Kompost à la Lasagne in einem Arbeitsgang aufsetzen

Zu diesem Blogartikel hat mich Susanne Lindenthal inspiriert, als sie am 29.7.2019 anlässlich des Nationalen Tags der Lasagne (in den USA) zu einer Blogparade über das Lasagne-Konzept aufgerufen auf.

Eine traditionelle Lasagne und ich sind gerade kein so gutes Team, weil ich auf Getreide – und somit auch auf Nudeln –  möglichst verzichte. Ein Artikel mit einem Rezept einer nudelfreien Lasagne sollte es werden. Eine Riesenzucchini von fast 1,5 Kilo, längs nach in Scheiben geschnitten, war mein erster Gedanke als Ersatz für die Lasagne-Teigblätter. Voller Eifer ging es an den Herd. Das Ergebnis erreichte geschmacklich gutes Mittelmaß, aber vom Aussehen her fiel meine allererste Zucchini-Lasagne mit Pauken und Trompeten durch. „Danke, setzen, nichtgenügend“.

Kein Problem, ein neuer Test mit abgeänderter Strategie startet demnächst mit der nächsten Riesen-Zucchini, die sich als Teigplattenersatz eignet.  Gut, dass ich das Beet ordentlich mit nährstoffreichem Kompost versorgt habe und die Zucchini-Pflanzen wie wild wachsen und gedeihen.

Ah – der Kompost – der ähnelt ja gleich in doppelter Hinsicht einer Lasagne! Vom schichtweisen Aufbau sowieso, und wenn man ihn in einem Schritt aufsetzt, dann erinnert diese Arbeit noch einmal an die Zubereitung einer Lasagne.  Auf zur „Kompost-Lasagne“!

Es gibt unterschiedliche Arten, einen Komposthaufen anzulegen.

Zwei davon, die ohne ein Gefäß als Schnellkomposter (manchmal auch Thermo-Komposter genannt) auskommen, habe ich in den letzten Jahren getestet.

Bei der ersten Methode wird das gerade verfügbare Material nach und nach hinzugefügt. Der Komposthaufen wächst langsam, bis er die gewünschte Größe erreicht hat und dann ruhen kann.

Die zweite Methode ähnelt dem Kochen: Material wird zuerst gesammelt und griffbereit hergerichtet, dann wird der Haufen in einem Arbeitsgang aufgesetzt.

Persönlicher Geschmack, Anzahl und Vielfalt von vorhandenem Ausgangsmaterial entscheiden über die Wahl der Methode. Der eigentliche Aufbau mit den Schichten wie bei einer Lasagne ist identisch, egal ob die erste oder die zweite Variante verwendet wird.

Ich bin ein Fan des zweiten Verfahrens geworden und sammle Material, um dann in einem Arbeitsgang den Kompost aufzusetzen.

So mache ich es:

Vorbereitung: Material sammeln

Hier zeigt sich die erste Parallele zum Kochen. Am leichtesten geht es, wenn alles griffbereit ist. Alles Material, das in den neuen Kompost eingebracht wird, wird getrennt gesammelt. Je nach Anfall von Küchen- und Gartenabfällen kann dieser Zeitraum einige Wochen dauern.

Wo Platz im Garten ist und es nicht stört, lege ich die Sammelplätze für Strauchschnitt und für Gemüse und Gartenabfälle an. Manchmal auch für Blätter, angetrocknetem Gras- und Wiesenschnitt und für bereits gehäckselte Zweige und Äste. Idealerweise sind sie neben dem zukünftigen Kompostplatz. Geht das nicht, dann müssen längere Wege in Kauf genommen werden und Transportbehälter wie Kübel oder Schubkarre (österreichisch: Scheibtruhe) kommen zum Einsatz.

Sobald ausreichend von den Grundstoffen für den Kompost vorhanden sind, geht’s an den Aufbau.

