Lernen von der Natur: Begrenzungen meistern

Kürzlich wurde mir sehr deutlich vor Augen geführt, wie ein gut eingewachsener Baum mit Begrenzungen durch einen stabilen, metallischen Zaun umgehen kann. Sofort stellte sich bei mir Mitgefühl mit dem vermeintlich armen Baum ein.

Am liebsten hätte ich ihn von seinem Widersacher befreit und ihm dadurch wahrscheinlich mehr geschadet als genutzt. Gut, dass weder Baum noch Zaun in meinem Verantwortungsbereich standen. So bin ich eine Zeitlang stehen geblieben und habe über sein Schicksal nachgedacht. Fühlt er sich wirklich beschränkt und eingeengt? Den Anschein hat er nicht gemacht, im Gegenteil: er strotzt vor Lebens- und Wuchskraft.

Im Leben gibt es viele Gegebenheiten, die nicht dem Ideal entsprechen. Die Natur sucht sich Wege, um mit den vorhandenen Bedingungen gut umgehen zu können. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt und das Wurzelwerk stark, dann werden Hindernisse meisterlich genommen.

Von der Natur kann man vieles lernen und ins menschliche Leben übernehmen. Lass uns einen Blick darauf werden, wie die Natur in verschiedenen Situationen mit Begrenzungen umgeht.

Integrieren

Der Baum aus dem Beispiel hat den Zaun einfach in seinen Stamm integriert. Kaum zu glauben, aber der Versorgungsfluss scheint nicht gestört zu sein. Der betroffene Ast hat eine Kerbe genau dort, wo der Maschendraht vom Zaun ist.

Begrenzung integrieren1

Ein Ast von einem Baum überwindet Maschendrahtzaun

Ein anderer Baum hat mich durch gleich zwei meisterliche Lösungen beeindruckt. Ein Teil des Metallgitters ist mit dem Stamm verwachsen, einem anderen Teil weicht der Baum aus. Leider war es etwas zu weit weg, die Verwachsungen sind nicht gut erkennbar.

Baum und alter Metallzaun

Ein Baum der sich von einem alten Metallzaun nicht beeindrucken lässt

Die Bäume in den Beispielen haben sich arrangiert mit dem Hindernis und sich weder beeindrucken noch aufhalten lassen.

Ausweichen

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich eine Dokumentation über „die G’stettn von Wien“ gesehen. Unter anderem wurde im Zeitraffer gezeigt, wie sich die Natur ein verfallenes Gebäude zurückerobert. Bald war von dem Gebäude nichts mehr zu sehen, ein grüner Lebensraum ist rundherum entstanden. Keine Mauer, kein Metall konnte das Wachstum bremsen. Links und rechts von den Mauern sind die zuerst zarten Schösslinge zu stattlichen Bäumen herangewachsen.

Dass das rasend schnell geht, habe ich selber erlebt. Ein paar Jahre reichen aus, um eine Mauer hinter blickdichtem Grün verschwinden zu lassen. Pralles Leben für Pflanzen und Tiere entstand in dem Dickicht.

Zugewuchtert

Unsichtbar hinter der grünen Sträucherwildnis steht eine alte dicke Steinmauer

 

Kleinste Ritzen nutzen

Wer kennt sie nicht, die Sträucher und Wildblumen, die durch Asphalt durchbrechen. Als Gartenneuling habe ich gedacht, ich könne dem Ackerschachtelhalm den Weg versperren. Wahrscheinlich hat er darüber innerlich gelacht. Aus jeder noch so kleinsten Ritze sprießt er munter weiter.  Dicken Steinplatten zum Trotz freue ich mich alljährliche über eine reiche Ernte an Ackerschachtelhalm.

Jede kleinste Ritze wird genutzt

Ackerschachtelhalm bahnt sich seinen Weg zwischen Steinen

Wie kann man diese Strategien der Natur ins eigene Leben übertragen?

Sie wie bei der Natur auch müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein um mit einer der 3 Strategien Erfolg zu haben. Passt nichts rundherum, entspricht das einem unzureichenden Wurzelsystem und die Begrenzung wird zum K.O.-Kriterium.

Meist ist es aber so, dass viele Dinge passen, nur ein paar wenige entpuppen sich als (gefühlte) Störenfriede. Ein Maschendrahtzaun, eine Steinplatte oder ein Mauerwerk, das uns davon abhält, das Vorhaben in die Tat umzusetzen und zu wachsen.

