Tomaten – Mitmachaktion „Vielfalt auftafeln“: Impressionen einer Gärtnerin

Im Jahr 2016 war ich eine von 770 Vielfalt-Gärtnerinnen der Arche Noah, die 500 Sorten an Tomaten angebaut haben. Die Arche Noah ist ein österreichischer Verein, der sich die Erhaltung von altem und vielfältigem Saatgut zum Ziel gesetzt hat. Das Jahr 2016 wurde als Paradeiser-Vielfalt-Jahr ausgerufen und ich war stolz dabei. Anfang September war es soweit. Der Höhepunkt der Aktion  – das Fest der Tomaten – fand in einem würdigen Rahmen in Wien in der Orangerie von Schönbrunn statt.

Aber der Reihe nach..

Wie ich dazu kam

Seit einigen Jahren bin ich Mitglied bei der Arche Noah und erhalte alle Aussendungen und den Newsletter habe ich abonniert. Im vergangenen Winter wurde die Mitmachaktion „Vielfalt auftafeln“ angekündigt und private Gärtner aufgerufen sich zu melden, wenn sie dabei sein wollen. Ja klar wollte ich das! Gleich Mail geschickt, dass ich auf den Interessentenverteiler der Aktion möchte.

Die verbindliche Anmeldung – Juhu ich bin Vielfalt-Gärtnerin

Rechtzeitig vor Anmeldeschluss Ende Februar habe ich meine Anmeldung bestätigt und war mordsstolz und glücklich. Schweren Herzens habe ich damals die Entscheidung getroffen, mich nur für eine Sorte zu melden. Was, wenn es schief geht, wie steh ich dann da, das dachte ich blöderweise. Ob sie wohl meinen Wunsch nach einer gelben Sorte berücksichtigen können oder war ich zu verwegen?

Das Saatgut

Ende März kam der Brief mit den Samen. Was wird mich erwarten, wenn ich das Kuvert öffne? Bekomme ich eine gelbe Fleischtomate? Obwohl, von Fleischtomate habe ich nichts geschrieben. Das Kuvert lag dann 2 ganze Tage vor meiner Nase. Ich wollte meine Vorfreude so richtig auskosten, bevor ich das Geheimnis lüfte. Zeit genug war ja noch vor der Aussaat.

Dann war die Spannung zu groß und ich habe das Kuvert geöffnet. „TO-ZY107 Hartmanns gelbe Stachelbeere – Salattomate“ . „Hallo, willkommen, kleine gelbe Salattomate, wir werden sicher Freundschaft schließen. Entschuldige bitte, dass ich mir eine Fleischtomate gewünscht habe“.

Aussaat, Pikieren, Auspflanzen

Der weitere Ablauf war gut organisiert. Auch Anfänger im Tomatengärtnern wurden von der Organisatoren der Mitmachaktion liebevoll an der Hand genommen. Immer wenn etwas zu tun war, bekam man ein Mail mit Informationsblätter und genauen Anleitungen. Wie und wann man am besten aussät, wie und wann man pikieren soll und wann der Zeitpunkt zum Auspflanzen gekommen ist. Alle Samen des Päckchens sollte man aussäen. In meinem Fall waren das knapp über 20 Samen. Ein paar davon sollte man selber auspflanzen – die stärksten Pflanzen – bei Platznot könne man auch gerne die vorgezogenen Pflanzen an Bekannte weiterreichen.

Die Tafel und das Abschlussfest

Dann war er da, der langersehnte Tag der Präsentation an einer langen Tafel. Eine Stunde vor offizieller Eröffnung sollte die Tafel aufgebaut sein. Mein Partner und ich sind zeitig weggefahren und waren ziemlich früh bei der Anmeldung. Links für die Namen mit Buchstaben A – M, rechts für N – Z. Bei A – M war nicht los, dafür hat sich bei  M – Z  eine Schlange gebildet. Scherzhaft haben wir gemeint, die A – M’s konnten es wohl nicht erwarten und sind schon alle an der Tafel oder sie sind Langschläfer. Trotz Wartezeit in der Schlange waren alle gut gelaunt. Jeder hatte seinen Schatz in einem Körbchen oder anderen Gefäß mit dabei. Den Stolz auf die geleistete Arbeit und die Freude daran konnte man in den Gesichtern erkennen.

