Schwammgurke Luffa – Badeschwamm – Melken von Kühen?

Jetzt mal ehrlich: Schwammgurken und Melken haben so gar nichts gemeinsam, oder doch? Auf einmal tauchte eine gedankliche Verbindung in meinem Kopf auf. Laienhaft, denn ich habe noch nie eine Kuh gemolken.

Was ist das überhaupt – die Schwammgurke Luffa?

Das ist eine besondere Gurkensorte mit doppelter Verwendungsmöglichkeit. Doppelt, weil die Gurke im jungen Stadium einerseits gegessen und andererseits in reifem Stadium aus ihr ein Badeschwamm hergestellt werden kann. Die zweite Möglichkeit war der Auslöser meines Versuchs mit der Schwammgurke im Hausgarten.

Gurken sind Kürbisgewächse, so auch die Schwammgurke. Sie ist sehr wärmebedürftig. Aus diesem Grund ist sie nicht gerade ideal für das Klima hier in Mitteleuropa. Gut wächst sie in  südlicheren und heißeren Gefilden wie in Afrika oder in tropischen Ländern. Dort kann jede Gurkenfrucht ganz schön groß werden.

Hierzulande braucht man ein Einsehen vom Wettergott oder besser noch ein Gewächshaus.

Wunderchöne, zarte Blüten:

Mein erstes Luffa-Jahr

Ohne Gewächshaus, dafür mit Hoffnung auf frühes und ausdauerndes warmes Wetter habe ich  das Projekt „Luffagurke“ gewagt.

Der erste Frust kam bald. Der April war hui, Mai und Juni pfui. Brrrr, waren die Wochen kühl! Die beiden vorgezogenen Jungpflanzen haben lange geduldig (und mickrig) ausgeharrt, bis sie ins Freibeet durften. Die Hoffnung auf ein passables Ernteergebnis schwand von Tag zu Tag mehr. 4-5 Monate soll es dauern, bis die Frucht voll ausgereift ist. Fast hätte ich das Experiment von vornherein als gescheitert aufgegeben.

Aufessen wollte ich die Schwammgurkenjungspunde nicht. Das Interesse am Schwamm war deutlich größer. So hoffte ich weiter auf Glück, den Wettergott und … ein Wunder.

Mitte September habe ich es nicht mehr ausgehalten. Eine neuerliche Internetrecherche ergab: „Sie sind reif, wenn sie sich von grün auf gelblich-braun verfärben.“ Nix war da mit gelber Verfärbung, mit brauner schon gar nicht. Dunkelgrün hingen sie da.

Beide Pflanzen haben bereits armselig ausgeschaut, leidend unter den immer kürzeren Sonnenstunden und kühleren Temperaturen. Kurzerhand hab ich die Früchte abgeschnitten. Hilft ja nichts, sie werden sicher nicht reifer als sie jetzt schon sind.

Wie man zum Schwamm kommt

Da lag sie nun, die „grüne“ Ernte. Und jetzt? Mehr Fragezeichen in den Augen als Antworten im Kopf.  Viel ist im Internet in deutscher Sprache nicht zu finden zur Schwammgurke. Vor allem keine ausführlichen Anleitungen. Selbst Videos, die ich gefunden habe, haben meine Fragen nicht beantwortet. Als einzige Möglichkeit blieb mir ein eigener Versuch mit der Gefahr, meine ganze Ernte zu zerstören.

Schritt 1: Abschälen

Abschälen stand da. Na gut, dann schäle ich sie ab. Bei der ersten Gurke kappe ich das dünne Ende beim Stiel. Mit dem Messer die Gurke abzuschälen – ohne das darunter liegende Stützgerüst zu beschädigen – gestaltet sich schwierig. (Das Stützgerüst ist das, was als Schwamm verwendet wird.)

Gurke 1 weigert sich zu Recht, ein Badeschwamm zu werden. Sie ist so grün hinter den Ohren, alles andere als reif.

