Rückfall – durch übermäßiges oder ungesundes Essen den Tag vergeigt?

Es ist August, Erntezeit. So viel Obst und Gemüse schmeckt jetzt besonders köstlich in der Reife. Ich bin mitten in einer „bunten Gemüse-Challenge“ mit einer Freundin. Jeden Tag nehmen wir uns eine andere Farbe vor und bestreiten den Tag vorwiegend aus Gemüse oder Obst dieser Farbe.

Dann passiert es mir.

„Es“ ist ein Rückfall in alte Muster, in Fast Food-Essen und Süßigkeiten. Zwei ganze Tage lang!

Gleichzeitig bin ich umgeben von Gemüse: Gelbe Zucchini schreien mich an, sie zu Suppe zu verarbeiten, rote Rüben wollen ein Salat werden, ein oranger Kürbis guckt vorwurfsvoll aus dem Gemüsebeet. – Ein Albtraum. Und ich der Hauptdarsteller!

Bin ich ein Verlierer, weil mir das passiert?

Perfektionismus und „Nullfehlerproduktion“.

Der Terminus „Nullfehlerproduktion“ kommt aus der Produktionswirtschaft und verfolgt mich seit Jahren. Ich habe nämlich mal eine Prüfung vergeigt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es eine fehlerlose Produktion geben kann. Falls es dir auch nicht so geläufig ist: Nullfehlerproduktion ist notwendig, wenn für den Menschen tödliche Gefahren aus dem Produkt entstehen könnten. Eine Glühbirne braucht das nicht, ein Autoreifen schon.

Schon komisch, einer Maschine traue ich das nicht zu aber von mir würde ich es verlangen.

Siehst du deinen Entwicklungsweg zur gesünderen Ernährung ebenfalls als Nullfehlerproduktion? Wenn ja, dann bist du nicht alleine. Doch genau damit stellen wir uns selbst ein Bein. Viel besser ist es, dass wir uns erlauben, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Mein Rat ist sogar: Erlaube dir eine Ungenauigkeit von 20 %! Konkret meine ich: Bei einer Umstellung der Ernährungsweise ist es völlig ausreichend, dir als Ziel vorzunehmen, zu 80 % gesund zu essen. Von 30 Tagen sind das 24 Tage. Oder von zehn Mahlzeiten sind es acht. Das ist ein hervorragendes Ziel sein, das du Schritt für Schritt zu erreichen anstrebst. Wohlgemerkt als Endziel, nicht gleich aus dem Stand heraus.

Ein Jahreskalender ist hilfreich um sichtbar zu machen, was du bereits alles geschafft hast. Streich einfach jeden Tag grün an, wo du etwas für dein Ziel gemacht hast. Du wirst sehen, es ist viel mehr, als du jemals glaubst. So kannst du einen oder zwei Tage Ausrutscher besser wegstecken und mit frischem Mut weitermachen.

Das Konzept der kleinen Schritte:

Stell dir vor, du machst einen Spaziergang durch den Wald – dein Ziel: ein idyllisch gelegener See. Ärgerst du dich auf dem Weg dorthin nonstop, dass du noch nicht angekommen bist? – Natürlich nicht. Du gehst einfach Schritt für Schritt auf dein Ziel zu. In dem Tempo, das gerade gut für dich ist. Vielleicht siehst du auch spontan was am Rand und machst einen Schritt zurück, um es genauer zu betrachten. Oder du setzt dich auf einen Baumstumpf und machst Rast.

In meinen Augen ist so ein Spaziergänger ganz sicher kein Versager! Er geht seinen Weg zielgerichtet und mit Pausen, Schritt für Schritt – und genießt jeden einzelnen davon.

Beim Essen ist es ganz genauso. Ein selbstgekochtes Essen mit saisonalen, regionalen Zutaten mit viel Gemüse ist ein kleiner Schritt. Deine nächste Mahlzeit ist der nächste kleine Schritt. Fast Food-Essen ist ein Schritt zurück oder eine Pause. Vielleicht hat der Körper den Rückfall gebraucht, weil man zu viele Schritte zu schnell gegangen ist. Oder man hatte grad einfach Lust drauf! Ich finde, man muss es nicht rational verstehen, es reicht, es einfach nur akzeptieren und den nächsten Schritt setzen.

