Entrümpeln im Herbst

Vor kurzem schwappte meine Facebook-Timeline über von Meldungen über Tiny Houses.  Neugierig geworden habe ich auf Webseiten geklickt und mich über den Trend zum Mikrohaus informiert. Habe grandiose, platzsparende Raumaufteilungskonzepte gesehen und inspirierende Geschichten gelesen von Menschen, die sich auf das Konzept eingelassen haben.

Mein Blick schweifte im Raum umher. Vor meinem geistigen Auge drängte sich ein Zimmer nach dem anderen in die Gedanken. Ich erschauderte. Brauche ich wirklich all den Kram?

Es muss ein Wichtel in meinem Ohr gesessen sein, der mir zugeflüstert hat: „Hey du, wie groß war denn deine erste eigene Wohnung?“ Was ist seit damals passiert?

Wahrscheinlich geht’s dir ähnlich, wenn du in deiner Geschichte an den Anfang der Unabhängigkeit vom Elternhaus zurückdenkst. Mit den Jahren sammelt sich vieles an. Ein Hobby nach dem anderen kommt dazu und mit ihm ziehen Dinge ein, die dafür notwendig sind. Elektronische Geräte werden mehr und größer, „man“ braucht dies und das um gut zu leben. Du kannst zu Recht stolz darauf sein, was du dir im Leben erschaffen hast. Das ist völlig in Ordnung und legitim.

Wenn sich daraus ein vielarmiges, energiefressendes Monster entwickelt, wird es Zeit zum Handeln. Nennen wir das Monster „Krake Mumu“.

„Krake Mumu“ lernt im Herbst das Fürchten.

Im Herbst zeigen die Laubbäumen, wie sie mit Ballast umgehen. Sie befreien sich von der Last ihrer Blätter. Ein Grund ist Selbstschutz, um im Winter Schneelasten besser tragen zu können. Ohne Blätter bieten sie Schnee eine kleinere Angriffsfläche und vermindern die Gefahr, von der Schneelast umgeknickt zu werden. Ein weiterer Grund ist, dass sie in der Winterruhe Kraft für den Neuaustrieb im Frühjahr sammeln. Bis dahin schützen die abgefallenen Blätter den Boden, das darunterliegende Wurzelwerk und verrotten langsam. Bei dem Prozess geben sie wertvolle Nährstoffe an den Boden ab, die später wieder vom Baum aufgenommen werden.

Schauen wir ein wenig weiter auf die alte Weisheit der östlichen Philosophie. In der chinesischen fünf Elemente Lehre ist der Herbst dem Metallelement zugeordnet. Ein Wesensmerkmal von Metall ist es, abzuschneiden, zu trennen – denke an ein Messer. Die Metall-Energie unterstützt beim Loslassen alter Dinge und beim Einschätzen der Brauchbarkeit. Abschneidende Schärfe ist ein gutes Mittel gegen „Krake Mumu“.

Noch ein gutes Argument für den Herbst liegt in den kürzer werdenden Tagen und in der sinkenden Temperatur. Man ist wieder öfter in den Räumen statt in der freien Natur.

Ist die Entscheidung gefallen, den Herbst für eine Sortier- oder Entrümpelungsaktion zu verwenden, fehlt noch ein guter Plan.

Was sagt „Krake Mumu“ zur Methode “Mach-ma und schau-ma-mal”?

In hochdeutsch übersetzt bedeutet diese Methode: „Ja, klar das ist gut und das mache ich. Schauen wir einmal, was sich ergibt“.

Sie lockt mit Argumenten, die auf den ersten Blick sehr einleuchtend sind. „Wann ich will, wo ich will, wieviel ich will,…“. Dieser Methode fehlt die Verbindlichkeit. Deswegen ist sie wenig empfehlenswert. Mag sein, dass du gut damit zurechtkommst, weil du ein ausgezeichnetes Zeit- und Selbstmanagement hast und nie dein Endziel aus den Augen verlierst. Mich hat die Erfahrung in vielen Jahren gelehrt, dass zielloses, unverbindliches Handeln meist in verschwendeter Lebenszeit endet.

