Ende der Eiszeit – auf dem Weg zum Gipfel vom „Mount Wohlfühlgewicht“

Voller Enthusiasmus habe ich im Oktober 2016 mein Projekt „Sylvia halbiert sich fast“ gestartet. Du solltest mir über die Schulter schauen können, wie es mir bei meinem Monsterprojekt geht. Ein paar Erfolge konnte ich verzeichnen und einige Rückschläge habe ich in den folgenden Monaten erlebt. Dann wurde es still um mein Projekt. Ist mein Projekt vom Winde verweht worden? Obwohl es brandaktuell war, habe ich es auf Eis gelegt. Heute verkünde ich stolz das Ende der Eiszeit mit ersten erfolgreichen drei Monaten.

Die Auslöser für die Renaissance des Projekts kam von einer Seite, die ich nie für möglich gehalten habe.

Der Auslöser: Cartoons zeichnen lernen

Häh? Was hat denn das mit einem geplanten Weg zum Wohlfühlgewicht zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Es hat auch lange gedauert, bis mir der Zusammenhang klar wurde.

Lass mich erklären, wie der Kurs abgelaufen ist. Es war ein Onlinekurs, der in Etappen über 1,5 Jahre ging. Eine Etappe war ungefähr 3 Monate lang, zwischen den Etappen lagen Pausen zum Selbststudium. Jeder konnte frei entscheiden, ob er bei der nächsten Etappe weiter lernen will oder ihm das bisher gelernte für seine Zwecke reicht.

Für jeden Teilnehmer – vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen – war der Startpunkt „Stunde Null“. So als ob man zum ersten Mal einen Bleistift in der Hand hat. Die erste Woche war dem Ankommen im Kurs gewidmet, in der zweiten haben wir 5 Tage lang nur Kreise gezeichnet.

Der weitere Ablauf folgte dem gleichen Schema: winzig kleine Schritte, kurze Tagesaufgaben, wöchentlich wechselndes Thema. Gut gerüstet durch wochenlanges Abpausen und Nachahmen kam erst in späterer Folge das Entwerfen von eigenen Figuren dazu.

Obwohl jeder Kursteilnehmer die gleichen Inputs und Aufgaben erhielt, haben die Cartoons alle unterschiedlich ausgesehen.

Zusätzlich konnte ich miterleben, wie sehr diese Vorgehensweise das Leben der Teilnehmer in vielen anderen Bereichen positiv beeinflusste.

Zusammenfassung meiner Lernerfahrung („lessons learned“, wie man so schön neudeutsch sagt):

  • Starte bei Null
  • Mach winzig kleine Schritte
  • Übe täglich lieber weniger als tagelang nicht
  • Bleib 1 Woche an einem Thema dran
  • Widme dich wochenweise anderen Themen
  • Steigere den Schwierigkeitsgrad wie eine Schnecke
  • Habe Spaß
  • Einheitliche Aufgaben behindert Individualität in keinerlei Hinsicht
  • Mit Humor überbrückt man schwierige Situationen
  • Traue dich, nachzuahmen
  • Vertrauen erlangt: ich kann über viele Monate an einer Sache dranbleiben

Die Idee zum Begleitprogramm einer Ernährungsumstellung im Kreislauf der 5 Elemente der chinesischen Philosophie formte sich und drängte ans Tageslicht. Ein Abschlussprojekt des Zeichenkurses kam gerade recht. Einen Monat lang habe ich dafür Cartoons gezeichnet wie verrückt und mich intensiv mit Werten wie Klarheit, Offenheit etc.  beschäftigt.

Ein von der gewählten Ernährungsform unabhängiger 15 Wochen-Fahrplan ist entstanden – ein Selbstcoaching zum schrittweisen Erreichen des Wohlfühlgewichts, gespickt mit farbenfrohen Cartoons.

Klar, dass ich das Programm auf Herz und Nieren an mir selbst getestet habe.

Selbsttest

Zwei im ersten Anschein erfolglose 15 Wochen hatte ich hinter mir, als das Ende meiner Eiszeit völlig unerwartet beim dritten Durchlauf kam.

Beschönigen mag ich nicht, sondern harte Fakten berichten. Darum teile ich mit dir, was in den ersten beiden Durchgängen geschehen ist.

Durchlauf 1 und Durchlauf 2

Im Nachhinein bezeichne ich diese Wochen als eine Vorbereitungsphase, die ich benötigt habe für den Durchbruch. Durchlauf 1 kommt einem Training vor einer Bergbesteigung nahe, bei Durchlauf 2 befand ich mich ganz unten im Lager des Basiscamps von „Mount Wohlfühlgewicht“.

