Hopfenkranz binden – so gelingt’s Anfängern

Seitdem mir eine Dame vor wenigen Tagen von Hopfenkränzen in ihrer Gegend erzählt hat, lässt mich dieser Gedanke nicht mehr los. Die Suche bei Google spuckt viele wunderschöne Bilder von angefangenen und fertigen Hopfenkränzen aus. Manche nur mit Hopfen, manche mit anderen Herbstfrüchten gemischt. Anleitung finde ich keine, nur dass die Bäuerinnen im Halltertau – dem bekannten Hopfenanbaugebiet in Deutschland – Ende August, Anfang September Kurse dazu anbieten. Erstens ist das zu weit weg von mir, zweitens ist schon Mitte September. Was also machen?  Der Hopfen lockt mich täglich mehr, bis ich es schließlich nicht mehr aushalte und für einen Hopfenkranz sammeln gehe.

Aus erster Hand schildere ich dir mein „Kranzrezept“. So kann dir ein Hopfenkranz gelingen, auch ohne Workshop weit entfernt.

Zutatenliste

Als Material für den Kranz brauchst du:

  • Hopfenzapfen mit Stiel dran. Beim Sammeln und Schneiden achte darauf, dass du relativ große Hopfenzapfen erwischst. Dann wird dein Kranz schneller voll und du hast ein Erfolgserlebnis. Für den ersten Hopfenkranz ist das ein großes Plus. Schneide auch ganze Ranken ab, vielleicht magst du gleich darauf einen zweiten machen mit den Ranken als Grundgerüst. Denke dran, den Stiel brauchst du. Hopfenzapfen für Hopfenkranz
  • Kranzrohling
    Ich empfehle einen Strohrohling aus dem Bastelgeschäft oder Baumarkt. 20-25cm im Durchmesser sind günstig für dein Erstlingswerk.
  • Bindedraht auf einer Spule
    Den gibt es in verschiedenen Stärken. Von dünn, die man mit der Hand abreißen kann bis dick. Auf jeden Fall soll er auf einer Spule sein. Dünne reißen schnell ab, wenn man stärker anzieht. Nimm einen in mittlerer Stärke, wo man zum Abzwicken Werkzeug braucht.
  • Seitenschneider – für den Draht. Schau in der Werkzeugkiste nach, er ist in vielen Haushalten vorhanden.
  • Zum Aufhängen und Verzieren: Schnüre, Kordel, bunte Bänder, was dein Herz begehrt
  • Eine Schere zum Abschneiden der Bänder oder Schnüre
  • Für einen sauberen Arbeitsplatz rundherum sind Kübel für den Abfall, Besen und Schaufel zum Aufkehren ideal. Es fällt immer etwas runter.
  • Schutz für den Arbeitstisch: Deine Arbeitsfläche kannst du mit Zeitungspapier oder einem alten Plastiktischtuch gut schützen. Das ist wichtig vor allem bei Tischen, die nicht nur als Arbeitstisch verwendet werden. Die Hopfenzapfen habe alle die kleinen gelben Kügelchen drinnen. Diese harzartigen Drüsen fetten und schmieren ordentlich. Für den Kranz brauchen wir diesen wertvollen Stoff zwar nicht, aber sie sind da und fallen beim Arbeiten heraus.harziges Kügelchen Hopfenkranz
  • Alternativ für bunte Kränze mit Herbstfrüchten passen Hagebutten oder Weißdornfrüchte gut dazu, auch hier brauchst du einen kurzen Stiel und nicht nur die Frucht alleine. Pflanzenmaterial Hopfenkranz
  • Eine Gartenschere zum Sammeln der „wilden“ Zutaten. Zum Abschneiden von Hopfenranken und Wildfrüchten.

Arbeitsmaterial für Hopfenkranz

Zutatenliste für dich selbst

Nimm dir ausreichend Zeit. Sammeln, Vorbereiten und einen kleinen Kranz binden kann 3-4 Stunden dauern.
Wasser oder Tee zum Trinken in einem Krug. Trinke öfters einen Schluck und atme durch. Das Kranzbinden soll Spaß machen und keinen Stress auslösen. Kleine Pausen tun gut.
Arbeite am besten draußen an einem schattigen Ort. Es sei denn dir steht eine Werkstätte zur Verfügung, die geht natürlich auch. Die Wohnräume selbst empfehle ich dir nicht, weil doch einiges an Mist anfällt.
Papier und Stift für Notizen, die du dir machen willst, damit du beim nächsten Kranz von deiner eigenen Erfahrung profitieren kannst.

