Hochbeet neu füllen, aufschieben oder bleiben lassen?

Hochbeet neu füllen, aufschieben oder bleiben lassen?

Bei meinem größten Hochbeet steht im nächsten Frühjahr eine Neufüllung an. Ein guter Grund darüber nachzudenken, ob das Sinn macht oder nicht. Nach ungefähr 5 bis 6 Jahren sind die Vorteile des Systems „Hochbeet“ aufgebraucht und es handelt sich „nur“ mehr um ein mit Erde gefülltes erhöhtes Beet. Auch nicht schlecht, Vorteile hat das noch immer genug. Neu füllen, ja das ist harte Arbeit und kann je nach Größe des Hochbeets ganz schön in die Zeit gehen.

Bist du ein praktisch denkender Mensch und Besitzer eines Hochbeets, das „in die Jahre gekommen ist“? Dann stehst du vielleicht vor der gleichen Frage. Warum sollte ein Beet, das noch immer gute Erträge liefert und von der Arbeitshöhe sehr praktisch ist, mühevoll ausgeräumt und frisch gefüllt werden?

Wahlmöglichkeit 1: Es einfach lassen

Klar geht das und das ist der einfachste Weg. Es ist zu einem Beet geworden, das wahrscheinlich bis auf den Boden (man sieht ja nicht durch die Wände durch) mit Erde gefüllt ist. All das Material der Erstfüllung wird verrottet sein. Voll mit Leben ist es sicher auch, es handelt sich ja um gute Erde, angereichert mit Nahrungsgrundlage für die Kleinlebewesen im Beet. Verrottendes Wurzelwerk, jährlich eingearbeiteter Kompost – da stellt sich die Frage – reicht das nicht doch aus noch für die nächsten Jahre?

Wahlmöglichkeit 2: ausräumen und neu befüllen

Ohje, das klingt nach harter Arbeit und das ist es sicherlich auch. Ehrlich gesagt, mir graut davor ein wenig. Ich habe es bisher noch nie gemacht und kann den Zeit- und Schweißaufwand schwer einschätzen. Aber ich kann mich noch gut an die Arbeit der ersten Befüllung erinnern. Etliche Kubikmeter Kompost und Erde sind da reingekübelt worden in stundenlanger Arbeit. Darunter der Strauchschnitt, abgestochenes Gras (hui, wie das klingt) und Blätter. So und jetzt denke ich praktisch weiter: damals war es leer und jetzt ist es voll. Das bedeutet mal sicher den doppelten Aufwand – erst leeren, dann neu füllen. Ganz zu schweigen von der Frage der Zwischenlagerung des ausgehobenen Materials.

Bevor du dich entscheidest, welche Wahl du triffst, solltest du ein paar Fragen für dich klären.

Zustand der Abgrenzung des Hochbeets

Für mich ist die wichtigste Frage, die zuerst geklärt werden muss. Ist die Begrenzung noch in Ordnung? Es kommt darauf an, aus welchem Außenmaterial dein Hochbeet besteht. Da gibt es ja viele Möglichkeiten von sehr beständig bis nur ein paar Jahre haltbar.

Wenn du hier akuten Handlungsbedarf siehst, führt kein Weg an dieser Arbeit vorbei. Die Erde im Inneren des Hochbeets baut einen ordentlichen Druck auf.  Bevor dir das Hochbeet „aus den Nähten platzt“ heißt es an die Arbeit und erneuern – oder das Hochbeet aufgeben. Alles andere macht keinen Sinn.

Hat sich die Beetform bewährt?

Da geht’s um die Länge und die Breite des Hochbeets. Kommst du von allen Seiten gut ran? Erreichst du jede Stelle gut mit deinen Händen, ohne dich verbiegen zu müssen? Ein Hochbeet soll ja praktisch sein und nicht zu ungewollten Turnübungen und Balanceakten verleiten. Aus eigener Erfahrung kann ich von Fehleinschätzungen berichten. Bewachsen und leer ist ein großer Unterschied, der zu einer Täuschung führen kann. Selbst wenn du bei Aussaat gut überall hinkommst, heißt das nicht, die Ernte fällt genauso leicht.

Du hast bereits einen Erfahrungsschatz aufgebaut, erinnere dich an die Zeit nach der Aussaat und stelle dir die Frage, ob du es genau in dieser Größe wieder machen wolltest.

Passt der Standplatz noch

Wie schaut die Sonnensituation aus und wie ist das mit Wind? Was im ersten Jahr des Hochbeets noch gepasst hat, kann sich in den darauffolgenden Jahren geändert haben. Bäume und Sträucher wachsen, Beete kommen dazu. Ein Garten lebt eben und ist nicht statisch.

Bei einer anstehenden Neufüllung des Hochbeets hast du auch die Möglichkeit, Platz und Größe mit minimalem Zusatzaufwand zu ändern.

