Motivation auf dem Prüfstand – für Gemüsegärtner

Pünktlich am ersten Adventwochenende ist der erste Tag mit intensiverem Schneefall. Die Beete sind bereits schneebedeckt, von der Wiese schauen nur mehr die Grasspitzen raus. Eine bunte Vogelschar bevölkert die Futterplätze. Es ist Zeit für Innenschau.

Mein vergangenes Gemüsejahr kann man unter dem Begriff Schmalspurgemüsejahr einordnen. Enttäuscht bin ich nicht, denn ich wusste von vornherein über die Beschränkungen Bescheid. Wie stelle ich mir mein neues Gemüsejahr vor?  Kann ich unter den gegebenen Umständen die eine oder andere selbst gewählte Beschränkung aufheben und mehr Experimente wagen?

Antworten auf solche Fragen sind essentiell für jeden Gemüsegärtner um gut gewappnet ins nächste Jahr zu gelangen. Jeder Gemüsegärtner sollte seine Antreiber kennen. Nicht nur das, er sollte sie jährlich überprüfen. Alles im Leben ist ständig in Bewegung, in einem Jahr kann sich sehr viel ändern. Was vor einigen Monaten noch zutreffend war, kann heute obsolet sein.

Der beste Zeitpunkt für die Überlegungen

Sind die Herbstarbeiten abgeschlossen und Ruhe im Garten eingekehrt, dann ist der beste Zeitpunkt gekommen, sich Klarheit über seine Motive zu verschaffen. Noch bevor der Kaufrausch für Samentütchen einsetzt oder die Beetplanung am Papier gemacht wird.

Die Erinnerungen an das letzte Gartenjahr sind frisch und nicht verzerrt.

Wie gehst du am besten vor?

Erst einmal die Fakten

Erforsche unvoreingenommenen und nicht wertend die Umstände deines Gärtnerlebens.

Überlege, ob und was sich an deinen Lebensumständen geändert hat. Vielleicht hast du einen anderen Job angenommen, die Kinder sind ausgezogen, du hast ein neues Heim mit anderer Gartenfläche, bist in Rente gegangen oder hast mit gesundheitlichen Einschränkungen zu leben. Schreib jeden Faktor in eine eigene Zeile.

Hat etwas davon Einfluss auf das Gemüsegärtnerleben, dann notiere das direkt daneben.

Beispiele:

  • „Ich arbeite neuerdings einen Tag in der Woche von zu Hause aus – Einfluss: an diesem Tag fällt die Fahrtzeit ins Büro weg und ich habe 1 Stunde mehr Zeit für den Garten.“
  • „Mein Kind wechselt an eine neue Schule – Einfluss: auch wenn es ihm/ihr Spaß macht, es bleibt weniger Zeit, um mir im Garten zur Hand zu gehen.“
  • „Ich ziehe in einem Monat um. Im neuen Heim habe ich mehr/weniger Platz für die Beete – Einfluss: einerseits Platz (mehr/weniger), anderseits Zeit, weil ich die Beete neu aufbauen muss“.

Nach diesem ersten Schritt hast du die Basis für weitere Überlegungen schwarz auf weiß festgehalten.

Jetzt stellt sich die Frage nach einem Ziel.

Braucht man ein Ziel beim Gemüsegärtnern?

Ehrlich gesagt bin ich gespalten bei diesem Punkt. Mein Verstand schreit „JA, für (fast) alles im Leben braucht man ein Ziel.“ Mein Bauch ist anderer Meinung und vermeldet lautstark: „So ein Schwachsinn, für’s Gemüsegärtnern braucht man kein festgeschriebenes Ziel. Das macht man oder man lässt es bleiben.“

Ziel „JA“ oder „NEIN“, das kannst du selber am besten beantworten. Eventuell willst du ein Selbstversorger sein oder bei einem Riesenkürbiswettbewerb teilnehmen. Dann macht es Sinn, dir ein Ziel zu setzen. Bist du Hobbygemüsegärtner, der gerne in der freien Natur Zeit verbringt oder siehst du den Garten als Ausgleich zum Beruf, dann brauchst du nicht unbedingt eins. Ich zähle mich zur Fraktion Hobbygärtner. Ich habe zwar viele Ziele, aber keins für den Gemüsegarten.

Du hast ein Ziel – super, dann nimm es als Grundlage für das Finden der Motivation.
Hast du keins, dann folge dem Ratschlag des Bauchs. Du findest deine Motivation, indem du die frischen Erinnerungen an das letzte Gartenjahr ins Gedächtnis holst.

Die Motivation feststellen

Die Motivation beim Gemüsegärtnern ist für mich in den letzten Jahren sehr wichtig geworden. Sie hat einen entscheidenden Einfluss darauf, was man tut (oder bleiben lässt) und mit wie man es angeht.

Ein kurzer Seitenblick auf zwei Arten von Motivation hilft dir später beim der Auswahl deiner wichtigsten.

