Erfahrungsbericht: Salattomate „Hartmanns gelbe Stachelbeere“

Die Mitmachaktion „Vielfalt auftafeln“ von der Arche Noah wurde offiziell abgeschlossen mit dem Abschlussfest Anfang September. Lies gerne über meine Impressionen zu dieser Aktion nach. Für mich aber geht die Erntesaison weiter, es reifen immer noch Tomaten aus. Wie ich das Jahr mit der mir unbekannten Sorte bisher erlebt und was dabei gelernt habe, darum geht es in diesem Artikel. Genussphasen, Frustphasen, kleine Hoppalas und viel Spaß und Freude, von allem etwas.

Von Aussaat bis Pflanzung im Mai

Knapp über 20 Samen der kleinfruchtigen Salattomate „Hartmanns gelbe Stachelbeere“ wurden mir zugeteilt. Jeder Same bekam gleich einen eigenen Topf. Die Keimung war kein Problem, fast alle Samen haben gekeimt. Die Ausfallsrate war extrem gering, grad eine wollte kein Blättchen aus der Aussaaterde strecken. Ich war ehrlich erstaunt darüber, denn die Samen waren laut Ankündigung der Arche Noah recht alt. Das ist ein Beweis dafür, dass Tomatensamen bei richtiger Lagerung lange keimfähig bleiben.

Im Keimblattstadium sind sie dann ins Stocken geraten und wollten nicht so recht schnell weiter wachsen. Ich hatte große Gewissensbisse. Bekomme ich jetzt die Rechnung präsentiert, weil ich mir insgeheim eine Fleischtomate als Versuchsobjekt gewünscht habe?

Es lag wohl eher am Wetter und an den nicht grad idealen Lichtbedingungen für zarte Tomatenpflanzen in den Wohnräumen. Das hatte ich befürchtet, ich kenne das aus vergangenen Jahren. Darum bin ich dazu übergegangen, relativ spät zu säen. Irgendwie war ich enttäuscht und frustriert, auf der anderen Seite froh, dass sie nicht so lange dürre, ausgelaugte Pflänzchen wurden auf der Suche nach Licht.

Ist das jetzt das Aus für mich als Vielfalt-Gärtnerin bei der Mitmachaktion? Ich habe sie gehätschelt und gepflegt und auf besseres Wetter gehofft, so dass sie als winzig kleine Sämlinge schon ins Freie dürfen. Der Wettergott hatte irgendwann ein Einsehen mit mir und der Salattomate – ab ins Freie!

Winzig klein standen sie pikiert und in etwas größere Vorziehtöpfe umgesiedelt in Reih und Glied im warmen Schatten. Andere verpflanzen um diese Zeit die Tomaten schon an Ort und Stelle und ich warte noch immer auf ihr Wachstum. Nach einigen Tagen konnte ich die Auswirkungen sehen – endlich fingen sie an zu wachsen. Die Eisheiligen waren längst vorbei, als ich sie ausgepflanzt habe.

Die Kübeltomaten

Weil ich keine Erfahrung mit Krankheitsanfälligkeit bei dieser Salattomate hatte und einen Komplettausfall vermeiden wollte, habe ich mich für Kübelpflanzung entschieden. Ein anderer Grund war, dass kleinfruchtige Tomaten besser im Kübel wachsen als Fleischtomaten, zumindest meinen bisherigen Beobachtungen nach. Bei den Verhältnissen hier bei mir können sie im Kübel, regengeschützt durch den darüber liegenden Balkon, von morgens bis spätnachmittags Sonne tanken. Stürmischer Westwind kann halbwegs gut abgefangen werden, Nordwind kommt nicht hin. Passt.

Für die Kübel habe ich mir die bis dahin größten und stärksten vorgezogenen Pflanzen ausgesucht, 7 Stück an der Zahl. Bei der Kübelgröße habe ich variiert von 15 bis 30 Litern Inhalt. Die Gelegenheit hat sich angeboten, hier Erfahrung zu sammeln. Wie verhält sich gleiches Saatgut, gleich behandelt in unterschiedlich großen Gefäßen?