Materialsammlung Kompost

Sammlung von Blättern für Kompost

Untergrund und Begrenzungen

Im falschen Gefäß wird die Lasagne im Ofen nichts. Genauso ist es beim Komposthaufen. Die „Auflaufform“ muss passen. Beim Komposthaufen besteht sie aus einem natürlichen Erdboden als Untergrund und bei meinem Kompost aus Begrenzungen an mindestens 3 Seiten. Ein Komposthaufen braucht zwar nicht unbedingt eine seitliche Begrenzung, er kann auch als abflachender Haufen angelegt werden. Aus praktischen Gründen habe ich für Komposthaufen in quaderartiger Form mit Begrenzungen entschieden: Der Haufen wird in Form gehalten (wie im Auflaufgefäß die Lasagne) und braucht weniger Grundfläche als ein abflachender Haufen.

Aber bleiben wir erst einmal beim Untergrund. Der natürliche Erdboden stellt sicher, dass die notwendigen Kompostumsetzungshelferlein (Kompostwürmer & Co) leicht in den Haufen hineingelangen können. Ein beispielsweise durch eine Betonschicht versiegelter Boden stellt eine Barriere von unten dar. Zwar finden die tierischen Helfer im Laufe der Zeit irgendeinen Weg hinein in ihr Paradies oder können zugekauft und per Hand eingebracht werden, wenig überzeugend ist eine Betonschicht aber auch aus einem anderen Grund: Sie verhindert das leichte Versickern vom Regenwasser im Boden.

Bei den Begrenzungen habe ich mit Lattenkompostern aus Holz und runden Gitterkompostern und eckigen mit aufklappbarer Entnahmeöffnung aus dem Fachhandel gute Erfahrungen gemacht. Ein fantasievoller und handwerklich begabter Gärtner kann vorhandenes Material nutzen und sich selber etwas bauen und gestalten. Ich freue mich über vielfältige Anregungen dazu in den Kommentaren!

Der Schichtaufbau

Die erste Schicht besteht aus groben Stückchen von Ästen und Zweigen. Durch das lockere Gefüge gelangt Luft in den Haufen rein

Wiederholende Schichten

Es folgt eine Schicht von ungefähr 30 Zentimetern mit „feuchterem“ Material – à la Lasagne wäre das die Bolognese-Schicht.  Beim Komposthaufen kann die Schicht bestehen aus Küchenabfälle oder Schnittgut und Blätter aus dem Garten. Je größer die Stücke sind, desto länger dauert der Verrottungsprozess. Es zahlt sich aus, Küchen- und Gartenabfälle etwas zu zerkleinern. Damit keine „Pampe“ entsteht, mischt man beim Aufsetzen in diese Schicht strukturiertes Material unter – gehäckselten Strauchschnitt beispielsweise. Ist das Material durch vorhergegangenes Lagern schon zu trocken geworden, sollte es leicht befeuchtet werden.

Die nächste Schicht ist eine Abdeckungsschicht. Die „Teigplatten des Komposthaufens“ ist eine Schicht von zwei bis drei Zentimetern Erde oder vorhandenem Kompost.

Die Gewürze des Komposts sind eine Streuschicht Algen- oder Gesteinskalk. Besondere Gourmets können Eierschalen und durchgetrocknete Wildkräuterblätter (Brennnessel, Beinwell) zerreiben und mit dem Algen- oder Gesteinskalk vermischen.

Danach geht es wieder mit der feuchten Schicht los, gefolgt von der Abdeckung und der Würze. Immer im Wechsel, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Höher als 1,5 Meter sollte ein Komposthaufen im Hausgarten nicht erreichen. Meiner ist nur knapp über einen Meter hoch.

Die letzte Schicht

Die letzte Schicht ist die „Parmesan-Schicht“ des Komposthaufens. Sie besteht aus Erde, darunter kann dünn auch Grasschnitt, Wiesenschnitt oder Pappe für eine noch bessere Isolierung sorgen.

Jetzt darf der Komposthaufen aus Menschensicht ruhen. Dabei ruht er innerlich gar nicht, pures Leben zersetzt den biologischen Garten- und Gemüseabfall in wertvollen Kompost. Bei längerdauernder Hitzeperiode ohne Regen wässere ich den Kompost hin und wieder, damit der Verrottungsprozess nicht ins Stocken gerät.

