Regionalität, Tradition und Hecke im Hausgarten

Heute sind schongarende Kochtöpfe (bekannt als Slow-Cooker oder Crock-Pots) aus der modernen Küche nicht wegzudenken. Das war nicht immer so. Interessant ist die Entstehungsgeschichte des Crock-Pots. Irving Naxon hat ihn erfunden. Das Prinzip basiert auf einer alten Kochmethode aus der Kindheit seiner litauischen Mutter. An Samstagen gab es ein traditionelles Eintopfgericht der jüdischen Küche. Es wurde am Freitag vor Sabbatbeginn erhitzt und garte im Ofen einer Bäckerei bei geringer Hitze bis Samstagmittag fertig.

Aus dieser Tradition heraus hat Irving Naxon den Slow-Cooker erfunden.

In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit zählen Traditionen immer weniger, dabei können sie eine Bereicherung sein. So manch‘ Blick auf die Heckensträucher in den Hausgärten lässt mich erschaudern. Keine Spur von Tradition, keine Spur von Regionalität.

Was sind traditionelle, regionale Sträucher für eine Hecke?

Es gibt kein überall passendes Patentrezept mit Sortenbezeichnungen. Gut erkennbar sind die für deine Region passenden heimischen Wildsträucher in den Windschutzgürteln zwischen den Feldern oder entlang von Spazierwegen. Vielleicht von alten Bauern angesiedelt oder durch Vögel oder andere Tiere mit Samen verbreitet, gedeihen sie ohne großartiges menschliches Zutun jahrzehntelang ausgezeichnet, wachsen und vermehren sich.

Die Heckensträucher aus dem nächstgelegenen Gartencenter sind nicht zwangsläufig regional.

Klar, jedes Gartencenter kann auch heimische Sträucher anbieten und viele haben sie wirklich in ihrem Sortiment. Oft finden sich Exoten oder Sträucher, die als schick gelten à là: „Der mondäne Gartenbesitzer von Welt pflanzt rundherum blickdichte Thujen“.

Nichts gegen Thujen, blickdicht sind sie wirklich. Wie schaut bei ihnen mit Lebensraum für Tiere aus? Was hat der Mensch von ihnen, außer Arbeit mit dem Schneiden?

Ein Naturgarten hat für mich etwas mit Lebensraum, Lebenslust, Buntheit und Vielfalt zu tun. Vorteile für Mensch und Tier.

Heimische Wildsträucher bieten Mensch und Tier Vorteile.

Wie jeder Heckenstrauch – egal ob regional oder nicht – bieten sie Blick- und Windschutz, spenden Schatten und lassen Gartenräume entstehen. Regionale, heimische Arten erfreuen uns dazu noch mit jahreszeitlich anderem Aussehen. Weg von grünem Einheitsbrei jahrein, jahraus. Essbare Früchte von Wildsträuchern sind wahre Leckerbissen für Mensch und Tier.

Für Tiere bieten sie Nist- und Versteckmöglichkeit und sind Nahrungsquelle. Es gibt gewaltige Unterschiede darin, für wie viele Vögel ein Strauch Lebensraum darstellt. Wen wundert’s, dass heimische Sträucher unschlagbar an der Spitze liegen. Hui, die Holunderbeeren beispielsweise sind Leibspeise für 62 Vogelarten! Mich überrascht es nicht, dass vom Holunder in meinem Garten nicht viel an Beeren für mich übrig bleibt.

Im Garten sitzen, Beeren oder Früchte naschen, Schmetterlinge beobachten, den Vögeln bei ihrem Konzert zuhören, Entspannung und Luxus pur!

Weitere Vorteile

Heimische Wildsträucher passen in das Klima. Sie wissen mit kalten Wintern ebenso umzugehen wie mit heißen Sommern, mit rauen Winden, spärlichem oder übermäßigem Regen. Gut eingewurzelt überstehen sie besser Wetterphänomene als Exoten. Die Heckenschere kann getrost jahrelang im Schuppen bleiben. Je nach Art können sie, müssen aber nicht jährlich in Form geschnitten werden. Denk immer an den Windschutzgürtel zwischen den Feldern. Dort schneidet sie keiner.

Wo bekommt man die pflegeleichten, vielfältigen Sträucher für den Lebensraum Naturgarten?

Schaugärten von Naturgärtnern sind eine gute Möglichkeit, dich mit gleichgesinnten Gärtnern auszutauschen und Bezugsquellen zu finden. Kontaktiere Baumschulen und Gärtnereien in deiner Nähe und frage nach heimischen Sträuchern für deine Region. Du wirst sicher fündig werden.

