Wann und wie richtig Königskerze ernten

Vor einigen Tagen bin ich richtig erschrocken, als ich im Facebook in einer Kräutergruppe Bilder von einer abgeschnittenen Königskerze sah. Dazu die Frage, ob das wohl eine Königskerze sei. Mir hat das Herz geblutet bei dem Anblick. Ich kann nur hoffen, dass der unwissenden Fragestellerin danach kein Malheur passiert ist! Denn nicht umsonst hat die Königskerze neben vielen anderen volkstümlich gebräuchlichen Namen auch noch diese beiden: Wetterkerze und Donnerkerze. Überlieferungen sagen, wenn jemand eine Königskerze ganz abschneidet, kann Blitz, Donner und Hagel sein Haus treffen. Das will niemand! Trotzdem ernten, aber richtig, wie geht das?

Schauen wir uns einmal an, wo die Königskerze vorkommt und wie sie wächst.

Wie die Königskerze wächst

Sie ist eine Pflanze aus der Familie der Braunwurzgewächse, auch Rachenblütler genannt. Der botanische Name beginnt mit „Verbascum“, was auf die Pflanzengattung „Königskerze“ hinweist.

Die Wachstumsphase geht über 2 Jahre. Im ersten Jahr erscheint nur eine Blattrosette am Boden. Im zweiten Jahr treibt sie den Stiel mit den Blüten. Am Ende des zweiten Jahres nach der Samenproduktion stirbt die Pflanze ab.

Darum hat es mich so geschreckt, den abgeschnittenen Stiel am Foto zu sehen. Wird der Hauptstiel abgeschnitten, kann sie keine neuen Blüten mehr bilden und auch keine Samen. Im günstigsten Fall hat die Pflanze noch genug Reserven und treibt im nächsten Jahr noch einmal einen Stiel, so wie normalerweise im zweiten Jahr. Den Fortbestand zu sichern kann ihr eine große Antriebskraft verleihen. Leider ist das nicht sehr wahrscheinlich, darum bitte schneide nie die ganze blühende Pflanze ab.

Im Laufe des zweiten Jahres wird sie höher und höher und öffnet am Stiel von Juli bis September täglich neue Blüten. Die alten Blüten fallen ab sehr rasch ab. Sie bietet dir dadurch viele Wochen lang Erntemöglichkeit der Blüten.

Die meisten Königskerzenarten verzweigen sich vom Stiel weg und bilden Seitentriebe mit Blüten. Je nach Art kann sie majestätisch hoch werden – über 2 Meter hohes „Wollkraut“ – ein anderer Name der Königskerze – habe ich selber schon gesehen und auch im Garten gehabt.

Gelb leuchtend – ein wunderschönes Exemplar, flankiert links durch Ysop und rechts durch große Klette:

Königskerze mit vielen Blüten

Wo die Königskerze sich zu Hause fühlt

Bevorzugt wächst sei an sonnigen, trockenen, warmen Orten. Kalkhältiger Boden ist von Vorteil.

Oft sieht man sie neben Bahngleisen. Doch Vorsicht! Von einer Ernte der Blüten neben Bahngleisen und viel befahrenen Straßen nimm bitte Abstand!

Lies dazu den Artikel: https://www.buntleben.at/3-schlagkraeftige-gruende-essbare-wildkraeuter-im-garten-anzusiedeln/

Beim Punkt „3 Umweltbedingungen“ findest du die Grundregeln für eine Wildsammlung. Die gelten auch für die Königskerze.

Hast du einen eigenen Garten, dann bietet sich die Königskerze wahrlich an, sie zu dir nach Hause zu holen. Einmal eine Königskerze im Garten und dann taucht sie aller Voraussicht nach Jahr für Jahr wieder dort auf, wo sie mag und mit der Zeit werden es jährlich mehr Pflanzen.

Hast du in der freien Natur einen geeigneten Platz gefunden, wachsen dort auch mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Exemplare und deine Erntemöglichkeit steigt.

Sicher eine Königskerze oder doch etwas anderes?

Um Verwechslungsgefahr bei allen Wildkräutersammlungen auszuschließen, empfehle ich dir immer, an Wildkräuterwanderungen teilzunehmen. Sammle nur, was du ganz sicher kennst.

