Gurken – 4 Raritäten für Abwechslung im sommerlichen Gurkenalltag

Vor einigen Jahren hatte ich mein erstes Erlebnis – fast möchte ich schreiben „der anderen Art“ – mit einer Gurkenpflanze. „Gurken kennt jeder, ich natürlich auch“ – dachte ich. Grün, länglich und möglichst gerade gewachsen – das ist eine Gurke, oder besser gesagt, eine Normgurke. Das war auch meine Ansicht von Gurken. Dann war ich Anfang Mai auf Pflanzeneinkaufstour bei einem Raritätenpflanzenmarkt. Fast schon wieder im Gehen ist mir eingefallen, ich will eine Gurkenpflanze. Ein beherzter Griff zu einer Jungpflanze im Topf auf dem Gurkenstand, bezahlt und ab nach Hause. Nach den Eisheiligen Mitte Mai bekam sie einen Ehrenplatz im Kübel mit Rankgerüst und viel Platz zum Ausbreiten.

Das Schauspiel „Gurkenvielfalt“ kann beginnen, Vorhang auf:

Hauptdarsteller im ersten Akt: Gurke Melothria

Das was ich mir da gurkenahnungslos gegriffen habe, war die Cocktailgurke mit klingendem Namen Melothria. In den nächsten Wochen habe ich mich gefragt, was ich denn falsch mache, dass sie so kleine Blätter hat und kleine Blüten. Dafür aber unzählige Blüten, aus all denen winzige Früchte wurden. Ich habe Gartenbücher studiert und das Kapitel „Gurkenanbau“ gelesen und danach gehandelt. Die Pflanze wuchs zwar in die Höhe und hat das Rankgerüst in Beschlag genommen, aber die Früchte wurden nicht größer. „Das kann doch nicht sein, sie fallen ja schon ab.“ Ausgeschaut haben sie auch nicht wirklich wie Gurken. Wohl eher wie Minimelonen oder Oliven.
Endlich kam ich auf die Idee auf das Schild zu schauen, das beim Topf dabei war. „Cocktailgurke Melothria“. Fündig wurde ich im „Handbuch Bio-Gemüse“ von „Andrea Heistinger und der Arche Noah“ (Amazon-Partner-Link am Ende des Artikels).

Dann habe ich mich getraut, die kleinen Früchte zu kosten. Es waren Gurken und lecker noch dazu!

Diese Sorte kannst du so wie ich frisch essen oder sie in Essig einlegen. Zum Einlegen bin ich nicht gekommen, weil ich sie beim Vorbeigehen genascht habe.
Die Pflanze ist einjährig und wärmebedürftig. Sie kann im einem großen Kübel oder im Beet gezogen werden und braucht ein Rankgerüst oder –gitter für ungefähr 1 Meter Höhe. Es wäre schade, wenn die kleinen Früchte am Boden liegen würden. In der Höhe sind sie auch leichter sichtbar und besser zum Ernten.

Spätestens im Herbst kannst du alle Früchte ernten und noch ein paar Wochen lagern oder wirklich in Essig einlegen als Wintervorrat. Leider habe ich verabsäumt, eigene Fotos von dieser niedlichen Kleingurkensorten in Olivengröße mit Melonenmantel zu machen. Das Versäumnis hole ich so bald wie möglich nach. Bis dahin bitte ich dich, suche nach „Melothria“ bei deiner Suchmaschine und gehe auf Bilder anzeigen.

Nachtrag: Ganz herzlichen Dank an die ARCHE NOAH in 3553 Schiltern, die mir ein paar Fotos zur Verfügung gestellt hat:

Melothria_Frucht2 Fotocredit ARCHE NOAH 3553 Schiltern Foto von: ARCHE NOAH, 3553 Schiltern

Dieses Erlebnis hat mich im darauffolgenden Jahr inspiriert, nach weiteren besonderen Gurkensorten Ausschau zu halten.

Hauptdarsteller im zweiten Akt: Gurke Sikkim

Diese Gurkensorte ist besonders dekorativ und sticht förmlich ins Auge durch ihre braune, zerrissen aussehende Schale mit Netzcharakter. Wahrscheinlich heißt sie deshalb auch „Netzgurke Sikkim“. Erst wenn sie diese „Risse“ in der Schale hat, ist sie reif. Sie ist oval, zuerst grün, dann braun, vorerst noch ohne Netzstruktur. Praktisch, dass du an der später erscheinenden Netzstruktur gleich erkennst, wann sie erntereif ist!

Sikkim

Diese Sorte soll gegenüber normalen Gurkensorten widerstandsfähiger sein gegen Mehltau. Mehltau macht ja oft frühzeitig den Gurken den Garaus. Bei mir hat sich diese Gurkensorte im Vergleich zu den anderen am längsten im Jahr gehalten. Noch spät sind Früchte reif geworden.

Der Unterschied zu den normalen grünen Gurken aus dem Supermarkt ist, die Schale kann nicht mitgegessen werden. Diese Gurkensorte eignet sich für Salat und auch zum Binden von Saucen.