Bei der Methode „Mach-ma und schau-ma-mal“ verschwindet die Lust im Nu, Überforderung macht sich breit, oder die Frage nach der Sinnhaftigkeit drängt sich vor. Anstatt sich Energie und Luft zum Atmen durch die Aktion zu holen, schnürt man sich selber die Luft ab. „Krake Mumu“ lacht sich ins Fäustchen.

Je nachdem, wie groß dein Entrümpelungsbedarf in den eigenen vier Wänden ist, stehen andere Methoden zur Verfügung.

„Krake Mumu“ und die Methode „Ho-Ruck-weg-am-gezielten-Fleck“

Ui, jetzt wird es ernst für den energiefressenden Kraken. Zu Recht fängt er an zu zittern.

Was du brauchst sind ein paar Stunden freie Zeit, die du gerne in die Entrümpelungsaktion investieren willst. Dazu noch ein ganz gezieltes Eck, einen Fleck, wo die Not am größten ist. Konzentriert arbeitest du diesen Fleck durch und entscheidest blitzschnell bei jedem Ding, ob es bleiben oder gehen darf. Hilfreich sind Schachteln, in die du die aussortierten Sachen verstaust. Beschrifte die Schachteln gleich mit „Verschenken an…“, „Entsorgen am (Tag / Ort)“. Am besten ist natürlich, wenn du am Ende die Schachteln gleich wegbringen kannst. Das ist nicht immer möglich. Der Zeitpunkt der endgültigen Entsorgung oder des Verschenkens sollte nicht lange danach liegen. Ein paar Tage sind in Ordnung.

Diese Methode hat Potenzial, sie kann einen ausgezeichneten Startschuss für weitere   Entrümpelungsaktionen abgeben.

Ein sichtbares Ergebnis ist bei dieser Methode in kurzer Zeit erlebbar. Das macht Mut und gibt Kraft. Doch was, wenn die Einmalaktion wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkt und „Krake Mumu“ schnell wieder an Kraft gewinnt? Dauerhaft entrümpeln bis alle Räume in dem gewünschten Zustand sind, das wäre toll.

„Krake Mumu“ lernt bald das Fürchten bei der Methode „Jeden-Tag-eine-bestimmte-Anzahl“

Beim Weg der kleinen Schritte wird „Krake Mumu“ erst argwöhnisch, wenn es zu spät ist.  Fast unmerklich schrumpft er jeden Tag. Bis er deiner Absicht auf die Schliche kommt, ist es zu spät. In absehbarer Zeit verpufft sein letztes Molekül.

Und so geht’s: Lege eine Anzahl an Sachen fest, die du pro Tag weggeben möchtest oder arbeite mit festgelegten täglichen Minuten. Plane dir eine fixe Tageszeit ein für deine Entrümpelungsaktion. Bleibe klein in deinen Zielen, übererreichen kannst du das Ziel allemal. Es ist besser, jeden Tag 5 oder 10 Minuten Dinge auszusortieren, als gar nichts. Die Hauptsache ist, die Vorgehensweise passt in dein Leben und du kannst mit Ausdauer dranbleiben.

Suchst du Unterstützung in den sozialen Medien, wirst du fündig werden. Es gibt beispielsweise das „Minimalismusgame“. Jeden Tag wird die Anzahl an Sachen aussortiert, die dem Tagesdatum entspricht. Am ersten des Monats 1 Stück, am zweiten 2 Stück bis zum Monatsletzten mit 30 oder 31 Stück. Dann startet das neue Monat wieder mit einem Stück. Vorteilhaft ist diese Methode, weil der Einstieg langsam ist. Je mehr der Monat voranschreitet, desto herausfordernder wird das Entrümpeln. Es kann großen Spaß machen. Vor allem, wenn du Beweisfotos machst und dich mit der Gruppe Gleichgesinnter austauschst. Ein kleiner Tipp für die „harten“ Tage gegen Monatsende: suche dir etwas, wo eine Vielzahl da ist und viel aussortiert werden kann. Das dürfen winzig kleine Teile sein.

Wichtige Regeln fürs Entrümpeln

Regel 1: Jeder darf nur in seinem eigenen Entscheidungs- und Verantwortungsbereich ausmustern. Die Kleidung des Partners ungefragt in den Kleidercontainer werfen – ein No-Go. Hände weg von Nägel und Schrauben, wenn sie der Partner vorwiegend nutzt.