Ein Rückfall in alte Muster gehört auch dazu. Das passiert jedem, der neue Gebiete beschreitet. Selbstzweifel bringen dich nicht weiter, akzeptieren und den nächsten Schritt gehen schon. Außerdem ist es doch auch gar keine Tragik! Jetzt heißt es einfach „zurück auf Kurs“.

Meine liebsten 3 Methoden, die mir helfen, mich wieder auf Spur zu bringen:

Methode 1: Schreib’s auf

Schreib’s auf, wenn dich ein Rückfall in alte Muster bedrückt, du nicht weißt, wie du weitermachen sollst, um wieder auf Kurs zu kommen. Händisch oder auf dem PC. Probiere ruhig beide Methoden aus, ich bevorzuge das Schreiben auf einem Blatt Papier oder in ein Notizbuch. Diese drei Arten des Aufschreibens sind sehr hilfreich:

⇒ Schreib auf, was dir einfällt. Jammere das Papier oder das Schreibprogramm ruhig an. Es liest ja niemand außer dir. Alle Selbstzweifel, alle negativen Gefühle. So bekommst du sie aus dem Kopf, sie sind aber nicht verloren. Das kann dir helfen, sie loszulassen. Du kannst sie jederzeit nachlesen, wenn dir danach ist.

⇒ Stell dir eine Frage, die du mit dem Schreiben beantwortest. Lass Fragen, die mit „Warum“ beginnen weg. Am besten sind Fragen, die mit „Was“ oder „Wie“ beginnen. „Was kann mir jetzt dabei helfen, wieder auf Spur zu kommen“, „Wie kann ich den Einstieg wieder finden“. Im Schreiben lässt du die Gedanken aufs Papier fließen, die dir dazu einfallen, zensiere nicht. Nimm dir mindestens 10 Minuten Zeit dafür. Wenn dir nichts mehr einfällt und die Zeit noch nicht abgelaufen ist, dann schreib einfach bis zum Ende „mir fällt nichts mehr ein“. Ich weiß, das hört sich komisch an, doch ich versichere dir, das hilft auch gut.

⇒ Suche dir ein Gemüse, über das du deine Gedanken fließen lassen kannst. Notiere als Titel den Namen des Gemüses und dann schreib drauflos ohne nachzudenken. Vielleicht kommt etwas heraus, was gar nichts mit dem Ausgangspunkt zu tun hat. Wichtig ist nur, dass du ins Schreiben kommst.

Meine Lieblingsmethode nach einem Rückfall in alte Essensmuster ist die Methode des Fragestellens. Es bringt mich augenblicklich in eine andere Gefühlswelt. Du brauchst übrigens nicht täglich zu schreiben, sondern kannst diese Methode einfach mal in einer gefühlten Krise für dich nutzen. Wenn sie dir zusagt, kannst du das Schreiben ausweiten auf andere Gelegenheiten, zum Beispiel um dir einen Plan zu machen.

Methode 2: Durchatmen

Bewusstes Atmen mit kurzem Innehalten nach dem Ein- und Ausatmen, ein paar Minuten lang, hilft dir, Entscheidungen zu treffen. Willst du den Pizzadienst anrufen oder dir eine Gemüsesuppe kochen? Atme ein paar Minuten lang ruhig und bewusst ein und aus, konzentriere alles auf das Atmen.

Das Loslassen der Gedanken geht nämlich besonders gut beim tiefen Atmen. Du kannst auch „Ein“ kurz vor dem Ein- und „Aus“ mit dem Ausatmen laut dazu sagen, dann fällt das Loslassen der Gedanken noch leichter. Wenn du das öfter gemacht hast, brauchst du das Sprechen dazu nicht mehr. Ganz wichtig: Es geht wirklich nur ums Innehalten, nicht darum, dass du dich überzeugt, etwas zu tun oder zu lassen. Triff nach dieser kurzen, bewussten Pause eine Entscheidung und akzeptiere sie!