Solltest du gegen Ende der Gemüsesaison schon genug von Gurken haben, dann kannst du sie noch wochenlang als Blickfang in der Dekoschale liegen haben. Sie verliert an Gewicht, aber äußerlich schaut sie noch immer hübsch aus und verfault nicht so schnell. Eine Gurke mit mehrfacher Nutzungsmöglichkeit!

Hauptdarsteller im dritten Akt: Stachelgurke Kiwano

Diese Gurkensorte hat es mir angetan, weil sie besonders dekorativ ist. Doch mein Versuchssommer war leider nicht geeignet für diese Sorte. Die Stachelgurke braucht ein warmes Klima, viel wärmer als dieser durchschnittliche Sommer in Österreich in diesem Jahr war. Sie ist zwar gewachsen, aber hat zu spät Früchte angesetzt, die nicht über ein Ministadium hinausgekommen sind. Zwei Pflanzen waren mein Versuchsobjekt – eine in einem Kübel, windgeschützter Standort auf der Terrasse – die andere im Freilandbeet. Der Wind hat der Pflanze im Beet zugesetzt, dafür hat die Gurke im Kübel ungeahnte Höhen erreicht und das Balkongeländer im ersten Stock erklimmt. Die hochsommerlichen Temperaturen kamen zu spät für die Fruchtansätze. Im Bild der Minifruchtansatz in Höhe erster Stock.

Kiwano mini

Wenn du Gärtner bist, einen warmen, windgeschützten Platz hast, dann baue diese Sorte an! Laut meiner Information reift die Frucht in unseren Gebieten im Freiland leider nicht an der Pflanze aus. Aber (!) sie kann unreif geerntet werden und reift im Zimmer nach. Ist sie dann gelb oder orange, dann ist sie reif. Meine Exemplare waren zu klein zum Nachreifen. Ich habe die Minis als Dekoration in einer Schale am Esstisch liegen gehabt. Übrigens findet man sie in manchen Gartencentern zur Kürbiszeit bei den Deko- und Speisekürbissen. Ich schätze sie stammen aus Glashausanbau. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass das eine Gurke ist!

Auch hier meinen herzlichen Dank an die ARCHE NOAH, 3553 Schiltern, die mir ein wunderschönes Foto von ausgewachsenen Gurken Kiwano zur Verfügung gestellt hat. Auf diesem Foto sieht man eindeutig besser, wie die Gurke im reifen Zustand aussieht:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto von: ARCHE NOAH, 3553 Schiltern

An dieser Stelle ein paar Worte zur „ARCHE NOAH“: Die ARCHE NOAH ist ein Verein, der sich die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihrer Entwicklung verschrieben hat. Sehr lobenswerte Ziele, wie ich finde und deshalb bin ich gerne Mitglied. Schau doch mal auf die Internetseite: https://www.arche-noah.at/

Hauptdarsteller im vorläufig letzten Akt: runde „Zitronengurke“

Mein Favorit für Gurkensalat im Singlehaushalt und fürs Butterbrot. Eine Gurke, die weder länglich ist, noch gekrümmt und auch nicht grün. Klein, rund, gelb mit hellbraunem Streifenmuster, wenn sie reif ist. Den Namen hat sie daher, weil sie aufgeschnitten innen einer Zitrone ähnelt. Geschmacklich hat sie Gurkenaroma, nichts von einer Zitrone. Vor Verwendung als Salat oder Brotbelag habe ich sie geschält.

Als rankende Pflanze ist sie bei mir immer über einen langen Zeitraum hinweg reich tragend. Da die Früchte nicht gar so groß sind, reifen sie schneller aus. Auch spät befruchtete Blüten können noch zur Gurke werden. Wie alle 4 Hauptdarsteller meiner Versuche braucht sie am besten ein Rankgerüst. Möchtest du sie am Boden liegen lassen, dann achte darauf, dass die Früchte nicht direkt auf der Erde liegen, sondern auf einer Mulchschicht.

Zitronengurke

 

Bei mir bekommt das Gurkenschauspiel im nächsten Jahr eine Fortsetzung. So viele unterschiedliche Sorten mit teilweise lustigen Namen gibt es noch zu entdecken. Ich bin schon gespannt, wie eine „Schlangenhaargurke“ ausschaut und ob man die „Schwammgurke“ wirklich als Badeschwamm verwenden kann.

Mein Tipp für dich als Gärtner: Hast du einen Garten oder Balkon, dann traue dich auch über unübliche Sorten. Saatgut bekommst du bei Biosaatgutanbietern. Vorgezogene Pflanzen für das nächste Jahr bei Jungpflanzenmärkten. Speziell bei denen, die auch Raritäten anpreisen.

Mein Rat an dich als Konsument: erkundige dich im Bioladen nach nicht alltägliche Sorten.
Denn „gerade, lang und grün“ – das ist nicht die einzige Gurkensorte der Welt.

Hier noch der versprochene Amazon-Partner-Link zu meinem Lieblingsbuch über Gemüse. Wenn du an dem Buch Interesse hast und über diesen Link bestellst, kostet es nicht mehr für dich, und ich bekomme einen kleinen Beitrag.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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