Vorgehen zum Finden deiner Begrenzungen und möglichen Lösungen

Du hast ein Vorhaben, das du gerne umsetzen möchtest und Hindernisse stehen dir im Weg? Find raus, ob dir eine der 3 Lösungen helfen kann, es zahlt sich aus! Nimm dir Stift und Papier zur Hand und ausreichend Zeit. Werde so konkret wie möglich und gehe in die Tiefe. Gib dich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden. Für den Anfang wähle ein kleines Vorhaben. Mit der Zeit kannst du größere Vorhaben angehen oder sie in Teilvorhaben zerlegen.

Bei der Beantwortung nimm alles unter die Lupe, was Einfluss auf dein Vorhaben hat.

Mögliche Einflussfaktoren beispielhaft aufgezählt:

  • Gegenstände
  • Software
  • Kompetenz, Wissen
  • Gedanken, Gefühle, negative Erlebnisse in der Vergangenheit
  • Persönliche Eigenschaften
  • Familie, Freundes- und Bekanntenkreis
  • Zeitliche Einflussfaktoren
  • Finanzielle Mittel
  • Berufliche Gegebenheiten
  • Spaß, Freude, Lust

Beantworte diese Fragen:Mein Wunsch ist:

  1. Mein Wunsch ist:
  2. Das alles passt / habe ich zur Verfügung:
  3. Als Hindernis / Begrenzung empfinde/erlebe ich:
  4. Wie könnte ich einen Umgang mit der Begrenzung gestalten (integrieren)?
  5. Wie könnte der Begrenzung ausweichen?
  6. Welche „kleine Ritze“ zum Durchbrechen könnte ich nutzen?

Siehst du mehr als ein Hindernis, dann knöpfe dir die Fragen 3 bis 6 für jeweils einzeln vor. Es ist völlig in Ordnung, wenn du bei einem oder bei zwei Lösungsmöglichkeiten etwas findest, das vorstellbar ist. Du kannst in die Findung der Antworten gerne Familie und Freunde miteinbeziehen. So entstehen potentielle Lösungen, an die du vielleicht gar nicht gedacht hast.

Entscheide dich für das, was zu deinen Lebensumständen am besten passt und sage laut und deutlich JA darauf. JA, dem Hindernis ….. begegne ich mit den Lösungen A, B, C, D,….

Damit steht deinem Vorhaben nichts mehr im Wege, was dich aufhalten könnte.

 

An einem Beispiel könnte das so ausschauen

Mein Wunsch ist:
Ich möchte nähen lernen

Das alles passt / habe ich zur Verfügung:
große Lust, Platz, Nähkurs in der Umgebung – Kursbesuch geht sich zeitlich gut aus, meine Familie steht hinter mir, eine Freundin kennt sich aus und unterstützt mich gerne, Zubehör kann ich über Webshop oder im Geschäft XYZ kaufen, Nähmaschine kann ich mir anfangs preisgünstig ausleihen

Als Hindernis / Begrenzung empfinde/erlebe ich:
nur ein Hindernis: fehlende Zeit zum Üben außerhalb des Nähkurses

Wie könnte ich einen Umgang mit der Begrenzung gestalten (integrieren)?
Ich lasse mich nicht aufhalten! Ich könnte früher aufstehen, eine andere Gestaltung meiner Arbeitszeiten mit Chef/in diskutieren, Teil der Hausarbeit delegieren (Familie, Putzfee)

Wie könnte ich der Begrenzung ausweichen?
Nähkurs bietet Praxiszeit nach der Nähstunde an, das könnte ich nutzen. Üben nur an Wochenenden, Feiertagen oder im Urlaub – dann dauert es halt länger, bis ich näherfahren bin.

Welche „kleine Ritze“ zum Durchbrechen könnte ich nutzen?
Ich schaffe mir kleine Zeitfenster von 15 Minuten zum Üben. Der Abendsport im Fernsehen interessiert mich sowieso nicht, die Zeit nehme ich mir.

 

Begrenzungen sind dazu da, sich mit ihnen zu auseinanderzusetzen und sich der eigenen Wurzelkraft bewusst zu werden. Ist sie ausreichend vorhanden und alle anderen Voraussetzungen passen, können Hindernisse auf verschiedene Arten genommen werden. Die Natur zeigt es vor.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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