Die intrinsische Motivation:

Intrinsisch heißt „von innen heraus, aus eigenem Antrieb“. Die Motivation liegt in dir selbst drinnen, sie ist nicht durch äußerliche Faktoren beeinflusst.

Beim Gemüsegärtnern könnte das beispielsweise sein:

  • Es macht mir Spaß
  • Ich freue mich, wenn ich die Pflanzen im Wachstum erleben kann
  • Im Gemüsegarten kann ich selbstbestimmt entscheiden

Worte, die auf „intrinsisch“ hinweisen sind unter anderem: Freude, Spaß, Freiraum, Interesse, Bedeutsamkeit, Entscheidungen treffen können, …

Der Vorteil intrinsischer Motivation:
Bei intrinsischer Motivation sind Genuss, Freude, Spaß ausgeprägt, man verfolgt sein Vorhaben hartnäckiger und geht mit Misserfolg entspannter um.

Die extrinsische Motivation:

Extrinsisch bedeutet „von außen her, aus fremden Antrieb“.  Diese „gesteuerte“ Motivation kann als Basis eine erwartete Belohnung oder die Vermeidung einer Bestrafung haben.

Ein Blick auf den Gemüsegarten, was könnte da darunterfallen? Ein paar Beispiele:

  • Die Familie kulinarisch beeindrucken mit außergewöhnlichen Gemüsesorten
  • Den Nachbarn übertreffen mit der Ernte
  • Geld sparen
  • In Social Media „Likes“ einheimsen mit Fotos aus dem Gemüsegarten

Der Belohnungsanreiz könnte Anerkennung sein, Lob, Bewunderung, finanzielle Vorteile. Ist die Vermeidung einer Bestrafung im Vordergrund, dann will man beispielsweise nicht als gärtnerisches „Nackerpatzerl“ (Dummkopf, Unwissender, …) abgestempelt oder für den letzten Platz im alljährlichen Straßengemüsewettbewerb belächelt werden.

Der Vorteil extrinsischer Motivation:
Sie ist ein gutes Helferlein beim Dranbleiben, wenn mal die Lust flöten geht.

Was kannst du aus der Unterscheidung für dich mitnehmen?

Such dir mindestens einen intrinsischen und einen extrinsischen Grund, die ein starkes positives Wohlgefühl bei dir auslösen.

Weil im Garten nicht alles planbar ist, kommt es unweigerlich zu Misserfolgen kleinerer oder größerer Art. Da greifst du auf die intrinsische Motivation zurück.

Hast du mal keine Lust, dann schnappst du dir den extrinsischen Motivationsgrund und lässt dich von ihm ziehen.

Jetzt ran ans Papier!

Es lohnt sich, für’s Finden der Motivation ausreichend Zeit einzuplanen. Du musst nicht innerhalb einer bestimmten Zeit ein Ergebnis haben. Lass die Frage ruhig sacken, manche Antworten kommen erst später.

Schritt 1 – die Fakten, deine Lebensumstände hast du schon notiert, ebenso den optionalen Schritt 2 mit dem Ziel.

Nimm beides zur Hand und lege es vor dich hin.

Lies deine bisherigen Notizen nochmal durch.

Schreib erst alles auf, was dir in den Sinn kommt. Eine Reihung und Bewertung kommt später. Je länger deine Liste ist, desto größer deine Auswahlmöglichkeit.

Es können ruhig auch Doppelungen mit anderer Wortwahl dabei sein. Vielleicht macht dir das Gärtnern „Spaß“, oder du hast „Freude“ oder „Lust“ am Gärtnern. Vielleicht ist ein hinzugefügtes Eigenschaftswort wie „spielerisch“, „erfinderisch“, „regional“ der Grund, warum dir ein Satz mehr wohlige Gefühle bereitet als ein anderer. Spiele mit den Worten.

Sobald deine Liste lang genug ist, schaue was du davon unter „intrinsisch“ einordnen kannst und was unter „extrinsisch“.  Markiere dir von jeder Kategorie 1-2 Gründe, bei denen du uneingeschränkt Ja sagen kannst und dein Herz vor Freude hüpft.

Schreib sie noch einmal in Schönschrift auf ein dickeres Papier oder einen stabilen Karton (oder drucke auf dickeres Papier und klebe es auf einen Karton). Mit zwei Aufhängelöchern versehen und einem hübschen Band wird das Blatt mit deiner Hauptmotivation zum Retter in der Not. Du brauchst nur noch einen guten Platz zu wählen und es aufzuhängen. Meins hängt in dort, wo die Gartenwerkzeuge ihren Platz haben.

 

Wer seine Motivation kennt, trifft bessere Entscheidungen für das kommende Gemüsegartenjahr. Von A wie Anbaufläche, B wie Bewässerung über G wie Gemüsesorte bis hin zu Z wie Zeitreservierung – es gibt viele Entscheidungen zu treffen.  Es liegt an dir, sie für dich passend zu machen. Deine höchst persönlichen und wichtigsten Gründe geben dir die besten Hinweise.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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