Während dieser insgesamt 30 Wochen habe ich nicht abgenommen, sondern im Gegenteil etliche Kilo zugenommen. Oh, was für ein Schreck! Hinterher sage ich, es war mein persönlicher Weg, um die letzten noch vorhandenen Hindernisse auf dem Weg auszuräumen. Ich habe viel über mich erfahren in diesen vermeintlich vergeudeten Wochen.

Meine größten 5 Fehler waren:

  • Fehlender Fokus, mangelndes Vertrauen

Im Hinterkopf war wohl die Angst, dass mein System nicht funktioniert. Darum habe ich nebenbei Kurse belegt zum Thema Ernährung und Abnehmen. Habe mal dies, mal das probiert und nicht an meine innere Weisheit geglaubt.

  • Status Quo „Adipositas“ nicht akzeptiert.

Das Wort hatte für mich einen bösen Touch. „Das bin ich ganz sicher nicht, ich bin nur rundlich. Diabetesgefahr – ich doch nicht!“

  • Schuldige für’s Scheitern gesucht

Schuld waren die anderen, die mir Zeit gestohlen haben oder mir Nerven gekostet haben, sodass ich nicht ausreichend für mich sorgen konnte.

  • Vergessen, eine Standortbestimmung am Anfang zu machen

Außer den Kilos hatte ich keine anderen Ausgangswerte wie zB aus einer Blutuntersuchung

  • Mich an festgefahrenen Meinungen angeklammert.

„Um abzunehmen musst du unbedingt 3x täglich essen. Dazwischen müssen 4-5 Stunden liegen, nicht mehr, nicht weniger“ – das war so eine festgefahrene Meinung

War alles schlecht? Nein!

Meine 5 größten Errungenschaften waren:

  • Aufzeichnungen führen

Durch zeitweise Aufzeichnungen der Ess- und Bewegungsgewohnheiten kann ich einen zeitversetzten Zusammenhang mit dem Gewicht besser verstehen. So manche Entscheidung fällt leichter, wenn die Auswirkung klar ist und akzeptiert wird.

  • Persönliche Definitionen

Jede Woche hat ja einen Wert als Anregung. Aber was bedeutet „Klarheit“, was „Transparenz“? Die Meinung der Lehrbücher ist egal. Wichtig ist, was es für mich heißt und wie ich damit umgehen will bei meinem Projekt. Daraus ist ein persönlicher Verhaltenskodex entstanden, der mir oft hilfreich zur Seite steht.

  • Startschuss für eine Ausmusterungsaktion

Abbau von unnötigem Ballast im Umfeld hat mir geholfen in späterer Folge körperlichen Ballast abzubauen.

  • Verwendung von Hilfsmitteln

Schrittzähler, neue Kochtöpfe, Dankbarkeitsrituale und vieles mehr ist in mein Leben eingekehrt.

  • Ventile für negative Gefühle gesucht und gefunden

Wichtig war mir, ein geeignetes Ventil ist schnell verfügbar und attraktiver als der Kühlschrank.

 

Das Ergebnis der ersten 30 Wochen war zwar ein mehr Gewicht, aber jede Menge Klarheit und Bewusstheit.

Im dritten Durchgang habe ich die Fehler der ersten beiden vermieden und die positiven Erfahrungen weiter gestärkt.

Die Wende und das Ende der Eiszeit

Mit all der Erfahrung bisher startete ich die dritten 15 Wochen mit dem Motto „radikale Ehrlichkeit“.

Beschrieben habe ich „radikale Ehrlichkeit“ mit diesen Punkten:

Ausschluss von körperlichen Ursachen für Gewichtszunahme / Problemen bei der Abnahme
Hintergedanken wie beispielsweise „die Schilddrüse ist schuld an dem Gewichtsproblem“ nehme ich den Wind aus den Segeln. Ich tue alles dafür um herauszufinden, ob eine körperliche Ursache besteht oder nicht.

Wertfreie Akzeptanz des Istzustandes und meiner Möglichkeiten
Adipös ist ein medizinisches Wort, das einen Gewichtszustand beschreibt. Momentan falle ich darunter. Das ist erstens änderbar und zweitens ist wichtiger, ich fühle mich wohl.
Bezüglich Sport: Derzeit habe ich eingeschränkte Möglichkeiten bei Bewegung. Marathon ist keine Option, spazieren gehen schon. Ich überschätze / überfordere mich nicht, sondern orientiere mich an meinen Möglichkeiten.

Schuldgefühle haben Pause
Weder muss ich mich schuldig fühlen, noch brauche ich die Schuld bei anderen zu suchen. Für die nächsten 15 Wochen entlasse ich Gedanken an Schuld aus ihrer Pflicht.

