Über die Pimpernuss und drei besondere, übertragbare Strategien

Bei meiner ersten Begegnung mit der Pimpernuss haben mich ihre außergewöhnlichen Früchte magisch angezogen. Ohne den Namen des Strauchs zu kennen war ich ganz verzaubert von den Samenkapseln. Später habe ich herausgefunden, dass es sich um die „Gemeine Pimpernuss“, botanisch „Staphylea pinnata L.“, handelt.

So hat kurzerhand bei der Heckenplanung im Garten auch eine Pimpernuss Einzug gefunden. Lange hat es gedauert, bis aus dem wurzelnackt gekauften Winzling ein halbwegs passabler „Teenie-Strauch“ wurde. Im Vorjahr hat er zum ersten Mal Früchte getragen und mich gleich wieder in seinen Bann gezogen.

Wo die Pimpernuss gedeiht

Passt der Standort, ist sie als Strauch relativ unkompliziert und robust. Allerdings hat sie besondere Ansprüche an das Klima. Die Pimpernuss ist wärmeliebend, braucht ausreichend Feuchtigkeit und nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden.
Mancherorts steht sie auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Ich schätze mich glücklich, dass sich ein Exemplar anfängt im Garten wohlzufühlen.
In Österreich findet man die Pimpernuss im Donauraum, im pannonischen Raum, im Weinviertel, der Thermenregion und im Wienerwald. Wer sie in Deutschland oder anderorts sucht, macht sich am besten im Internet schlau und sucht die Verbreitungskarten im jeweiligen Gebiet.

Die Pimpernuss freut sich über die Hilfe der Naturgärtner und macht in einer lichten Hecke an einem halbschattigen Platz gute Figur.

Willst du die Pimpernuss in deinem Garten eine Heimat geben, dann rate ich dir dazu, sie in der Baumschule deines Vertrauens oder beim Heckentag (für Österreicher aus dem Bundesland Niederösterreich) zu kaufen.

Die Besonderheiten der Pimpernuss

Nicht nur dass die Pimpernuss ein hübsch anzuschauender Strauch ist, hat sie auch drei herausragende Strategien entwickelt.

In der Blütezeit überlässt die Pimpernuss nichts Zufall und setzt auf Vielfalt

Die Pimpernuss blüht normalerweise Ende April/Anfang Mai. Je nach Witterung auch schon mal 2 Wochen früher so wie aktuell hier in meinem Garten.  Obwohl zu dieser Zeit einige weißblühende Sträucher Aufmerksamkeit erregen, kann die Pimpernuss wegen ihrer auffälligen Blüten leicht identifiziert werden. Traubenförmig hängen sie runter, manchmal sind Teile der weißen Blüte rötlich angehaucht.

Heckenstrauch Pimpernuss Blüten

traubenförmige Blüten Pimpernuss

Neben der Traubenform ist besonders an diesen leicht duftenden Blüten, dass sie von einer Vielzahl an Insekten bestäubt werden können.  Man könnte sagen, sie überlassen die Bestäubung nicht dem „Bienenzufall“, sondern stellen sie auf viele „Insektenbeine“.

In der Reifezeit der Samen wägt die Pimpernuss ab und scheidet aus.

Die Samenreife hängt nicht alleine von der Anzahl der bestäubten Blüten ab. Hier greift die Strategie Nummer zwei der Pimpernuss. Sie lässt nur so viele Samenanlagen ausreifen, wie es die gegebenen Umstände wie Witterung und Standort zulassen. Selbst wenn alle Blüten bestäubt wurden, sind in den Samenkapseln unterschiedlich viele Samenkörner zu finden.
Es scheint, als ob die Pimpernuss ausgezeichnet einschätzen kann, wie hoch die Chance zur Vollreife jedes einzelnen Samens ist und nur diejenigen weiter versorgt, die unter gegebenen Umständen eine hohe Reifechance haben.

Mein Teenie-Strauch hat mir im Vorjahr maximal zwei Samen pro Kapsel beschert und bewiesen, dass er gut haushalten kann.

geöffnete Samenkapsel Pimpernuss

Pimpernuss Kapsel aufgeklatscht mit 1 Samen

In der Vollreife schickt sie die Samen gut verpackt und geschützt an den Bestimmungsort.

Die Kapseln mit den reifenden Samen der „Gemeinen Pimpernuss“ sind etwas Besonderes. Innen haben sie getrennte Kammern für die Samen und sie sind voll aufgebläht, die kleinen „Ballons“ stehen unter Druck. Man kann sie lautstark aufklatschen. Schüttelt man die Kapseln und es klappert ordentlich, dann ist die Samenreife abgeschlossen und man kann sie sammeln. Daher kommt auch der Name „Pimpernuss“. „Pimpern“ ist die Beschreibung des klappernden Geräusches.