Mit ausgedrucktem Hinweisblatt zum Gärtner und zur Sorte ging es dann weiter in die Orangerie an die lange Tafel, eingeteilt nach Bundesländern. meine Tomate Hartmanns gelbe Stachelbeere

Der Tisch für Wien war sehr belebt, aber nichts im Vergleich zum Ausstellungsbereich für Tomaten, die in Niederösterreich gewachsen sind. Da – Plätzchen gefunden für mein Informationsblatt, Paradeiser dazu und rundherum geschaut. Liegt doch tatsächlich direkt neben meinem Zettel der von einer ehemaligen Kurskollegin aus dem Kräuterpädagogenkurs! Welch ein Zufall! Der ganze Tisch war schon fast ganz belegt und ich suche mir einen Platz neben einer Bekannten. Da und dort wurde geplaudert und sich ausgetauscht, nachgefragt und Kontakte geknüpft. Reges Treiben rund um die Tische. Meine Bekannte habe ich später auch gesehen und mich mit ihr gut unterhalten.

Die Tomaten aber waren der Hingucker schlechthin. Es war ein Feuerwerk der Farben und Formen. Von winzig bis riesengroß. Gelb, orange, rot, grün, dunkelblau-violett, bunt gestreift, alles war dabei. Manche waren aufgeschnitten, damit man sie auch innen sieht.

gelb braun-lila gefärbte Tomaten   blau-rote Salattomate   orange Tomate

Rahmenprogramm und Angebote

Auch rundherum gab es viel zu entdecken. Angebote vom Kriecherlverein aus dem Waldviertel waren für mich eins der Highlights des Rahmenprogramms. Ich habe mich durchgekostet und eingedeckt mit Kriecherlsenf  -chutney und -fruchtaufstrich. Den Ausstellern und dem Vereinsobmann habe ich Löcher in den Bauch gefragt zu den Kriecherln.

Ein paar Tische weiter war die Arche Noah vertreten mit Gartenbüchern, Informationsmaterial, Samentütchen und Schauobjekten von besonderen Sorten. Wer meinen Gurkenbeitrag gelesen hat – da lag sie auch – die Schwammgurke! Die nette Dame vom Verein hat uns erklärt und gezeigt, wie der Schwamm entsteht. Als ob sie gewusst hätten, dass mich noch der Flaschenkürbis sehr interessiert, waren da auch ein paar Exemplare zum Anschauen und „Begreifen“. Die Schwammgurke und der Flaschenkürbis kommen beide auf meine Samenbestellliste für das kommende Gartenjahr.

Schwammgurke Flaschenkürbis

Ich kann gar nicht aufzählen, was sonst noch alles zu sehen war. Schau doch gerne nach auf der Seite der Arche Noah, da sind die Aussteller angeführt.

Unsere Zeit war leider begrenzt. Daher konnten wir nicht zu dem Seminaren gehen. Auch hier war das Angebot vielseitig und interessant. Wenn es so eine Aktion wieder gibt, dann bleibe ich sicher den ganzen Tag.

Noch kurz im herrlichen Außenbereich herumgewandert, da und dort bei den Ständen geschnuppert, den tollen Blick genossen, eingekauft, gekostet und dann wieder nach Hause. Mit einem wehmütigen Auge, nicht alle Tomatensorten durchgelesen zu haben. Es waren so viele!Orangerie Schönbrunn Aussenansicht von innen 02

 

Die Impressionen nehme ich mit nach Hause und wenn es wieder so eine Aktion gibt, ich bin dabei! Es war eine besondere Ehre und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Für Gärtner zahlt es sich aus, weg von den Einheitssorten neue alte Sorten zu probieren und sich mit anderen Gärtnern zu vernetzen. In Österreich bietet die Arche Noah mit ihrem Programm das ganze Jahr hindurch solche einmaligen Gelegenheiten.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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