In Rezeptform noch einmal das Wichtigste für den gelungenen Kompostaufbau à la Lasange in einem Arbeitsgang

Zutatenliste:

  • Strauchschnittmaterial in unterschiedlichen Größen und Längen
  • Zerkleinerte Gemüse- und Gartenabfälle
  • Strukturmaterial wie zum Beispiel gehäckseltes Äste
  • Erde oder Kompost zum Abdecken
  • Algen- oder Gesteinskalk
  • Alternatives Material wie angetrockneter Gras- oder Wiesenschnitt, zerkleinerte Eierschalen, getrocknete und eventuell zerriebene Kräuter

Arbeitsanleitung:

  • Die Zutaten griffbereit herrichten
  • Natürlichen Untergrund am Kompostplatz auswählen
  • Die seitlichen Begrenzungen aufbauen
  • Schichtweisen Aufbau starten mit einer Schicht grobem Material
  • Weitere Schichten im Wechsel: bis zu 30 cm feuchtes Material – 2-3 cm Abdeckung – Streuwürze – wieder von vorne
  • Letzte Schicht: Abdeckung
  • (Gegebenenfalls bei langdauernder Hitzeperiode etwas wässern)
  • Ruhen lassen
  • Nach Monaten: Aussieben und Verwenden

Dauer des Verrottungsprozesses

Wie lange der Umsetzungsprozess dauert, hängt neben der Größe der eingebrachten Stücke, dem Material und dem richtigen Aufbau zusätzlich von der Witterung und der Jahreszeit ab. Wer es eilig hat mit einem ausgereiften Kompost, der kann nach ihn nach ein paar Monaten einmal umsetzen.

Umsetzen heißt, an einer anderen Stelle neu durchgemischt aufbauen. Das kann den Verrottungsprozess beschleunigen. Ich zähle mich zu den „faulen“ Gärtnern und habe das Umsetzen bald eingestellt. Es gibt genügend andere Arbeit im Garten, der ich mich in der vorhandenen Gartenzeit viel lieber widme. Die Konsequenz ist, dass der Prozess der Kompostgewinnung länger dauert. Ein Umstand, mit dem ich mich gut anfreunden konnte.

Frühestens nach einem Jahr siebe ich den Kompost aus und setze einen neuen Haufen an. Alles, was noch nicht ganz verrottet ist, wird beim neuen Haufen untergemischt.

Die beste Jahreszeit für Aufsetzen in einem Arbeitsschritt

Mit Ausnahme des Winters mit gefrorenem Boden und Schneedecke ist jede Jahreszeit geeignet, einen Komposthaufen in einem Arbeitsschritt neu anzulegen. Frühling, Sommer oder Herbst, sie alle haben Vor- und Nachteile.

Für das Frühjahr spricht sehr viel. Es ist noch nicht zu heiß, und es gibt im Naturgarten gutes Ausgangsmaterial durch Strauchschnitt und durch’s Abräumen der Beete. Der fertige Kompost der Vorperiode kann gleich den Gemüsebeeten frische Energie und gute Inhaltsstoffe zuführen. Der Nachteil im Frühjahr ist, dass im Naturgarten sonst auch viel an Arbeit anfällt. Das Aussieben des Vorjahreskomposts und Neuaufsetzen braucht seine Zeit.

Im Sommer ist der Strauchschnitt des Frühjahres schon gut trocken, es gibt genug an Grasschnitt und vielleicht auch schon Schnittmaterial des ersten Wiesenschnitts. Auch genügend frisches, feuchtes Material ist vorhanden. Für mich der große Nachteil ist aber die meist sehr heiße Witterung, die die Arbeit körperlich sehr anstrengend macht.

Der Herbst hat sich für mich (Altersgruppe 50+) als beste Zeit für Kompostarbeiten herausgestellt. Die kühlere Witterung stellt mich vor weniger Herausforderungen als ein heißer Sommer. Haushalten mit der eigenen Energie kommt ja schließlich an anderer Stelle dem Garten zugute. Der ausgesiebte Kompost kann als Bodenbedeckung für die Beete im Winter dienen oder abgedeckt für den Einsatz als Dünger / Bodenbelebung bis zum Frühjahr gelagert werden.