Vorbereitung

Als nächsten Schritt richtest du dir alles an deinem Arbeitsplatz griffbereit her. Als Faustregel habe ich herausgefunden: je dichter dein Hopfenkranz werden soll, desto kürzer müssen die Stücke sein. Für einen dichten Kranz brauchst du darum einzelne Hopfenzapfen mit einem ungefähr 3cm langen Stiel. Länger sind die Stiele einzelner Zapfen wahrscheinlich nicht, sonst könntest du auch längere nehmen.

Willst du eher einen lockeren Kranz, dann kannst du größere Stücke nehmen. Bei den Hopfenranken gehen seitlich die Stiele mit mehreren Zapfen weg. Sie hangen da in Traubenform. So ein ganzes Stück kannst du auch nehmen, aber der Kranz wird dann locker-flockig und nicht dicht.

Je nachdem, wofür du dich entscheidest, richtest du entweder die einzelnen Zapfen mit Stiel her oder die traubenähnlichen mit mehreren Hopfenzapfen dran. Bei bunten mit den Herbstfrüchten gleich auch die Früchte mit Stiel. Der Stiel kann bei denen schon so 4-5cm lang sein. Eventuell vorhandene Dornen müssen weg!

Entferne alle Blätter – sowohl rund um die Hopfenzapfen, als auch die Blätter bei den Wildfrüchten. Sie welken in wenigen Stunden und machen kein schönes Bild. Nimm nur die Zapfen/Früchte mit den Stielen.

Das ganze Arbeitsmaterial wie Kranzrohling, Seitenschneider, Draht und Bänder legst du auch bereits in Reichweite vor dich hin.

Gelegenheit für eine Pause bevor du dich ans Binden machst. Die Zeit ist sicher wie im Fluge verlaufen bis jetzt und du hast schon einen großen Teil erledigt!

Hofpenkranz mit Kranzrohling

Entscheidungen treffen

Ich weiß, am liebsten würdest du sofort loslegen, doch zwei Sachen helfen dir vorher noch, dich später nicht zu ärgern.

  • Die Arbeitsrichtung: In welche Richtung wirst du arbeiten wollen? Im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn? Da hat jeder seine Vorlieben, darum probier es aus, bevor du wirklich startest.
    Ich hab’s so gemacht: Mit der linken Hand die Stiele und den Kranz gehalten, Hopfenzapfen nach rechts schauend und die Stiele nach links. Mit der rechten Hand habe ich den Draht genommen und gegen den Uhrzeigersinn gearbeitet. Der Kranz hat sich gegen den Uhrzeigersinn mit dem Pflanzenmaterial gefüllt.
  • Liegen oder hängen: Soll dein Kranz später liegen oder aufgehängt werden? Falls du ihn aufhängen möchtest ist günstig, du befestigst gleich vorweg die Schnur zum Aufhängen. Das geht so: Scheide ein ausreichend langes Stück Schnur ab – besser zu lang als zu kurz – doppelt nehmen und Knoten machen. Dann einmal um den Kranz fädeln und durchziehen.

Binden

Den Draht einmal fixieren ist der erste Schritt. Wickle ihn ein zwei oder dreimal um den Kranz und verdrehe das abstehende Ende mit dem Draht auf der Spule. Nicht abschneiden! Du kannst die ganze Zeit mit der Spule wickeln.

Jetzt nimmst du dir ein Bündel an Hopfenzapfen in die eine Hand, 7-9 Stück sollten passen. Die hältst du fest an den Kranz an die hintere Biegung, und wickelst den Draht 2x fest darüber. Die nächsten 7-9 Stücke nehmen und an der vorderen Biegung des Kranzes in gleicher Höhe fixieren. Ein kleines Stück die Arbeit drehen und diesmal in der Mitte der Kranzbiegung oben ein Bündel fest mit Draht umwickeln. Wieder ein Stück weiter rutschen und zuerst hinten, dann vorne, weiter rutschen und in der Mitte. Das machst du so lange, bis du wieder am Anfang angekommen bist.