Welche Pflanzen sollen ins Hochbeet rein im kommenden Jahr?

Als Gemüsegärtner hast du dich wahrscheinlich schon mit Stark-, Mittel- und Schwachzehrern beschäftigt.

Starkzehrer brauchen viele Nährstoffe und Kompost, Mittelzehrer weniger und Schwachzehrer kommen mit normaler Erde aus. Salat gehört zu den Schwachzehrern als Beispiel. Kürbis, Tomaten, Gurken gehören zu den Starkzehrern, die viel an Kompost und Nährstoffe brauchen. Für sie ist ein Hochbeet ideal, sie finden hier ideale Bedingungen.

Hast du im nächsten Jahr keine Starkzehrer für das Hochbeet vorgesehen, sondern nur Mittel- und Schwachzehrer, dann lasse das Hochbeet so wie es ist und verschiebe die Arbeit auf kommende Jahre. Hier ist Aufschieberitis nichts Schlechtes, im Gegenteil erwünscht.

Du hast überhaupt nur den Wunsch, Kräuter in deinem Hochbeet zu ziehen und liebst es wegen der Arbeitshöhe? Gratuliere, du kannst dir die Arbeit eines Neufüllens immer sparen, sofern du ein dauerhaftes Material für die Umrandung gewählt hast. Die meisten Kräuter mögen magere Erde am liebsten, sie brauchen die Vorteile eines „nahrhaften“ Hochbeets nicht.

Die Frage nach dem Füllmaterial

Diese Frage ist nicht unwesentlich. Ein Hochbeet schluckt eine ordentliche Menge an Ästen, Strauchschnitt oder Blättern. Zukaufen kann man diese unterste Schicht eines Hochbeets meist nicht. Entweder du hast selbst über die Jahre gesammelt, hast viel zu schneiden im Frühjahr oder gute Nachbarn als Bezugsquelle. Sollte nichts davon zutreffen, dann warte lieber ab und sammle im Laufe des kommenden Gartenjahres alles, was du finden kannst. Sonst stehst du da mit einem ausgeräumten Hochbeet und hast kein verrottbares Material zum Füllen.

Die letzte Frage – was mit der überzähligen Erde anfangen

Bei einer Neufüllung ist der Großteil des Inhalts des Hochbeets etwas anderes als Erde, die du ausgeräumt hast. Hätte ja sonst keinen Sinn. Nur die obersten Schichten sind Kompost und Erde. Was kannst du mit all der Erde anfangen, die jetzt im Beet drinnen ist?

Da gibt es 2 Möglichkeiten:

  • Du hast einen Platz zum Aufheben und kannst sie verwenden, um das mit der Zeit absackende Beet wieder aufzufüllen.
  • Du kannst die Erde woanders verwenden

Mache dir rechtzeitig darüber Gedanken, bevor du mit dem Ausräumen beginnst.

 

Du willst jetzt vielleicht wissen, wie meine Entscheidung ausgefallen ist? Anfangs habe ich ja geschrieben, ich stehe vor genau dieser Frage. Nun, das ist einfach. Der Zustand meines größten Hochbeets ist sehr bedenklich. Schon seit 2 Jahren, aber jetzt vertraue ich ihm gar nicht mehr. Ich komme über die erste Frage nicht hinweg. Das Hochbeet aufgeben – nein – niemals. Dazu schätze ich die Vorteile viel zu sehr. Bleibt mir nur übrig, in den sauren Apfel zu beißen und diese Arbeit im Frühjahr zu erledigen. Gleichzeitig will ich auch an der Größe etwas ändern und statt einem Hochbeet zwei daraus machen. Kleinere und schmälere haben sich mehr bewährt als dieses erste Riesending, das aus einem Überschwang der Gefühle entstanden ist.

Das Beitragsbild zeigt mein großes Hochbeet, aufgebaut im April 2010.

Vergleicht man April 2010 zu jetzt Nov 2016 sieht man sehr deutlich, wie viel sich in 6,5 Jahren ändert.

hochbeet-nov2016

hochbeet-neu-april-2010

 

Du kannst gespannt sein und dich freuen auf einen ersten Neufüllungserfahrungsbericht (hoffentlich ohne „Grmpf“ und „verflixt“).

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

2 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Gabriele R.

    Genau vor diesem Problem stehe ich auch. Muss es auf jeden Fall ausräumen und versetzen. Meines senkt sich in Richtung Nachbarsgrundstück ab, das liegt etwas tiefer als meines und mein Nachbar hat abgegraben. Jetzt macht sich mein Hochbeet langsam aber sicher auf den Weg abwärts und ich komme von der anderen Seite nicht mehr ran. Mein Hochbeet ist auch ziemlich groß (1,20 m × 2,50 m × 0,78). Mir graut vor der Arbeit, aber es bleibt bei der Größe. Sobald das Wetter mitmacht werde ich mich an die Arbeit machen. Puuuhh.

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