Wie den Garten für den Igel schmackhaft machen

Kürzlich hat ein deutsches Zukunftsforschungs- und Beratungsinstitut eine Zusammenfassung der Megatrends aus ihrer Sicht veröffentlicht. Ein Megatrend lautet: „Anthropogene Umweltbelastung“. Das Wort „anthropogen“ war mir unbekannt – man lernt nie aus. Flugs nachgeschlagen und schon war ich schlauer. Es stammt aus den griechischen Wörtern ántrhopos (Mensch) und génesis (Entstehung) ab. Mit anthropogener Umweltbelastung sind alle vom Menschen verursachten Umweltschäden gemeint.

Ein Megatrend, der Chancen für Industriezweige und regulative Behörden bietet und gleichzeitig riesige Risiken birgt.

Im privaten Haushalt und im Garten besteht keine Notwendigkeit, auf Gesetze der regulativen Behörden zu warten, um eine Trendumkehr einzuleiten. Jeder Gärtner hat die Möglichkeit, eine naturnahe Umgebung zu schaffen und allen Lebewesen und Pflanzen eine Zukunft zu sichern.

 

Mein Anliegen gilt dem putzigen Igel, der auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere steht.

Verdrängt von seinem üblichen Lebensraum ist er auf Garten und Parks angewiesen. Was er zum Überleben benötigt ist das Gegenteil von anthropogenen Umweltproblemen – ein naturnaher Bereich.

 

Drei Punkte eines naturnahen Gartens aus Igelsicht:

  1. Ich mag rein ins Schlaraffenland und nirgends runterplumpsen.
  2. Chemie schmeckt mir gar nicht und macht mich krank.
  3. Was bietest du mir an Abwechslung?

 

Klingt machbar, aber schauen wir ein wenig näher rein.

Barrierefrei und vor Absturz gesichert fühlt sich der Igel wohl.

Für den nachtaktiven Igel sind Straßen Todesfalle Nummer eins. Gelangt er bei seinen nächtlichen Wanderungen auf Nahrungssuche über stark befahrene Straßen bis hin zu unserem einladenden Garten, hat er Glück. Nur wie kommt er hinein ins Igel-Eldorado?  Viele Gärten sind eingerahmt mit Zäunen auf hohen Betonsockeln oder Zäunen, die ganz auf den Boden reichen. Der Igel steht vor verschlossener Türe, das Wasser im Mund läuft ihm zusammen und er kommt nicht rein.

Ein winziger Durchlass in der Gartenmauer in Igelhöhe und -breite reicht schon aus für ihn. Ein Durchlass im Zaun oder im Sockel lässt ihn frohlocken. Den Eingang speichert er in seinem Gedächtnis ab und findet ihn beim nächsten Besuch problemlos.

Entschärfe scharfe Kanten und hervorstehende Teile, damit er sich nicht verletzt.

Fallen aus Igelsicht sind ungesicherte Kellerschächte und Treppen in den Keller. Fällt oder rollt er runter, hat er fast keine Chance mit seinen kurzen Beinchen wieder hochzukommen. Er braucht menschliche Hilfe!

Absicherung der Kellerschächte durch engmaschige Gitternetze, Aufstiegshilfen bei Treppen (Bretter, Ziegelsteine auf den Stufen) sind ein Segen. Die Kosten dafür halten sich in Grenzen.

Hast du einen Gartenteich, dann kannst du ein Brett verwenden, um dem Igel eine sichere Trinkquelle anzubieten. Ohne Brett oder andere Aufstiegshilfe ist er verloren, wenn er in den Teich reinplumpst.

 

Chemiekeulen kannst du getrost im Regal stehen lassen.

Die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln macht den Garten nahrungsarm. Eine öde oder einseitige Pflanzenlandschaft lockt weniger Würmer und Insekten an. Der Igel ist ein Fleischfresser. Er braucht viel Eiweiß.

Im noch wenig artenreichen Frühling nach seinem Winterschlaf kann bereitgestelltes Futter für sein Überleben sorgen. Ebenso im späten Herbst, damit er das notwendige Gewicht für den Winterschlaf erhält. Auch schwach wirkende Igel können zugefüttert werden, finden aber bessere Pflege in einem Wildtierreservat.

Gehen wir von Igeln von normaler Größe vom späten Frühling bis frühen Herbst aus, ist die Nahrungsselbstversorgung sein und menschliches Ziel. Ein natürlicher, vielseitiger und ohne Chemie gepflegter Garten bietet ihm ausreichend Nahrungsquelle.

Das lässt mich zu dritten Punkt kommen. Einen der wesentlichsten Punkte überhaupt.

Vielschichtige Elemente im Garten und bei der Bepflanzung helfen dem Igel.

Über Vielschichtigkeit könnte man seitenlang schreiben und ins Schwärmen kommen. Sie ist auch für den Menschen schön anzuschauen. Hier eine Totholzhecke, lose aufgeschichtet mit genügend Hohlräumen dazwischen, da ein wildes Eck, dort ein lose aufgeschichteter Steinhaufen. Der Igel findet Versteckmöglichkeiten und kann sich laben. Ist der Haufen in geschützter Lage auch noch wasserfest, wählt er vielleicht hier sein Winterquartier.

Im naturnahen, vielschichtigen Garten bleiben die abgestorbenen Pflanzen über den Winter stehen. In ihnen überwintern Lebewesen aller Art, die für den Igel im zeitigen Frühling Nahrungsquelle sind. Brennnesseln im wilden Eck stören den Igel nicht. Im Gegenteil. Er frisst auch Raupen, die auf ihnen  leben.

Wer schon einmal Kompost umgesetzt hat weiß – hier tummeln sich viele Engerlinge. Sie stehen auch auf Igel’s Speiseplan. Darum Vorsicht beim Arbeiten mit dem Leckerbissen Kompost! Erst schauen und vorsichtig prüfen, ob sich ein Igel verkrochen hat.

Ein wichtiges Element für den Igel sind heimische Heckensträucher, gerne stachelig wie er selbst. Unter ihnen findet er tagsüber Unterschlupf und Schutz.

 

Der Igel wurde in Österreich vom Naturschutzbund zum Tier des Jahres 2018 gekürt. Ein Grund mehr, den eigenen Garten aus Igelsicht zu betrachten. Anthropogen – vom Menschen gemacht – kann das auch Gutes bedeuten? Wie wäre es mit „anthropogene, wiederhergestellte Natürlichkeit im Garten“?  Ein großes Ziel, wie ich finde. Kein Gesetz der Welt ist dazu notwendig!

 

Auf in ein „buntleben“!

Herzliche Grüße

Sylvia Wonisch

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