Anfangs merkt man die Kübelgröße sehr. Die in größeren Gefäßen wachsen schneller. Später, wenn man regelmäßig düngt, relativiert sich das wieder. Unter 15 Litern Inhalt ist aber nicht empfehlenswert, das ist wirklich die unterste Grenze für eine halbwegs passable Ernte. Meine Ernte hat durch alle Verzögerungen zu Beginn erst Ende Juli begonnen. Jeden Tag waren ein paar Früchte reif. Der Großteil war in der zweiten Augusthälfte gleichzeitig reif. Jetzt im September sind es noch vereinzelte Früchte, die gelb werden, aber im Grunde ist die Erntezeit in den Kübeln fast vorbei.

Das Beitragsbild stammt von den Tomaten in den Kübeln.

 

Schrecksekunden im Kübel…

Fast hätte ich meine ganzen Tomaten in den Kübeln verloren. Ein orkanartiger Sturm aus südlicher Richtung mit extremen Spitzen hat die noch nicht festgebundenen Paradeiser in den Kübeln umgeweht. Nicht den Kübel, nur die Pflanzen. Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich die traurig daliegenden Stängel mit fahl aussenden Blättern gesehen habe. Ich bin schuld, weil sie noch kein Befestigungssystem erhalten hatten. Die sofort gestartete Rettungsaktion mit Tränen in den Augen war ein voller Erfolg, alle haben den Sturm durchgebeutelt aber heil überstanden und waren von da an fixiert mit einem Schnursystem.

Schnursystem Salattomate

Der nächste Fauxpas passierte mir beim Auslichten der Blätter. Das mache ich nur bei den Kübeltomaten. Damit die Früchte gut Licht bekommen und das Blattwerk nicht zu viel Nährstoffe aus dem begrenzten Angebot im Kübel zieht. Irrtümlich ist dabei ein Seitentrieb mit den ersten grünen Tomaten dran abgebrochen. Ausgerechnet dieser Stängel! Kurzerhand habe ich ihn so wie er war in einen freien Kübel gesteckt. Das funktioniert! Jetzt weiß ich das aus eigener Erfahrung. Die Tomaten sind noch ausgereift und der Stängel hat Wurzeln geschlagen und neu ausgetrieben. So komme ich jetzt im September zu einer saftig grün aussehenden Kübeltomate mit Blüten dran, wo die anderen im Kübel schon längst abgeerntet und verblichen sind. Meine Lernerfahrung: man kann Tomaten durch Abschneiden von einem Stängel oder mit den Geiztrieben auch vermehren.

Salattomate Steckling

Was ist aus den kleineren Nachzüglern geworden?

Die schmächtigeren sind noch lange in den Vorziehtöpfen geblieben. Die im Kübel waren da schon über 30 cm hoch, als der Rest, maximal 10cm hoch, seinen endgültigen Platz zugewiesen bekam. Fünf Stück habe ich behalten, den Rest verschenkt. 4 von den 5 haben in einem Bodenbeet ihr Revier zugewiesen bekommen. Die kleinste von allen musste noch warten.

Bei allen anderen Tomatenpflanzen, die nicht im Kübel gezogen wurden, habe ich das ganze Jahr nichts an Pflege gemacht. Kein Ausgeizen, kein Entfernen von Seitentrieben, kein Düngen, gar nichts. Ich hatte ja nicht viel Hoffnung bei ihnen und wollte ihnen die Chance geben, zu wachsen, wie sie wollen. Das einzige Zugeständnis war ein Spiralstab pro Pflanze, aber ohne Anbinden der Seitentriebe.

Diese vier Tomatenpflanzen im Bodenbeet sind mir sprichwörtlich über den Kopf gewachsen. Den stützenden Spiralstab haben sie längst in der Höhe überholt und schweben nun frei über den Stäben, lehnen sich an der der Nachbars Hecke und am wild wachsenden Hopfen auf der anderen Seite an. Lustig schaut das aus, als ob der Hopfen  gelbe Tomatenfrüchte tragen würde.