Methode 3: Bewegung

Genauso wie das Durchatmen können auch kleine Bewegungen dabei helfen, aus einer Gedankenspirale auszusteigen. Ich meine damit nicht Bewegung im Sinne von sportlicher Verausgabung. Nein, ich meine Bewegungen, die du jederzeit ohne Hilfsmittel machen kannst, so angezogen wie du bist. „Lüften der Gedanken“ trifft es vielleicht eher.

Praktisches Beispiel:

Nach einem Tag mit Rückfall in alte Muster steht die Entscheidung an, was soll ich heute essen? Frühstücke ich ordentlich und ausgiebig, obwohl ich gestern am Abend über die Stränge geschlagen habe?
Haustür auf, einmal um den Block spazieren und die Schritte dabei zählen. Warum die Schritte zählen willst du wissen? Damit du deine Gedanken stoppst. Das musst du nicht tun, aber es hilft. Wichtig ist, dass du in Bewegung bist ohne zu Grübeln. Du könntest auch zu einer Musik tanzen, die dir gefällt und dazu laut singen. Lass deinem Einfallsreichtum freie Bahn.

Schluss mit der Grübelei!

Das waren meine Highlights, die Grübelei im Kopf abzustellen und dich auf frische, „gelüftete“ Gedanken zu bringen. Alle schaffen Bewusstsein und bringen dich wieder auf Kurs.

Rückfälle passieren, sie sind nicht schlimm. Mehr noch: sie zeigen auf, dass du auf einem neuen, geänderten Weg bist. Ohne Wunsch nach dem neuem Weg würden dir die alten Muster gar nicht bewusst sein. Anerkenne die alten Muster als Hinweisgeber und bedanke dich bei ihnen, dass sie dir auf deinem neuen Weg helfen.

 

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Pia Maria Schüffelgen

    Sylvia du hast einen super Beitrag geschrieben……Danke für die Tipps zum Durchlüften. Besonders gut gefällt mir die Idee alles zu einem Gemüse aufzuschreiben, was mir einfällt.Ich werde das heute noch probieren. Wahrscheinlich wird es die jahrelang von mir völlig unterschätzte Zuccini :)

    langweilig
    Geschmacklos
    fade
    eklige Konsistenz……das war einmal

    Heute : wandlungsfähig
    aufregend
    ausbaufähig
    wunderschön grün oder gelb

    Ich freue mich heute abend auf eine Frittata mit Zuccini und frischen roten Zwiebeln….lecker

    Grüsse aus Küche, Atelier und Garten im Rheinland zu dir nach Österreich Herzlichst Pia

    • von Sylvia Wonisch

      Liebe Pia!
      Ja, die Zucchini….ich finde, die gelbe schmeckt nicht so fad wie die grüne. Es gibt auch bei den Zucchinis noch viele andere Sorten – und vor allem Zubereitungsmethoden. Da hilft schon mal das eine oder andere Kräutlein dazu.
      Viel Spaß beim Ausprobieren!
      Herzliche Grüße ins Rheinland!
      Sylvia

  2. Liebe Silvia,
    das hast du ganz wunderbar zusammen gefasst. Und ich finde mich darin wieder. Auch ich liebe das „vor-mich-hin-schreiben“. Ich nenne das Gedanken-Sortier-Anlage. Alle Gedanken ums Essen rein werfen, ordentlich mischen und den Mist aussortieren. Dann gehts wieder. Oder eben Gedankenkarussell anhalten. Gedanken umlenken.

    Schön zu lesen, dass es anderen auch so geht wie mir.

Sei der Erste und schreibe jetzt einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dein Kommentar ... *

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere

Dein echter Name *

Deine aktive E-Mail-Adresse * Deine Website

„Newsletter – ja bitte!“

Du möchtest den kostenlosen Newsletter abonnieren?
Erfahre mehr über Kräuter, Wildkräuter, Gemüse, Hobbygärtnern, Kochen und Essen nach der 5 Elemente Lehre der chinesischen Medizin

Trage hier deine E-Mail-Adresse ein und du erhältst den kostenlosen Newsletter in dein Postfach!