Bei der Königskerze ist die Verwechslungsgefahr sehr klein.
Es gibt an die 2 Dutzend Arten von Königskerzen und unzählige Kreuzungen zwischen den Arten. Giftig ist keine der Königskerzenarten.

Richard Willfort, der Autor des Buches „Gesundheit durch Heilkräuter“ führt eine Art ohne besonderer Heilwirkung an: die „schwarze Königskerze – Verbascum nigrum L.“. Durch ihre lila Staubfäden hat sie ein sehr typisches Aussehen. Ein paar andere Arten mit lila Staubfäden gibt es auch noch, doch meistens sind die Staubfäden gelb/orange gefärbt. Aber das ist der einzige Nachteil, dass diese eine Art der „schwarzen Königskerze“ laut diesem Autor keine besondere Heilwirkung hat.

Kleiner Arten der Königskerze könnten mit dem Odermennig verwechselt werden.

Achte auf die Blütengröße und das Aussehen der Blätter, dann kannst du sie gut unterscheiden. Die Blüten vom Odermennig sind viel kleiner.

Im Bild ist der Fingernagel des kleinen Fingers im Vergleich zur Größe der Blüten vom Odermennig, während die Blüten der Königskerze ja nach Art auch mehrere Zentimeter im Durchmesser haben können. Odermennig Blüte Odermennig Blätter Die Blätter vom Odermennig

Von der Größe her könntest du manche Arten der Königskerze mit der Nachtkerze verwechseln, die auch eine stattliche Höhe erreicht.

Nachtkerze Blätter Die Blätter der Nachtkerze sind nicht so filzig behaart wie die der Königskerze. Das linke Bild zeigt Nachtkerzenblätter.

Die Blüten der Nachtkerze öffnen sich in der Abenddämmerung und verblühen am nächsten späteren Vormittag. Eine wunderschöne Nachtkerzenblüte in ihrer vollen Pracht am frühen Vormittag: Nachtkerze Blüte

 

 

 

 

 

Es besteht keine Gefahr bei Verwechslung mit Odermennig, Nachtkerze oder zwischen verschiedenen Königskerzenarten. Bei einer Wildkräuterführung lernst du sie besser zu erkennen und zu unterscheiden. Nutze diese Gelegenheiten!

Bevor’s ans Ernten geht schauen wir uns nochmal Blüte und Blatt einer großblütigen Art der Königskerze an:

DSC_9732         Königskerze Blatt

 

Blütenernte mit Ritual

Die Blüten sind sehr empfindlich. Sammle nur an trockenen, sonnigen Tagen, am späteren Vormittag. Wähle die frischen Blüten. Das erkennst du daran, dass sie schön aufgeblüht sind und „frisch und straff“ ausschauen. Die Blüten des Vortages sind schon etwas zusammengeschrumpelt, die Blütenblätter lasch oder eingerollt, bei der kleinesten Berührung fallen sie ab.

Die frischen Blüten zupfst du vorsichtig mit der Hand aus dem Blütenkelch. Am besten so wenig wie möglich angreifen und nicht quetschen.

Meine Empfehlung an dich: schaffe dir ein Ritual für die Blütenernte und danke der Pflanze danach.

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, mich für gezupfte Blüten bei der Pflanze zu bedanken. Pro Tag nehme ich auch nicht alle frischen Blüten, sondern nur maximal 1/3. So bleibt immer etwas für die Bienen, Hummeln und andere Tiere übrig und es können Samen reifen.

Es können noch Kleinstlebewesen in den Blüten sein. Darum lege die Blüten nach der Ernte vorsichtig luftig und trocken auf und lasse den Tieren Gelegenheit, sich eine neue Bleibe zu suchen. Danach kannst du die Blüten weiterverwenden.

Blüten der Königskerze trocknen und aufbewahren

Die Blüten der Königskerze sind anfällig für Feuchtigkeit und ziehen sie fast magisch an. Vollende den Trockenvorgang daher am besten in einem Dörrgerät oder im Backofen bei kleiner Temperatur.