Ich akzeptiere, dass ich einen langen Weg vor mir habe
Es ist klar, dass ich nicht innerhalb von kurzer Zeit mein Wohlfühlgewicht erreichen kann. Weil der Weg länger ist, teile ich ihn in kleinere Etappen auf. Die 15 Wochen des Begleitprogramms sind lang genug um einen sichtbaren Erfolg zu erzielen. Sie sind kurz genug um nicht aufzugeben.

Ich nehme Hilfe in Anspruch
Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche. Ich nehme die Hilfe der mir empfohlenen ganzheitlichen Ärztin in Anspruch und lasse mich in von ihr beraten und auf meinem Weg begleiten. Dazu gehören regelmäßige persönliche Termine zur Standortbestimmung und Motivation, Schilddrüsenkontrolltermine sowie Blutuntersuchungen um die Auswirkung der Änderungen auf diese Art zu dokumentieren. 

 

Gut gerüstet mit den frischen Erkenntnissen aus Woche eins – dem Tageslog – konnte ich in darauffolgenden Woche den Termin bei der Ärztin wahrnehmen, wo ich viele neue Anregungen erhalten habe.

Getreu dem Vorsatz „keine Überforderung“ habe ich in den kommenden Wochen Priorität auf die Ernährung gelegt. Vorher wollte ich so oft alle Ideen und Anregungen gleichzeitig umsetzen – und das ging schief.

Einen großen weiteren Pluspunkt hat das Vorgehen in Schritten. Der Einfluss der Aktivität auf das Gewicht lässt sich viel besser verfolgen als wenn man alles gleichzeitig versucht. Jeder Mensch ist anders. Bei einem zählt die Bewegung mehr als die Zusammenstellung der Mahlzeiten, beim anderen umgekehrt, beim dritten ist es vielleicht die Erholungszeit oder ganz etwas Anderes.

Der Erfolg hat mich bestätigt. In den 15 Wochen habe ich mühelos und auf spielerische Art und Weise 15 Kilo abgenommen ohne große Anstrengungen unternehmen zu müssen oder mich zu überfordern oder zu hungern.

Klar gab es kleinere und größere Rückschritte. In manch einer Woche zeigte die Waage mehr als davor. An manchen Tagen fühlte ich mich gar nicht gut. Doch die Tendenz ging eindeutig in die Wohlfühlrichtung und das reichte, um das Ruder am nächsten Tag wieder in die Hand zu nehmen.

Das neue Ziel

Grippebedingt ist in den letzten Wochen ein wenig der Schlendrian in der Ernährung bei mir eingekehrt. Darum behalte ich den Fokus auf die richtigen Mahlzeiten zumindest bis über Weihnachten bei. Zusätzlich lockt mich die kalte Jahreszeit nicht gar so sehr für sportliche Aktivitäten ins Freie und die Gartenarbeit ruht.

Die Ärztin hat mir ans Herz gelegt, mich auch über einen Stillstand zu freuen. Der Körper brauche seine Zeit, um die Schlacken und Giftstoffe loszuwerden. Da hat sie sicher recht, obwohl ich mir insgeheim wenigstens ein paar Kilo Abnahme über den Winter wünsche. Gerade die Weihnachtszeit ist eine besondere Herausforderung für mich als „Vanillekipferlfan“. Darum habe ich mir vorgenommen, den Rat der Ärztin anzunehmen und mich auch über einen Stillstand zu freuen.  Anfang Jänner starte ich die nächsten 15 Wochen nach Programm mit voller Energie.

Was du mitnehmen kannst aus der geschilderten Erfahrung:

Hast du ein ähnliches Projekt und dich bei dem einen oder anderen Punkt angesprochen gefühlt, kannst du aus meiner Erfahrung etwas für dich mitnehmen.

Lass mich zusammenfassen, was mir schlussendlich am meisten geholfen hat.

  • Ein abwechslungsreicher Weg der kleinen Schritte
  • Die Ausgangsbasis wertfrei feststellen
  • Akzeptieren statt aufgeben
  • „NEIN“ zu Überforderung, „JA“ zu Fokussierung
  • Dauerhaftigkeit ist wertvoller als Schnelligkeit
  • Hilfe annehmen können
  • Ehrlichkeit zu mir selber

Um bei dem Bild von der Besteigung des „Mount Wohlfühlgewichts“ zu bleiben, habe ich mich vom Basiscamp am Fuße des Berges aufgemacht. Der erste Lagerplatz nach dem Basiscamp ist noch in weiter Ferne. Frohen Mutes und mit vielen Helferlein versehen mache ich einen Schritt nach dem anderen den Berg hoch in Richtung nächstem Camp.

Ich wünsche dir bei deinem Projekt gutes Gelingen!

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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