Wer vorher beim Ausdruck „pimpern“ ein anderes Bild im Kopf hatte, kann beruhigt aufatmen. Die Pimpernuss hat gar nichts mit dem in einigen Gegenden umgangssprachlich verwendeten obszönen Ausdruck für geschlechtliche Vereinigung zu tun.

Sodala, das wäre damit auch geklärt und wir können beruhigt zu den aufgeblähten Kapseln mit den Samen zurückkehren.

Samen der Pimpernuss in Kapseln

Kapselhülle der Pimpernuss

Die besondere Strategie Nummer drei ist, dass bei Reife die Samen mitsamt dem Kapseln abfallen und vorerst in der Kapsel verbleiben. Weil in der Natur alles einen Sinn hat, lässt sich über den Grund spekulieren. Einerseits hat der Wind bei der Verbreitung der Samen leichteres Spiel durch die luftige Kapsel. Andererseits können die Samen – geschützt durch die aufgeblähte Hülle – im Wasser besser an einen neuen Bestimmungsort geschwemmt werden ohne gleich unterzugehen. Was auch immer der Grund ist, die Pimpernuss schützt ihre Samen hervorragend und lässt unterschiedliche Verbreitungsarten zu.

Von der Pimpernuss abschauen und aufs Leben übertragen

Bei privaten Projekten und im Berufsleben können die drei Pimpernuss-Strategien in genau dieser Abfolge hilfreich sein.

Da wäre mal die Vielfalt.

Wer etwas Neues beginnt, der tut gut daran, zu Beginn vielfältige Ideen zuzulassen ohne sie zu bewerten oder gleich vom Tisch zu fegen. Das braucht manchmal mehr Zeit als ursprünglich gedacht, nimm sie dir ruhig. Beschränke dich in der Anfangsphase nicht unnötig. Vielleicht magst du auch andere Leute einbeziehen und sie ins Ideenteam holen für dein neues Projekt.
Hast du die kreativen Funken alle vor dir liegen, dann sortiere sie in Bereiche und überprüfe sie auf Machbarkeit. Vergiss dabei nicht, dein Herz zu befragen. Worauf du richtig Bock hast, was dir richtig Spaß macht, das kommt in die engere Auswahl.

Nach der Vielfalt folgt die Konzentration.

Die weise Pimpernuss schätzt die Beschränkungen gut ein und fokussiert sich auf die Samen mit der höchsten Chance zur Vollreife. Genau das machst du nun mit den Ideen, die du in die engere Auswahl genommen hast.
Frag dich: Wie viele und welche kann ich realistisch gesehen unter gegebenen Umständen gleichzeitig reifen lassen ohne mich zu verausgaben oder den Spaß zu verlieren.
Wenn es nur ein Punkt ist, ist das toll und völlig in Ordnung. Besser du bringst eine Sache zur Vollendung, als du startest viele und bringst nichts zum Abschluss. Wichtig dabei sind deine höchstpersönlichen Umstände und Ressourcen, nicht die des Nachbarn, der besten Freundin, des Kollegen – einzig und alleine deine!

Mit der Entscheidung für einen oder wenige Punkte, schließt du damit ja nicht die anderen kategorisch aus. Für sie ist nur derzeit nicht der richtige Zeitpunkt.

Es folgt die Verpackung und die Geduld.

Du hast Ideen zugelassen, hast dich konzentriert auf das Machbare und es durchgezogen. Dein Projekt ist reif.

Gratulation!

Verliere bitte nicht den Mut und die Geduld, wenn dein Ergebnis nicht gleich Wurzeln schlägt.
Bei manchen Projekten ist die Reife gleichzeitig das Ergebnis wie bei einer geplanten und absolvierten Reise.
Bei manchen durchgeführten Vorhaben liegt zwischen Reife und sichtbarem Ergebnis eine gewisse Zeitspanne. Bleib geduldig und sorge während dieser Zeit für adäquaten Schutz und für verschiedene Verbreitungsmöglichkeiten so wie es die Pimpernuss mit ihren luftig verpackten Samen macht.

Auf Spurensuche nach der Pimpernuss

Nütze passables Wanderwetter zwischen Mitte/Ende April bis Anfang/Mitte Mai, halte Ausschau nach den traubenförmigen Pimpernussblüten und rieche an ihnen. Notiere dir die Stelle und besuche die Pimpernuss im Laufe des Jahres bis zum Herbst zu verschiedenen Gelegenheiten. So erlangst du einen guten Eindruck über ihr Wachsen und Gedeihen. Im Herbst mach den Klappertest und klatsche die eine oder andere Kapsel auf um die Samen zu begutachten.

Samen Pimpernuss

Samen der Pimpernuss

Hast du Gefallen an der hübschen Pimpernuss gefunden und kannst ihr einen Platz im Garten anbieten, dann erkundige dich rechtzeitig vor der Strauchpflanzperiode im späten Herbst bei den Baumschulen oder in Niederösterreich beim Heckentag.

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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