An die Unterseite des Kranzrohlings kommt kein Pflanzenmaterial hin. Daher kannst du die Arbeit immer wieder ablegen, vorher den Draht fest anziehen und die Spule daneben hinstellen. Das hält die kurze Zeit, bis du das nächste Bündel in der Hand hast.

Bist du am wieder Anfang angekommen, schiebst du das Bündel unterhalb der Startbündel rein und wickelst den Draht herum. Du kannst vorsichtig die Hopfenzapfen vom Startbereich anheben, damit du mit dem Draht darunter kommst.

Gelingt das nicht so recht, dann mach dir nichts draus und wickle bunte Bänder um das letzte Stück.

Beim Draht lass am Ende ein Stück wegstehen und dann schneide ihn ab. Den wegstehenden Teil verknote auf der Rückseite des Kranzes mit dem Anfangsstück vom Draht oder fädle ihn durch die gewickelten Drahtschleifen durch. Ein abstehendes Stück kannst du dann noch in den Kranzrohling aus Stroh reinstecken, damit keine scharfkantigen Teile abstehen.

Hopfenkranz mit Herbstfrüchten

Ins Rampenlicht mit deinem ersten Hopfenkranz

Dein erster Hopfenkranz ist fertig! Denke bitte an die harzigen Kügelchen, die noch immer aus den Hopfenzapfen herausfallen werden. Lege oder hänge ihn so auf, dass niemand verärgert ist. Liegend ist ein vom Durchmesser größerer Teller gut. Zum Aufhängen wähle den Platz gut. Direkt an der Eingangstüre empfehle ich dir nicht. Du magst sicher nicht dauernd Klebriges in deinem Vorzimmer aufwischen. Neben der Tür ist eine Möglichkeit. Vielleicht magst du sogar ein dekoratives Pflanzgefäß darunter stellen, das unbemerkt von allen die Kügelchen auffängt. Oder du hängst den Kranz im Garten auf einen Ast oder eine Stange. Ich bin sicher, du findest das richtige Rampenlicht für dein Meisterwerk.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

8 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Regine Voigt

    Hallo Sylvia, wir waren diesen Sommer in Süddeutschland und Tirol und auf der Fahrt habe ich zum ersten Mal gesehen, wie Hopfen angebaut wird. Hier in NRW ist das eher Mangelware
    Dein Text hat mich sehr beeindruckt, du schreibst sehr ausführlich aber nicht übertrieben.
    Ich werde nächstes Jahr mir Hopfen anbauen, einfach so im Garten, da kann meine Tochter eine Bude drunter machen und ich kann einen oder zwei Kränze machen.
    Was kann man aus Hopfen noch machen außer Deko?
    Vielen lieben Dank für deine Berichte und Erfahrungen.
    Liebe Grüße aus Wuppertal
    Regine

    • von Sylvia Wonisch

      Hallo Regine!
      Das freut mich, dass dir der Hopfenbericht gefallen hat. Du kannst die Hopfenzapfen trocknen und für Schlafkissen verwenden oder für Tee, und noch viel mehr. Ich plane noch ein paar weitere Beiträge zum Hopfen.
      Aus den Ranken alleine ohne Blattwerk und Hopfenzapfen kannst du das Grundgerüst für alle möglichen Kränze machen. Wenn du die Zapfen verwenden willst, dann solltest du beim Anbau darauf achten, eine weibliche Pflanze zu bekommen :-). Ich verwende den Hopfen auch gerne für alle möglichen Collagen. Die getrockneten Blätter sind hübsch, ein paar Stücke der Ranken hier und da machen sich auch gut. Er ist sehr vielfältig!
      Liebe Grüße ins Wuppertal
      Sylvia