Gutes tun

Wiederverwertung von anfallenden Garten- und Gemüseabfällen aus der Küche ist ein wichtiger Beitrag zum ökologischen, nachhaltigen Leben. Kompost ist Energie pur, sorgt für gutes Bodenleben in den Gemüsebeeten und stellt sicher, dass der Boden nicht auslaugt. Die Arbeit mit einem Komposthaufen mag anstrengend erscheinen, sie zahlt sich aber aus.

Kaum ist der Artikel fertig geschrieben, lacht – Kompost sei Dank – schon die nächste Riesenkeule einer Zucchini aus dem Beet. Zeit für den zweiten Test zu einer geschmacklich und optisch tollen Zucchini-Lasagne. Hoffentlich kann ich demnächst hier über ein gelungenes Kochexperiment berichten.

Jetzt seid Ihr dran. Gestaltet Euer eigenes Rezept zur „Kompost-Lasagne“. Ich freue mich über eure Berichte in den Kommentaren.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Liebe Sylvia,

    herzlichen Dank für den tollen und inspirierenden Artikel. Ich wusste gar nicht, dass man einen Komposthaufen in einem Arbeitsgang aufsetzen kann. Bei mir wächst der sukzessive, je nach anfallendem Material. So habe ich dann nach ca. 1,5 bis 2 Jahren wunderbare, tiefschwarze, traumhaft duftende Komposterde, die ich für’s Gemüse und die Kräuter wieder verwende. Nach nur einem Jahr muss ich auch aussieben, weil noch nicht alles vollständig verrottet ist.

    Auch Deine Umsetzung des Lasagne-Konzeptes ist Dir wunderbar gelungen. Ich musste jedesmal schmunzeln, bei den direkten Vergleichen mit den unterschiedlichen Lasagneschichten. Ich habe eine riesige Freude mit Deinem Artikel!

    Eine Frage habe ich aber noch: wenn Du das Material zwischenlagerst, um den Kompost dann in einem Arbeitsgang aufzubauen, verrottet das nicht schon zum teil vorher? Bei Blättern, Ästen und Zweigen kann ich mir das mit dem Zwischenlagern gut vorstellen, aber bei Küchenabfällen? Und auch der Grasschnitt, der verrottet doch auch schon teilweise, wenn er auf einem Haufen liegt, oder?

    LG Susanne

    • von Sylvia Wonisch

      Liebe Susanne!
      Danke für Deinen Kommentar! Ja, das stimmt, beim zwischengelagerten Material fängt der Rotteprozess bereits an. Das macht aber nichts. Wichtig ist nur, dass halbwegs auch Luft dazukommt. Da meine Haufen nicht sehr hoch und auch nicht sehr breit sind, ist schneller alles Material vorhanden. Mit dem getrennten Sammeln für einen neuen Kompost fange ich deswegen erst einige Woche vor dem geplanten Neuaufsetzen an. Meist mische ich ein wenig sperrigeres Gartenmaterial wie Stängel und grobe Blätter unter die Küchenabfälle, damit kleine Hohlräume entstehen. Wenn’s dann doch länger dauert bis ich zur Kompostarbeit komme, drehe ich das Material mit der Grabegabel öfter um. Sollten sich dann schön Würmer eingefunden haben in dem zwischengelagerten Haufen, kommen die gleich mit in den Kompost.
      Liebe Grüße, Sylvia

  2. Liebe Sylvia, ich musste mehrmals schmunzeln bei Deinen Vergleichen von Lasagne und Kompost. Das passt ja wirklich wunderbar! Wir haben derzeit keinen Garten, aber als wir einen hatten, habe ich unseren Kompost so ähnlich aufgesetzt, wie Du das beschreibst. Ich mag diesen Kreislauf so gerne, wenn aus „Abfall“ wieder etwas wertvolles wird. lg, Gabi

    • von Sylvia Wonisch

      Liebe Gabi, danke sehr! Wenn Du schon Komposterfahrung hast, dann interessiert Dich vielleicht eine Wurmkiste für die Kompostierung von Gemüseabfällen an Ort und Stelle – in der Küche. Ich habe so eine Wurmkiste seit einigen Wochen zusätzlich zu den Komposthaufen im Einsatz und liebe meine neuen Haustiere. Ein erster Erfahrungsbericht folgt in Kürze. Liebe Grüße, Sylvia

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