In Österreich im Bundesland Niederösterreich gibt es den „Verein regionale Gehölzvermehrung“ und eine Initiative namens „Heckentag“.  Du kannst dich registrieren und bekommst alle Infos entweder per Post oder Mail, sobald wieder ein Heckentag in deiner Region geplant ist. Auf der Internetseite vom Heckentag sind die Baumschulen aufgelistet, die den Heckentag beliefern.

Du hast die Qual der Wahl, mache Vielfältiges daraus.

Je bunter eine Hecke ist, desto schöner wird sie mit den Jahren. Unterschiedliche Blattstrukturen und Farben, verschobene Blühzeitpunkte, nach Monaten gestaffelte Farbtupfer von Früchten ab Ende Mai lassen die Herzen von Mensch und Tier höherschlagen.

Der Baumschulgärtner deines Vertrauens gibt dir die richtigen Hinweise zu den Abständen, die noch junge Sträucher in ausgewachsenem Zustand brauchen. Lieber ein wenig mehr Abstand als zu wenig. Die Lücken kannst du zwischenzeitig mit ein- oder mehrjährigen Stauden auffüllen oder deiner künstlerischen Ader freien Lauf lassen und Objekte aus Stein oder Holz platzieren.

Du kannst jederzeit beginnen, deine Hecke zu gestalten.

Mit einer Einschränkung. „Jederzeit“ gilt nicht für wurzelnackte Sträucher, wie man sie beispielsweise beim Heckentag erhält. Die beste Zeit für ihre Pflanzung ist der späte Herbst rechtzeitig zum Einwurzeln vor dem ersten Frost oder das zeitige Frühjahr.

Sträucher in Töpfen oder in Ballen mit Drahtgitter eingeschlagen haben immer Pflanzsaison. Hauptsache, der Boden ist nicht gefroren.

Macht so eine Hecke nicht viel Mist wegen der Blätter?

Die meisten regionalen Heckensträucher werfen ihre Blätter im Herbst ab. Wie in den Wäldern verrotten die Blätter langsam am Boden. Das ist ein toller natürlicher Kompost und gleichzeitig ein Schutz für Boden und Kleinlebewesen im Winter. Verteilt ein Herbststurm die Blätter auf dem Rasen, kommt der Rechen zum Einsatz. Blätter ergeben einen herrlichen Laubkompost. Im kommenden Frühjahr kann dieser Kompost als Bodenbereicherung unter der Hecke verteilt werden.

Beispiele von Heckensträuchern mit Mehrwert für Mensch und Tier.

Die Felsenbirne zählt zu meinen Favoriten. Zum Blühzeitpunkt ist sie ein Hingucker mit ihren unzähligen, weißen Blüten und bietet Bienen früh im Jahr Nahrung. Ihre Beeren schmecken vorzüglich und könnten zu Gelee oder Konfitüre verarbeitet werden. Könnten? Vögel wissen den Leckerbissen auch zu schätzen und sind meist schneller im Abernten als der Mensch. Macht nichts, ein paar Beeren naschen direkt vom Strauch hat auch seinen Reiz. Ich gönne der Vogelschar ihre Mahlzeit und begnüge mich mit Kostproben.

Im Herbst verfärbt sich das Laub in leuchtenden Rottönen und wird zum Augenschmaus.

Felsenbirne Früchte

Die Früchte der Felsenbirne

 

Eine Haselnuss ist eine Bereicherung für eine Hecke. Sie kann mächtig wachsen. Das sollte beim Pflanzen berücksichtigt und großzügig Freiraum rundherum gelassen werden. Sie zählt zu den windbestäubten Pflanzen und ist auf die Biene nicht angewiesen. Zur Windbestäubung ist es günstig, wenn in näherer Umgebung noch mindestens eine weitere Haselnuss steht. Dein Gärtner kann dich beraten.

Voll mit nahrhaften Pollen wird sie zur frühen Labstation für Bienen. Für Eichkätzchen sind die Nüsse ein guter Wintervorrat. Es bleibt noch genug für die Menschen übrig. Nüsse aus eigener Ernte können bei trockener Lagerung erst dann aufgeschlagen werden, wenn sie benötigt werden.

Blätter der Haselnuss

Haselnuss im Spätsommer

 

Hach, die Haselnuss erinnert mich an meine Kindheit! Mein Vater hat mir für bevorstehende Wanderungen einen Wanderstock aus einem Stamm einer Haselnuss geschnitten und Muster reingeschnitzt. Ich habe diese Stöcke alle in Ehren gehalten. Wie habe ich diese Tradition geliebt.

 

Machen wir unsere Hecken bunter für uns und für die Tierwelt durch traditionelle, regionale Heckensträucher!

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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