  2. Danke für die ausführliche Beschreibung.
    Die Kränze sind sehr schön.
    Leider habe ich kein Hopfen in meiner Gegend – wer weiss vielleicht finde ich doch einen.
    Danke für deine postings und blogs -freue mich immer wieder aufs neue sie durch zulesen – und immer wieder gibt es schöne Anregungen. Leider bin ich wieder in die Stadt gezogen – aber ich lernt mir meine Augen für neues zu öffnen – und mit offenere Auge zu schauen. 30 Jahre lang bin ich nur vor die Tür gegangen und habe eine Augenweide an Natur gehabt. Jetzt ist es eben anders. Dank deinen Blogs – wird in mir wieder einiges geweckt … Danke

    • von Sylvia Wonisch

      Hallo Lili!
      Herzlichen Dank für deinen berührenden Kommentar!
      Zu den Kränzen – gibt es Efeu in deiner Gegend? Wenn du Lust auf einen Türkranz hast, kannst du statt der Hopfenzapfen Blätter vom Efeu mit kurzem Stiel dran nehmen. Das dunkle Grün vom Efeu und die leuchtenden Farben der roten Früchte passen sehr gut zusammen.
      Ich habe auch einige Jahre in der Stadt gelebt. Heute würde ich mit anderen Augen durch die Stadt laufen, damals habe ich nicht auf die Natur geschaut. Ich bin sicher, du siehst die Stadt auch mit anderen Augen und findest da und dort ein schönes Fleckchen Natur. In meiner Kräuterpädagogenausbildung wurde uns erzählt, es gibt sogar Kräuterexkursionen zum Erkennen (nicht zum Sammeln und Essen) von Pflanzen mitten in der Großstadt Wien an viel befahrenen Straßen. Vielleicht findest du so etwas in deiner Stadt.
      Herzliche Grüße, Sylvia

  3. Hallo Sylvia,
    es ist schön, dass Du und viele Menschen die besondere Pflanze aus meiner Heimat – der Holledau, wie wir hier sagen (hochdeutsch Hallertau)- schätzen und schöne Dinge daraus fertigen möchten.
    Aber BITTE BITTE kann man das Wort „…zapfen“ in Dolden ändern? Der Hopfen ist kein Baum, der Zapfen bildet. Es sind und bleiben Dolden. Es tut mir fast weh, wenn ich hier von Hopfenzapfen lese…. Vielen Dank! Karin

    • von Sylvia Wonisch

      Hallo Karin!
      Tut mir leid, wenn dich das Wort „Hopfenzapfen“ stört. Du hast recht, man kann auch Hopfendolden sagen.
      Ich hab’s mir notiert und werde bei nächster Gelegenheit einen Botaniker dazu befragen. Aus der Ausbildung und aus den Kräuterbüchern kenne ich beide Bezeichnungen.
      Liebe Grüße ins Hopfenland, Sylvia

      • Hallo Sylvia,

        Danke für Deine prompte Antwort!

        Nun, was heißt stören…. Botanisch und nach Lehrbuch hast Du sicher Recht, dass beides korrekt ist. Aber nicht alles was richtig ist, ist auch authentisch!
        Als gebürtige Holledauerin, in Mitten des – bekanntermaßen – größten Hopfenanbaugebietes der Welt lebend, umgeben von Hopfengärten und Hopfenbauern, kann ich Dir versichern, dass ich noch nie in meinem Leben irgendjemand bei uns hier von Zapfen habe sprechen hören. Und selbst im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach habe ich noch nie Zapfen gelesen.
        Aber es ist Deine Seite und wenn es in Österreich Zapfen sind, dann sind sie es halt. Wir bleiben bei den Dolden :-)

        Gruß aus der Holledau

        • von Sylvia Wonisch

          Hallo Karin!
          Ganz herzlichen Dank nochmals für deine Anmerkung und wertvolle Ergänzung! Ach, das ist wahrscheinlich des Rätsels Lösung – regionale Unterschiede in der Bezeichnung! Der Hopfen ist schon etwas Besonderes, und wir scheinen ihne beide sehr zu mögen. Du lebst im Hopfenschlaraffelland! Wenn’s Wetter heute passt, werde ich ernten gehen. Bin extra früh aufgestanden, am Vormittag soll das Wetter noch passen. Vorfreude auf den Duft macht sich breit, hoffentlich ists bald hell und nicht taunass.
          Liebe Grüße ins Hopfenland, Sylvia

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