Auf zum nächsten Versuch mit Gurke 2. Sie fühlt sich leichter an, könnte reifer sein. Diesmal fange ich beim dicken Ende an und schneide es ab. Das ist eindeutig die bessere Wahl. Ohne Messer, nur mit den Fingern lässt sich vorsichtig die Gurkenschale Stück für Stück bis hin zum schmaleren Ende entfernen. Beim letzten dünnen Zipfel nahe am Stiel rutscht der Inhalt leicht aus der Schale heraus. Das Stützgerüst lächelt mich an. Ein erster Teilerfolg.

Schritt 2: Kerne und Fruchtfleisch entfernen

In diesem Schritt geht es darum, das Innenleben vom Stützgerüst zu entfernen. Innen drinnen befinden sich die Kerne und „Gurkenfleisch“.

Beim ersten Versuch schneide ich so gut es geht die Gurke auf und versuche, die Kerne heraus zu pulen. Schnell verfärbt sich das anhaftende Gurkenfleisch innerhalb des Stützgerüsts bräunlich. Mir kommen Gedanken ans Verfaulen, meine Nerven liegen blank und Geduld habe ich auch bald keine mehr.

So wird es nicht gemeint sein. Es muss anders ohne Aufschneiden gehen. Im Internet stand, man solle das Gurkenfleisch und die Kerne unter fließendem Wasser abwaschen.

Hier kommen die Kühe ins Spiel: Gurkengerüst mit dem noch vorhandenen Innenleben in der Hand, Wasser marsch und Pumpbewegung. So stelle ich mir als Laie das Melken von Kühen vor. Meine Gurkenversuchsexemplare haben passenderweise ungefähr die Größe einer Zitze. Statt Milch purzelt ein Kern nach dem anderen heraus und ein erstes Schwammgefühl stellt sich ein.

Geduld und viel Wasser braucht man dazu. Um der Wasserverschwendung Einhalt zu gebieten, stelle ich einen Eimer darunter und hänge oben ein Sieb in den Eimer. Im Sieb bleiben die Kerne und größere Gurkenfleischstücke hängen, das Wasser im Eimer kann ich später zum Gießen verwenden.

Schritt 3: Trocknen

Theoretisch sollte man das Gerüst nun an der frischen Luft bei warmen Temperaturen trocknen. Ende September ist bei uns die Luft aber viel zu feucht am Morgen und am Abend. Das mühsam erarbeitete Schwammgerüst soll nicht im Endspurt wegschimmeln.

Ich entscheide mich für den Backofen bei der niedrigsten Temperatur und leicht geöffneter Backofentür. Die zukünftigen Badeschwämme kommen auf ein mit Backpapier belegtes Backblech bei Heißluft und einer Temperatur so um die 30 Grad in den Backofen. Ein Kochlöffel aus Holz hält die Backofentür ein Stück weit offen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Man merkt beim Angreifen recht gut, ob der Schwamm schon trocken ist oder nicht.

Schritt 4: sich freuen und stolz sein

Zugegen, meine Exemplare sind sehr klein. Einen Badeschwamm in Form eines Handschuhs kann ich daraus nicht machen. Trotzdem bin ich überaus zufrieden, unter widrigen Bedingungen ein Resultat erzielt zu haben. All die Arbeit und Sorgen mit der Schwammgurke haben sich ausgezahlt. Obwohl meine Exemplare nicht ausgereift waren, habe ich zumindest ein paar kleine Schwämme gewonnen. Zwar zartgrün statt braun, aber sie fühlen sich als Schwämme an. Selbst gemacht, voll biologisch, fertig für den Einsatz als Badeschwamm.

Juhu, ich habe es geschafft und viel einiges dabei gelernt:

  1. Steht geschrieben, ein Gewächshaus ist notwendig um ausgereifte Früchte zu ernten, dann stimmt das.
  2. In Mitteleuropa im Freien gezogene Schwammgurken können im Jungstadium kulinarisch genutzt werden.
  3. Es geht nichts über eigene Erfahrungen.
  4. Jetzt würde ich gerne wissen, ob sich Kühe melken so anfühlt wie das Auswaschen einer Schwammgurke.

