Über Kraftaufwand und Unkrautjäten im Gemüsebeet

Naja, das Wort „Unkraut“ mag ich nicht besonders, Unkrautjäten noch viel weniger. Nicht nur das Wort, die Arbeit mit den Unkräutern im Gemüsegarten kann lästig, mühsam und kräfteraubend sein. Wie soll man Ameisen und anderem Getier beibringen, dass das Gemüsebeet Sperrzone für Wildsamenablagerungen ist? Ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst wenn das ginge, wäre da noch der Wind und all die Samen, die im Boden schlummern. Chemie kommt für einen Biogärtner nicht in Frage.

Schauen wir uns an, welche Möglichkeiten der Biogärtner hat und wie viel menschlicher Kraftaufwand dafür benötigt wird.

Der Natur ihren Lauf lassen

Nichts tun und alles geschehen lassen ist eindeutig die kraftsparendste Variante. Ein wenig mehr Energie verbraucht, wer die essbaren Wildkräuter aus dem Gemüsebeet für die Küche erntet. Brennnessel aus dem Gurkenbeet, frische Löwenzahnblätter mitten aus den Fisolen gezupft, ja warum denn nicht. Doch Achtung, es droht Gefahr!

Haben die Wildkräuter einmal Lunte gerochen, breiten sie sich aus und nehmen den Gemüsepflanzen Nährstoffe und Licht weg. Munter verzweigen sie ihr Wurzelwerk unter der Erde oder streuen oberirdisch ihren Samen großzügig aus. Über kurz oder lang wird man ihnen nicht mehr leicht Herr. Wachsen sie dazu noch schneller als die Jungpflanzen, hat das Gemüse wenig Chance. Eine magere Gemüseernte ist die Folge.

Kraftaufwandfaktor: Kurzfristig erstmal keiner bis ganz wenig beim Ernten der Wildkräuter für die Küche.  Langfristig viel, um das Beet im Folgejahr wieder als Gemüsebeet brauchbar zu machen. Vom Umgraben bis zum Erde abtragen und neue auftragen ist alles möglich.

Selbst ist der Mann / die Frau

In gebückter Haltung die unerwünschten Sprösslinge händisch auszupfen ist eine Möglichkeit im Hausgarten. Sie erinnert mich stark an die Geschichte von Sisyphos. Kaum eins ausgerupft, treibt hinter einem das nächste seine zarten Spitzen aus dem Boden. Beim Drandenken stehen mir schon Schweißperlen auf der Stirn.

Wie schaut’s mit der Gemüseernte aus? Im Hochbeet ist diese Variante durchaus möglich,  und wird die Gemüseernte nicht beeinträchtigen.

Am Bodenbeet verdichtet sich mit jedem Schritt die Erde. Verfestigte Erde ist nicht gut belüftet und bei Regen bleibt das Wasser stehen statt schnell einzusickern. Ein harter, platt getretener Boden ist alles andere als ideal für das Wachstum der zarten Gemüsepflanzen.

Auf einer Kräfteaufwandskala von 0 (nicht anstrengend) bis 10 (superanstrengend) rangiert das händische Unkrautjäten am Bodenbeet für mich auf 8. Am Hochbeet ist’s entspannter  – bei mir eine glatte 3. Vorausgesetzt, die Mitte des Hochbeets ist mit ausgestreckten Armen ohne Verrenkungen noch gut erreichbar.

Ran an den Wildwuchs mit Gerätschaften

Im Gartenfachhandel wird man fündig bei Hauen und Hacken zum Jäten im schon bestellten Gemüsebeet.

Der Name lässt’s vermuten, das Unkraut wird damit weggehackt und gleich in die Erde eingearbeitet oder als Mulch liegen gelassen. Je nach Größe der Beete kann die Arbeit mit Hauen und Hacken ganz schön anstrengend sein. Die Hacke muss ständig auf und ab bewegt werden. (Eine Ausnahme davon ist die Pendelhacke, die nur am Boden hin- und hergeschoben wird.)

Ein langer Stiel ermöglicht die Arbeit im Stehen, oft auch von außerhalb des Beetes.  Für Hochbeete und Topfkulturen gibt es handliche Kleingeräte.

Gemüse in Reih und Glied mit ausreichend Abstand zwischen den Pflänzchen erleichtert die Arbeit. Als Abstand empfehle ich mindestens die Breite des Arbeitsgeräts. Ein buntes Durcheinander ohne System erschwert die Arbeit, macht sie aber nicht unmöglich, solange man noch gut dazu kommt ohne die erwünschten Pflanzen mit der Hacke zu beschädigen.

Bonuspunkte in der Kräfteaufwandskala bekommen Hacken und Hauen durch die verhältnismäßig kürzere Bearbeitungszeit zur händischen Auszupfvariante.

Fazit: in meiner persönlichen Kräfteaufwandskala zwar noch recht hoch, aber schneller erledigt. Der wichtigste Pluspunkt ist der positive Effekt auf das Wachstum der Gemüsepflanzen, weil der Boden immer wieder durchlüftet und Material eingearbeitet wird.

Abdecken was geht

Eine weitere Alternative  findet sich in Mulchfolie, mit der die Erde abgedeckt wird. Der Platz für das Gemüsepflänzchen wird kreuzförmig eingeschnitten und dort gesät oder gepflanzt. Wildsamen, die Licht zum Keimen brauchen („Lichtkeimer“), erhalten keinen Startschuss für ihr Wachstum. Dunkelkeimer können nicht so leicht durch die Folie durchbrechen um an die Oberfläche zu gelangen.

Ich habe Null Erfahrung mit den oft hochgepriesenen Mulchfolien und kann zum notwendigen Krafteinsatz beim Auslegen nichts sagen. Warum ist leicht erklärt und so mancher Gärtner wird verständnisvoll mit dem Kopf nicken: es gibt hier eine Nacktschneckenplage. Unter der Mulchfolie herrscht ideales feuchtes Klima für die Schnecken. Ich stelle mir vor, wie sie sich in Scharen in der Nacht durch die Schlitze quetschen (eine ihrer leichtesten Übungen), sich an den Jungpflanzen laben und für mich nur mehr das Gerippe stehen lassen. Nein danke, das brauche ich nicht.

 

 

Jäten kann zu einer sportlichen Herausforderung werden, die so manche Fitnessübung ersetzt. Es muss ja nicht grad zu Mittag in der prallen Sonne und alles auf einmal sein. Diese Arbeit kann sich jeder nach seinem persönlichen Energieniveau ein- und auf mehrere Tage verteilen. Regelmäßig gemacht gibt es eine gute Chance, dass das Gemüse gesund wächst und seinerseits dem Unkraut Licht und Platz wegnimmt. Und wenn mal ein Gemüsebeet „wild“ bleibt, sollte es verständlich sein, wenn die Ernte magerer ausfällt.

Finde deinen Umgang mit den Wildkräutern, probiere aus, tausch dich aus mit anderen Gärtnern. Ich bin froh, dass es die vielen Wildkräuter gibt. Eine Erde ohne Vielfalt wäre ein Graus für mich.

 

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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