Regel 2: Bei Unsicherheit und Unwohlsein – lass die Finger vom Aussortieren. Befreie dich nur von den Sachen, wo du wirklich sicher bist. Die unsicheren Dinge kannst du in eigene Boxen mit Datumsbeschriftung geben und dir vornehmen, sie am Tag X noch einmal zu sichten.

Regel 3: Kläre vor Start der Entrümpelungsaktion ab, was mit den Sachen geschehen soll. Willst du sie verschenken und an wen. Ist ein Verkauf möglich. Was gehört in welchen Müll oder in ein Altstoffrücknahmezentrum. Wann kannst du die Dinge abgeben. Hast du ein geeignetes Transportmittel oder Hilfe beim Entsorgen.

Regel 4: Schaffst du ein paar Tage lang nicht, deinen Plan durchzuführen, wirf trotzdem nicht die Flinte ins Korn. Starte neu durch und passe den Plan besser deiner Situation an.

Regel 5: Blinder Aktionismus ist schlecht. Gönn dir einen Spielraum in deinen eigenen Regeln.

Beispiel einer meiner Aktionen

Mein Startschuss für die herbstliche Ausräumaktion war das Buchregal. Habe ich schon verraten, dass ich ein Buchjunkie bin? Ich brauche das Gefühl von Papier in meinen Händen. Da war der riesige Stapel ungelesener Bücher und Fachbücher, die ich aufheben wollte. Im Buchregal war kein Millimeter freier Platz. „Krake Mumu“ hat bösartig gegrinst. „Na, was machst du jetzt? Kaufst du ein zusätzliches Buchregal?“ Ich war kurz davor, aber dann hat die Vernunft gesiegt. Das Buchregal wurde gnadenlos ausgemustert, etliche Fachbücher verkauft und hunderte diverse Bücher an eine caritative Organisation gespendet.

Wo kannst du anfangen

Du hast jetzt Lust, dich dem herbstlichen Entrümpeln hinzugeben, weißt aber nicht, wo anfangen. Lasse dich inspirieren von ein paar Beispielen. Denn ein guter Fleck zum Anfangen findet sich in jedem Raum.

  • Die Häferlsammlung im Geschirrschrank
  • Kleidung – zu klein, zu groß oder ungeliebt
  • Tischtücher, die keiner verwendet
  • Handtücher für einen 20 Personen Haushalt in einer Singlewohnung
  • Abgelaufene Medikamente im Badezimmerschrank
  • Haarspangen und Haargummi in allen Varianten, obwohl du jetzt eine modische Kurzhaarfrisur hast
  • Bastelmaterial, das seit langem ungenutzt herumliegt
  • Viel zu viele leere Marmeladengläser (Konfitürengläser), die du aufgeboben hast fürs Einkochen
  • Ungefragt zugeschickte Glückwunschkarten für alle Anlässe
  • Weihnachtsschmuck in allen Farben, aber seit Jahr und Tag verwendest du nur eine bestimmte Farbe
  • Material für ein Hobby, das du nicht mehr ausübst
  • Dekomaterial, das du nicht mehr verwendest
  • Die Häkeldeckerl in Massen deiner Vorfahren – als Erinnerungsstück eins aufzuheben ist schon ok, aber müssen es so viele sein?
  • Denk an dein Email-Postfach
  • Die Plattensammlung ohne Plattenspieler
  • Für Gärtner: Samentütchen mit nicht mehr keimfähigen Samen, überzählige leere Plastiktöpfe von zugekauften Pflanzen

Die List von „Krake Mumu“ erkennen

Er hat sich Argumente zurechtgelegt, die er dir ins Ohr flüstert.

„Ist das nicht teuer, wenn das jetzt entsorgst und es später wieder kaufst?“

„Wirf es nicht weg, denn du kannst es sicher irgendwann nochmal verwenden.“

 

Solche und ähnliche scharfe Geschütze fährt er auf.

Hier kommt Regel Nummer 2 ins Spiel. Verschiebe die Entscheidung, aber packe die Sachen trotzdem weg.

 

Selbst wenn es nicht dein Ziel ist, in absehbarer Zeit in ein Tiny House zu ziehen, du schaffst dir Freiraum für Neues – nicht nur für neue Gegenstände. Eine Entrümpelungsaktion kann auch anderes ins Fließen bringen.

 

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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