Mein neues Luffa-Jahr

Auch ohne Gewächshaus – wer weiß was sich ergibt – werde ich sie wieder anbauen. Vom Samenpäckchen sind noch ein paar Samen übrig. Klarerweise will ich auch wissen, ob die von mir geernteten Samen keimfähig sind. Säen und vorziehen werde ich sie viel früher, so dass die Jungpflanze Mitte Mai nach den Eisheiligen schon groß sind.

Auf jeden Fall koste ich im kommenden Jahr den Geschmack der Schwammgurken. In meinem Lieblingsgemüsebuch „Handbuch Bio-Gemüse“ von Andrea Heistinger und der Arche Noah steht: „Sie kann roh gegessen werden, als Suppe oder als Wokgemüse zubereitet werden“.  Die jungen Blätter sollen auch essbar sein.

Los – Experimentieren!

Hobbygärtner mit Gewächshaus hört den Ruf: Euer Gewächshaus schreit danach, die Schwammgurke beherbergen zu dürfen. Sie kann euren Speiseplan um eine Gurkensorte bereichern und ausgereift zu ein Badeschwamm werden.

An alle Hobbygärtner ohne Gewächshaus: vielleicht ist euch der Wettergott gewogen oder ihr esst die jungen Früchte auf.

Diese Gurkensorte kann meines Wissens nach in keinem Supermarkt gekauft werden. Sie anzubauen ist ein Riesenschritt in Richtung Vielfalt.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

6 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Pia Maria Schüffelgen

    Sehr unterhaltsam und mitreißend beschrieben,das luffa-experiment

    Respekt für die Ausdauer, die du bewiesen hast

    Leider bin ich nicht im Besitz eines Gewächshauses und mein Nutzgarten besteht nur aus Töpfen,sonst wäre ich gerne Tester.
    Liebe Grüße Pia

    • von Sylvia Wonisch

      Danke Pia!
      Ach, du bringst mich (schon wieder ;-) ) auf eine Idee! Warum nicht in Töpfen probieren an der geschützten Hauswand. Die grünen Salatgurken wachsen da auch gerne. Sie etwas zum Ranken und es werden sicher nicht viele Gurken werden. Ich pack mal ein Pflänzchen nächstes Jahr in den Topf und stell ihn an die geschützte Hausmauer mit einem Ranknetz zum Balkon hoch in den ersten Stock.
      Herzliche Grüße, Sylvia

  2. Super Artikel vielen Dank! Bei mir sieht es gerade ähnlich aus mit lauter grünen Luffagurken. Und außer deinem Beitrag konnte ich keine guten Finden mit einer Anleitung wenn sie noch nicht so reif sind. Ich versuche mich die Tage daran. Haben deine eigenen Samen auch so gut funktioniert wie die gekauften? Liebe Grüße

    • von Sylvia Wonisch

      Hallo Lena! Danke sehr! Meine eigenen Samen habe ich im Jahr darauf nicht verwendet, ich hatte noch welche übrig von den gekauften und auch ein neues Samentütchen geschenkt bekommen. Liebe Grüße, Sylvia

  3. Den frisch gewaschenen Schwamm kann man einfach im Haus auf eine Zeitung legen und trocknen lassen, das ist besser als im Backofen.

Sei der Erste und schreibe jetzt einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dein Kommentar ... *

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere

Dein echter Name *

Deine aktive E-Mail-Adresse * Deine Website

„Newsletter – ja bitte!“

Du möchtest den kostenlosen Newsletter abonnieren?
Erfahre mehr über Kräuter, Wildkräuter, Gemüse, Hobbygärtnern, Kochen und Essen nach der 5 Elemente Lehre der chinesischen Medizin

Trage hier deine E-Mail-Adresse ein und du erhältst den kostenlosen Newsletter in dein Postfach!