Trocknen im Backofen geht so: ein Gitter oder Backblech mit Backpapier belegen und die Blüten einzeln auflegen. Am besten, sie berühren sich nicht. 30 Grad einstellen, Heißluft, wenn vorhanden. Einen Holzkochlöffel einklemmen in der Backofentür, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Es kann schon dauern, bis sie trocken sind und du musst öfters mal nachschauen.

Wenn sie richtig trocken sind, dann sofort ab in ein luftdicht verschließbares Glas. Sonst ziehen sie gleich wieder Feuchtigkeit aus der Raumluft. Die Gefahr besteht dann, dass sie schwarz und unansehnlich werden, sogar schimmlig und nicht mehr verwendbar sind. Das wäre echt schade.

Verwendungsmöglichkeiten der Blüten

Nur kurz, denn das würde den Rahmen des Artikels sprengen, so vielseitige Verwendungsmöglichkeiten gibt es für die Blüten frisch oder getrocknet.

Tee zum Trinken, Gurgeln oder Baden – Kräuteröl – Ansatz in Korn – Frischpflanzenauflage – essbare Dekoration – Einlage in Fleischsuppen – Färbemittel für Wolle und Haare – Räuchern, um nur einige zu nennen.

Als guten Einstieg empfehle ich dir die Teezubereitung aus frischen oder getrockneten Blüten.

1 Teelöffel getrockneter Blüten reicht für 1 Tasse heißes Wasser. Kurz ziehen lassen. Trinke davon maximal 3 Tassen pro Tag. Das ist eine allgemeine Regel bei Heilkräutertees. Nie zu viel pro Tag und auch nur maximal 6 Wochen lang, dann wechseln.
Im Winter in der Hustenzeit ist ein Tee aus Königskerzenblüten wegen der schleimlösenden Inhaltsstoffe sehr beliebt. In fertigen Teemischungen werden die Königskerzenblüten meist mit anderen „Hustenkräutern“ kombiniert. Du kannst aber auch Tee nur aus diesen Blüten trinken und ihn auch gerne mit Honig süßen.

Verwende aber unbedingt ein Teesieb, einen Teefilter oder seihe den Tee ab vor dem Trinken! Denn die kleinen Härchen, die in den Blüten enthalten sind, die können schleimhautreizend sein.

Andere Teile der Königskerze

Außer den Blüten wurden früher auch Blätter, Wurzel, Samen für verschiedenste Zwecke verwendet. Von Öllampen, Kerzendocht, Fischfang ist die Rede. Ja sogar der abgestorbene Strunk einer speziellen Art hat eine Verwendungsmöglichkeit gefunden. Die Prachtkönigskerze wurde früher kultiviert, um daraus handwerklich Spazierstöcke zu fertigen, die leicht, flexibel und fest zugleich waren. Ich kann mir das gut vorstellen, wenn ich bei Sturm beobachte, wie sie hin- und herschwingt und doch nicht abbricht. Es soll sogar noch jemanden in Österreich geben, der dieses Handwerk beherrscht. Wer mehr darüber weiß, über einen Hinweis in den Kommentaren bin ich dankbar.

Nutze die Blütezeit bis im September und lege deinen persönlichen Wintervorrat an und mach es wie ich – genieße gleich eine Tasse Tee aus frischen Blüten!

Königskerze Blütentee

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Petra Plawetzki

    Wunderbarer Artikel – vielen Dank! Ich habe zwei Königskerzen im Garten wachsen und suchte nach Infos. Ich freute mich, diesen ausführlichen und schönen Artikel gefunden zu haben, der alle meine Fragen beantwortete. :)

    • von Sylvia Wonisch

      Das freut mich, dankeschön! Viel Spaß mit den Königskerzen! Liebe Grüße, Sylvia

      • von Karen Krügel

        Liebe Sylvia,
        auch ich habe viele Informationen durch deinen Artikel erhalten. Vielen Dank dafür.
        Heuer wachsen bei uns um’s Haus Königskerzen in Hülle und Fülle. Ich dachte immer sie wären giftig. Schön zu wissen, dass man sie so vielfältig nutzen kann.
        Auf’s Räuchern bin ich schon sehr gespannt! Danke für deinen Beitrag.
        Alles liebe Karen

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