Rasenmähen: Leserbrief eines Mähers an Dr. Gardenlove

Huch, da hat doch glatt meine geänderte Taktik beim Rasenmähen zu dem Resultat geführt! Lies erstaunt die innersten Gedanken eines Rasenmähers.

Leserbrief von Mähiglück an Dr. Gardenlove

Lieber Dr. Gardenlove!

Ich bin verzweifelt und weiß nicht mehr ein noch aus. Der einzige, der mir helfen kann, sind sie, Dr. Gardenlove. Ich fühle mich unverstanden, ungeliebt und nicht respektiert von meinen Eigentümermenschen.

Ich bin ja vieles gewohnt, aber was da in letzter Zeit abgeht, geht auf keine Kuhhaut mehr. Im Grunde bin ich ein Jugendlicher im leistungsstärkstem Alter. Frisch, fröhlich und gut gelaunt schnurre ich dahin. Alles läuft rund bei mir, ich bin gut in Schuss und habe  Energien ohne Ende. Zum alten Eisen gehöre ich noch lange nicht. So vieles zeichnet mich aus. Mein Antrieb sorgt dafür, dass ich alleine ohne Kraftanstrengung der Menschen dahinfahre. Ordentlich breit bin ich auch. Meine Schnittbreite ist  genau richtig dimensioniert für die Rasenfläche des Gartens. Ich verfüge über ein höhenverstellbares Messer. Es sorgt dafür, dass auch hohes Gras in einem Durchgang gemäht werden kann. In Windeseile erledige ich die Arbeit. Alles wird fein säuberlich in meinen Grasfangsack gepustet, der braucht nur mehr ausgeleert zu werden. Dr. Gardenlove, bitte sagen sie mir, was an all dem schlecht sein soll.

Meine Befürchtungen

In letzter Zeit kommt mir vor, ich werde bald ausgetauscht und  meine supertolle Ausstattung wird nicht geschätzt. Ich könnte ja noch verstehen, wenn ein neumodischer Automower zum Zug kommt. So einer erledigt die Arbeit ohne Zutuns des Menschen, mulcht gleichzeitig und fährt selbst zurück in die Ladestation. Oder ein Rasentraktor, auf dem man sitzen kann statt hinterherzulaufen. Die sind halt moderner als ich es bin. Aber ich bin zuverlässig und treu.

Das Grauenhafte ist, ich glaube, der Alt-Hippie-Spindelmäher gewinnt das Rennen gegen mich.  Die ganze Zeit lächelt er schon so schelmisch in sich hinein in der Gartenhütte. Er lacht mich aus. Seine frisch geschärften Messer blitzen um die Wette. Angsterfüllt warte auf den Tag, an dem er meinen angestammten Platz direkt neben der Eingangstüre in der Hütte einnimmt und ich ins hintere Eck verbannt werde. Doch ihn muss man schieben, er hat weder Benzin noch Elektroantrieb, Selbstfahrermodus ist ein Fremdwort für ihn. Von Grasfangsack ganz zu schweigen, der Rechen muss danach die Arbeit übernehmen.

Dr. Gardenlove, wie kann ich es hinkriegen, meine Eigentümermenschen von meinen inneren und äußeren Qualitäten zu überzeugen?

Ein völlig verzweifelter Mähiglück
im Oktober 2016

rasenmaehen-wiese

Antwort von Dr. Gardenlove

Lieber Mähiglück!

Das ist eine ernste Angelegenheit, die du da schilderst (ich darf doch du sagen?). Ich habe lange nachgedacht, mögliche Gründe analysiert um Vorschläge unterbreiten zu können. Ich denke, ich bin dem Problem auf der Spur, ich hatte schon mal ähnliche Fälle in  meiner Praxis. Zuerst – Ruhe bewahren und durchschnaufen! Alles wird gut, vertraue mir.

Meine Vermutung ist, deine Eigentümermenschen verspüren den Wunsch nach mehr Bewegung und haben noch nicht die richtige Ausgleichsportart gefunden. Vielleicht sind sie auch der Meinung, sie könnten ja nicht Sport machen, wenn genug Arbeit im Garten wartet und sehen im schweißtreibenden Rasenmähen ihre sinnvolle Bewegung an der frischen Luft.

Du hast gleich mehrere Punkte, wo du ansetzen kannst.

Taktik 1: Nachahmen

Was ich damit meine ist, du kannst ja den Spindelmäher nachäffen. Schmeiß deinen Grasfangsack ab, damit das Gras mit dem Rechen gesammelt werden muss. Blockiere deinen Selbstfahrantrieb, damit du mit Kraftanstrengung geschoben werden musst. Die Strategie kann ganz schön in die Hose gehen, sag ich dir ehrlich. Überdenke, ob du sie anwenden willst. Besser wäre …

Taktik 2: Vorschläge machen

Schlage deinen Menschen vor, von deinen Besonderheiten keinen Gebrauch zu machen. Biete an, dich zu schieben oder den Grasfangsack nicht zu verwenden, ohne dass du dabei dich selbst verletzt. Animiere sie, überlappend zu mähen. Dann sind mehrere Runden nötig, bis der ganze Rasen fertig gemäht ist. Rege an, dein höhenverstellbares Schneidmesser zu nutzen um das Gras in mehreren Durchgängen zu mähen.

Gut an dieser Taktik ist, die Menschen können wählen, wovon sie Gebrauch machen wollen und abwechselnd mal die eine, dann die andere Möglichkeit nutzen.

Taktik 3: Abwarten

Dein Brief erreicht mich im Oktober. Lange dauert die Rasenmähsaison nicht mehr, dann kehrt Winterruhe ein. Bis die neue Saison beginnt, sind einige Monate vergangen und deine Menschen haben die für sie passende Ausgleichsportart gefunden. Du kannst sicher sein, sie schätzen deine Qualitäten an schnellem und zuverlässigem Rasenmähen dann noch mehr als früher.

Solltest du bei einem Mähdurchgang bis Saisonende nicht zum Zug kommen, dann freue dich über die gewonnene Ruhezeit und lass dem Spindelmäher seinen Auftritt. Mit ihm kommen die Menschen bald aus der Puste bei der Rasenfläche. So klein kann sie ja nicht sein, sonst wärst du nicht angeschafft worden. Spätestens im Frühjahr hast du dann wieder deinen großen Auftritt. Mehr geliebt, denn je.

Von Mensch zu Rasenmäher kann ich dir versichern, du bist wertvoll, so wie du bist. Glaube an dich und deine Qualitäten. Lass deinen Eigentümermenschen freie Wahl, wie und wann sie dich verwenden wollen, sie kennen deine Vorzüge sicher ganz genau. Hab Vertrauen in dich und in deine Eigentümermenschen!

Innigst, dein Dr. Gardenlove
Oktober 2016

 

Glück gehabt, sag ich da nur mehr. Dr. Gardenlove hat den Kern der Sache erfasst. Wenn du Bewegung draußen machen willst, warum nicht hin und wieder auch mal Rasenmähen als Alternative sehen. Hauptsache, es macht Spaß und du findest später mal mehrere Möglichkeiten als nur Gras zu mähen. Kommt Zeit, kommt Rat, nicht nur für den Rasenmäher!

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

2 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Hey, das finde ich total gut…..mal aus der Sicht eines Rasenmähers. Sylvia….so empathisch ? Jaja, wenn wir uns alle in unsere elektrischen Geräte und Werkzeuge so einfühlen würden, täten wir diese nicht einfach so wegschmeißen…….

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