresser im Garten – nein danke!

Bei Platznot im Kräutergarten verzichtet so manch einer gerne auf dem Wermut, weil er ein wenig zickig ist und nichts neben sich duldet. Nichts? Es gibt eine Ausnahme – die Schwarzen Johannisbeeren. Neben ihnen fühlt er sich wohl und bietet ihnen gratis Schutz vor Schädlingen. Die beiden geben eine gute Kombination ab und schon ist der Soloplatz für den Wermut nicht mehr Thema Nummer eins.

Haderst du noch mit dem Platz und willst ihn im Garten, probiere den Wermut als Topfpflanze in einem großen Topf zu halten. Zumindest eine Saison wird er wahrscheinlich überleben. Zugegeben, ich habe es so noch nicht probiert. Da passt es gut, dass sich mein Wermut heuer zu sehr bedrängt gefühlt und kampflos aufgegeben hat. Im nächsten Jahr bekommt er bei mir einen Topfplatz und ich werde über das Ergebnis berichten.

 

Du kannst den Wermut manchmal auch in der freien Natur finden. Aus meiner Erfahrung weiß ich, sein Verwandter – der Beifuß – ist verbreiteter als der Wermut. Das ist ein guter Grund, sich den Wermut im Garten anzusiedeln.

Die Single „Yesterday“ zeigt, Solos können großen Erfolg bescheren. Warum nicht auch der Wermut als Solokräuterpflanze im Hausgarten. Ich bin davon überzeugt, sein Potenzial ist riesig.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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