Der Grund für das Höhenwachstum liegt an den Lichtverhältnissen in diesem Bodenbeet. Umringt von Bäumen und einer Hecke auf einer Seite, kommt nur am Nachmittag so richtig Sonne hin. Pro Pflanze sind etwas weniger Früchte dran gewesen im Vergleich zu den Kübeln, dafür ist ihr Durchmesser etwas größer. Jetzt Anfang September sind sie noch frisch grün, tragen Früchte und blühen sogar noch.

Salattomate Bodenbeet   Salattomate an Hopfen

Und die mini Minipflanze?

Tja, die mickrigste Pflanze meiner Aufzucht, ein Schwächling sozusagen, ihr habe ich gar keine Überlebenschancen gegeben. Sie kam in ein Hochbeet, das für Zucchini vorgesehen war. Fast hätte ich auf sie vergessen. Erst als die Zucchini heuer als Schneckenopfer aufgegeben haben, ist sie mir in den Sinn gekommen. Die kleine Tomate wuchs ja doch, unbeachtet von den Schnecken, die wohl ihren Bauch mit den Zucchinitrieben gefüllt haben. Ok, dann soll sie, viel Chancen hat sie nicht, so ganz dem stürmischen Wind von jeder Richtung und dem Regen ausgesetzt. Tomatengärtner wissen, wovon ich spreche – Wind beutelt sie gehörig durch und bei Regen steigt das Risiko der Braun- und Krautfäule.

Zu meiner großen Überraschung und Freude ist aus dem Schwächling ein starker Riese geworden. So als ob sie mir sagen wollte: „Jetzt zeig ich dir, was in mir steckt“ und „Gib niemals auf.“ Sie hat die komposthältige Hochbeeterde voll genutzt und ist in die Breite gewachsen wie noch nie eine Tomatenpflanze zuvor bei mir. Sie ist mein ganzer Stolz im heurigen Jahr. Dir Fruchtreife hat erst spät begonnen – in der zweiten Augusthälfte. Aber jetzt in ihrer Fruchthauptreifezeit ernte ich jeden zweiten Tag fast  ein Kilo an kleinen, gelben, saftigen Tomaten nur von dieser einen Pflanze.

9 (!) Stäbe und meterlange Schnüre halten sie mittlerweile zusammen. Vom voraussichtlichen gesamten Ernteergebnis her schlägt sie als eine Pflanze alle anderen 11 zusammengerechnet! Die Früchte sind gut 1 cm größer im Durchmesser als die in den Kübeln und 0,5 cm größer als die im Bodenbeet. Keine Spur von Braun- und Krautfäule, trotz zeitweise tagelangem Regenwetter, dem stürmischen Wind hat sie Paroli geboten. Die Äste biegen sich heute schon bis auf den Boden hinunter und hängen noch immer voll mit grünen Tomaten. Das war ein lehrreiches Highlight in meinem Tomatenjahr mit Hartmanns gelber Stachelbeere. Meine Ehrfurcht gegenüber Nachzüglern ist gewachsen. In jedem Samenkorn steckt großes Potential. Die Früchte dieses winzigen Nachzüglers habe ich für die Samenernte auserkoren. Was für eine überraschende Wende!

Salattomate Hochbeet

Nächstes Jahr gerne wieder

Ein lehrreiches Tomatenjahr geht seinem Ende entgegen. Kleine Salattomaten haben viele Vorteile gegenüber größeren Sorten. Die Früchte reifen schneller aus, es sind täglich welche zu ernten und sie können auch zu einer Sauce verkocht werden. Diese Sorte auf jeden Fall, weil sie unter der Haut eine passabel dicke Fleischschicht hat. Ich habe sie, gemischt mit Fleischtomaten, zu einem Sugo als Wintervorrat eingekocht.

Die Mitmachaktion war für mich ein voller Erfolg und die Tomate Hartmanns gelbe Stachelbeere wird ab nun jedes Jahr angebaut.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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